Integrationsdolmetscher Sadi Ünal: „Wir brauchen Vorbilder”

Von: Karl Stüber
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Es kommt darauf an, wer und wi
Es kommt darauf an, wer und wie Du drauf bist, nicht woher Du kommst: Schüler der Alsdorfer Gustav-Heinemann-Gesamtschule bekennen sich zu dieser Sichtweise. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Wie kann Integration vorangebracht werden? Für Sadi Ünal ist die Frage klar zu beantworten: „Wir brauchen keine Popstars oder Schauspieler als Vorbilder, wir brauchen Durchschnittsmenschen, die mit ihrem Fleiß und ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.”

Ünal meint damit Migranten von nebenan, den Feuerwehrmann, den Verwaltungsmitarbeiter, den Handwerker oder die Bürofachkraft. Seine Botschaft zum 4. Alsdorfer Stadtgesprächs am 8. Juni zum Thema „Farbe bekennen - Integration durch Bildung in Alsdorf” lautet: „Wenn Du fleißig bist und Dich engagierst, kannst Du das schaffen. Und mit Blick auf die Berufswahl und das weitere Leben meint er: „Wenn man will, kann man das werden, wenn man die Möglichkeit bekommt. Wir sind keine Menschen dritter Klasse. Migranten müssen sich für Chancen stark machen. Geschenkt bekommt keiner was.”

Ünal spricht aus Erfahrung, aus Lebenserfahrung. Im Jahr 1969 kam er als Dreijähriger mit seinen Eltern aus der Türkei nach Mariadorf. 1982 machte er seinen Hauptschulabschluss an der Marienschule, absolvierte im Bergbau eine Ausbildung zum Mechaniker und arbeitet seit 1991 im Tagebau Inden, hier als Großgeräteführer bei RWE Power und steuert einen Absetzer auf der obersten Sohle, um nach Abbau der Braunkohle die Fläche für die Landwirtschaft nutzbar zu machen. „Eine verantwortungsvolle Aufgabe”, sagt er nicht ohne Stolz. Als er vor 20 Jahren von der Stein- in die Braunkohle wechselte habe es unter den (damaligen) Rheinbraun-Mitarbeitern nur recht wenige Migranten gegeben. „Da hatte ich auch Sprachprobleme”, erinnert er sich lachend an die „Platt” sprechende deutsche Kollegenschaft.

Natürlich wachsen seine Kinder zweisprachig auf. Daheim gilt der Grundsatz: „Was in einer Sprache angefangen wird, wird in dieser Sprache auch zuende gebracht”, um ein Sprachgewirr zu vermeiden. Ünals Frau ist in der Türkei geboren und in Berlin aufgewachsen. Die beiden lernten sich in der Türkei kennen und heirateten. „Als gesundes Fundament die Muttersprache bewahren und darauf die Landessprache aufsetzen”, praktiziert und empfiehlt er anderen. So sei es auch leichter, die jeweils wichtigen Werte zu erklären und zu verstehen. Er empfinde dies als persönliche Bereicherung.

„Meine Heimat geworden”

„Dieses Land ist für mich meine Heimat geworden, wir haben uns für Deutschland entschieden.” So wurde auch die Nationalität gewechselt. „Die Türkei ist für mich mein Geburts- und Urlaubsland, meine Heimat ist Alsdorf”, betont der 45-Jährige. Hier hat er sich auch sozial engagiert, war zum Beispiel Jugendtrainer bei der Viktoria und organisierte eine Hilfsaktion für Opfer des Bürgerkriegs in Bosnien. Vor sieben Jahren wurde er erstmals in den Integrationsrat der Stadt Alsdorf gewählt, gehört der Gruppe Avrasya an. „Ich habe immer Kontakt zu den Menschen gesucht”, betont Ünal. Um anderen bei der Integration effektiver helfen zu können, hat er beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) eine mehrmonatige Schulung zum Integrationsdolmetscher absolviert, um Migranten bei Behördengängen oder kulturellen und religiösen Problemen als (Ver-)Mittler beizustehen. Sprache besteht nicht nur aus Worten, sondern auch aus Gesten, aus herkunftsbedingten und kulturell bedingten Verhaltensweisen. Das führt zu Missverständnissen, die Ünal in seiner Tätigkeit als Integrationsdolmetscher ausgleichen helfen möchte.

Anregungen und Fragen zur Podiumsdiskussion

Das 4. Alsdorfer Stadtgespräch beginnt am Mittwoch, 8. Juni, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Alsdorf und wird rund zwei Stunden dauern Der Eintritt ist natürlich frei.

Das Thema lautet „Farbe bekennen - Integration durch Bildung in Alsdorf”. Die Veranstaltung wird vom Stadtmarketing Alsdorf Förderverein und unserer Zeitung organisiert.

Das Podium bilden die Friseurmeisterin Nurhan Gümüs, der Tierarzt Dr. Alpha Diallo, der Politikwissenschaftler Mounir Azzauoi, der Vorsitzende des Integrationsrats Alsdorf, Mevlüt Zorlu, der Abiturient und ehemalige Schülersprecher der Gesamtschule Alsdorf, Karrem Bayo, sowie Bürgermeister Alfred Sonders.

Moderiert wird die Veranstaltung von Pfarrer Ulrich Eichenberg und unserem Redakteur Karl Stüber.

Fragen zur Podiumsdiskussion und Anregungen senden Interessierte bitte an die Mailadresse k.stueber@zeitungsverlag-aachen.de
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