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Jacques de Blond: Glänzende Fensterfronten im Alleingang

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Gewischt mit einem Lächeln: Der Baesweiler Fensterputzer Jacques de Blond kennt bei Wind und Wetter keine schlechte Laune. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Die gute Laune verliert er nie. Nicht bei Dauerregen, nicht bei klirrender Kälte. Frohgemut wischt Jacques de Blond sich durch das ganze Jahr. „Ich bin immer gut drauf, ich bin ja kein Schönwetterputzer.” Sagt es und greift schon wieder zum Lappen.

Er hat es eilig. Heute warten noch einige Fensterscheiben der Settericher Realschule auf den 54-Jährigen. Seit zehn Jahren sorgt er im Alleingang dafür, dass die Fenster aller städtischen Gebäude in Baesweiler glänzen. Dass der Mann mit französischen Wurzeln auf Schritt und Tritt gegrüßt wird, mag auch an seinem Äußeren liegen. Denn einen Schnurrbart wie den von Jacques sieht man nicht aller Tage.

Den trägt er schon seit 30 Jahren. „Man muss viel Kernseife reintun, dann hält der.” Wie er seinen Bart in Form bringt, verrät er gern. Was das Glas betrifft, behält er seine Pflegetricks lieber für sich. Ein Berufsgeheimnis, versteht sich. „Ich hab´ da so ein spezielles Zeug”, sagt er, „das riecht ganz angenehm nach Apfel und greift die Haut nicht an.”

Kanister, Leitern, Stangen, Tücher und vieles mehr hat er auf der Ladefläche verstaut, wenn er durch die Stadt fährt. Neben allen Schulgebäuden und den Rathäusern ist er auch für die Fensterreinigung im Hallenbad („Da muss ich immer mit der Hebebühne bis ganz nach oben, das ist nicht ohne”) und für gut 50 Wartehäuschen an den Bushaltestellen („Die werden so oft beschmiert. Aber ich krieg das alles wieder weg”) zuständig. Längst kennt er die besten Routen und weiß, wann er wo im Jahr was am besten säubern kann.

Nicht selten steigt der Mitarbeiter des Bauhofes dazu schon um 4.30 Uhr aus dem Bett. Dann zwirbelt er sich ein halbes Stündchen lang seinen Bart zurecht und steigt in die Thermounterwäsche, ohne die es dieser Tage nicht geht. „Die Kälte”, sagt er, „hält mich aber ganz schön fit. Ich war noch nie ernsthaft krank.”

Jacques de Blond - was wie ein Künstlername klingt, ist seiner Herkunft geschuldet. „Ich bin zwar Franzose, spreche aber kein Französisch mehr. Ich bin schon sehr Deutsch.”

Doch etwas Besonderes ist er allemal. Während er die Fenster der Realschule putzt, bleiben immer wieder Schüler stehen, grüßen ihn fröhlich und schauen eine Weile lang zu. „Ich bin bekannt wie ein bunter Hund. Manchmal ist mir das schon unangenehm.” Er lächelt dabei. „Nee, so schlimm ist das auch wieder nicht.”

Dass er auf seinen Touren sein eigener Chef ist, gefällt ihm sehr. Helfer fänden sich ohnehin kaum. „Ich hab´ immer wieder mal Aushilfen mitgenommen, aber die hatten schon nach zwei, drei Tagen keinen Bock mehr.” Dass seine Arbeit beizeiten hart ist, leugnet er nicht. „Da muss man schon für gemacht sein.”

Dennoch verliert er selbst in den eigenen vier Wänden die Lust an der Sauberkeit nicht: „Da kannst Du gern mal gucken, wie topp bei mir die Bude ist.” Er liebt seine Arbeit. Doch jede Leidenschaft hat Grenzen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ihm nicht jemand auf der Straße zuriefe: „Jacques, kannst Du bei mir nicht auch mal die Fenster putzen?” Dann winkt er ab.

Bei den vielen tausend Scheiben, die er im Lauf des Jahres in Baesweiler putzt, hat er schon genug zu tun.
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