Integrations-Programm: Paten-Projekt mit Ruhe in Gang setzen

Von: mabie
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Auf der Flucht vor Kriegen und Konflikten: Die Zivilbevölkerung leidet oft am meisten. Foto: imago/Xinhua

Herzogenrath. Der Weg ins „Frauenkomm.Gleis1“ ist ganz leicht: Ein Knopfdruck, und Sekundenbruchteile später springt die Tür auf. Ganz so einfach wie der Weg zur Informationsveranstaltung über die Patenschaft für Flüchtlinge ist der Weg zum Paten und erst recht der der Flüchtlinge allerdings nicht. Das zeigte der von rund 30 Interessierten besuchte Abend in Rodas Bahnhofsgebäude.

Die Landesbeauftragte NRW für politische Flüchtlinge von Amnesty International, Ingeborg Heck-Böckler, zeigte dabei im Zusammenspiel mit Vertretern von Stadt, Lokalpolitik und Institutionen auf, was zu beachten ist, wenn jemand sich für eine Patenschaft von „Save me – Herzogenrath sagt Ja zur Aufnahme von Flüchtlingen“ interessiert.

„Menschen im Rahmen des Resettlement-Programms haben keine Perspektive“, stellte sie zunächst klar. Damit korrigierte sie auch ein wenig die einführenden Worte von Bürgermeister Christoph von den Driesch, der bei der Ratsentscheidung 2011 zwar gegen die Unterstützung des Save me-Programms stimmte, aber als Demokrat sich heute dafür ausspricht, dass Herzogenrath Flüchtlinge aufnehmen und Patenschaften unterstützen will.

Das Resettlement sei ein Werkzeug, das dabei helfe, „ein Kontingent von Flüchtlingen dauerhaft aufzunehmen und bestmöglich zu integrieren“, hatte der Verwaltungschef eingangs verdeutlicht.

Das konnte Ingeborg Heck-Böckler so nicht bestätigen und betonte, dass die Teilnehmer am Resettlement keinen Anspruch darauf hätten, beispielsweise ihre Familienmitglieder in das Zielland nachzuholen. Das Gute am „Save- me“-Programm sei allerdings, dass der Flüchtling entscheide, wann der richtige Zeitpunkt für die Begleitung gekommen sei.

„Es sind sehr unterschiedliche Zeiträume, die jemand braucht, um in Deutschland anzukommen“, weiß sie aus Erfahrung. Wer Unterstützung geben will, solle mit Ruhe und Gelassenheit, „nicht mit unserem deutschen Tempo“ an die Sache herangehen, riet sie.

Wissen, worauf es ankommt

Kontakt und Begegnung auf Augenhöhe, eine Kultur des Begleitens, die den Flüchtling nicht überfordere und den Paten eher als Türöffner sieht, der zuverlässig begleitet, wenn er gebraucht wird, seien die idealen Eigenschaften, hob Heck-Böckler hervor. Dazu sei nicht jeder geeignet, machte sie klar.

Aus Erfahrungen beispielsweise aus Aachen, wo „Save me“ zunächst innerhalb der Städteregion umgesetzt wurde, weiß sie, dass auch die Chemie zwischen Flüchtling und Pate stimmen müsse.

Damit auch in Herzogenrath als zweiter teilnehmender Kommune in der Städteregion ein stimmiger Umgang miteinander daraus werde, brauche es passende Paten, die wissen, worauf sie sich einlassen und worauf es ankomme.

„Wir haben viele Flüchtlinge, auch solche, die leider kein Bleiberecht haben und nicht wissen, wo sie bleiben können“, schloss auch Beate Kuhn von der „SJD – Die Falken“, die im Dezember 2011 die Bürgeranregung für „Save me“ in den Rat eingebracht hatten.

Bruno Barth als Mitglied des Integrationsrates der Stadt Herzogenrath sprach sich dafür aus, dass Menschen, die nach Deutschland kommen, einen festen Status bräuchten: „Bleiberecht ist ein verunsichernder Status und eine furchtbare Situation für Flüchtlinge und die aufnehmende Gesellschaft.“

Willkommenskultur

Für eine Willkommenskultur auch für mehr Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten müssen, sprach sich der Vorsitzende des Integrationsrates, Ahmed Brimil aus: „Denn niemand verlässt seine Heimat freiwillig!“

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