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Integration wird in Baesweiler auf vielen Ebenen angepackt

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:

Nordkreis. Je höher der Bildungsgrad, desto besser die Integration in die Gesellschaft. Das ist das Ergebnis einer Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Mit Blick auf Erwerbstätigkeit, Bildungsgrad und Abhängigkeit von Sozialleistungen schneidet die Gruppe mit türkischen Wurzeln am schlechtesten ab.

In türkischen Elternhäusern würden Kinder zu wenig gefördert, fehle der Wille zu höherer Bildung oft, sagen die Forscher.

„Zunächst glaube ich nicht, dass nur Türken ein Problem haben”, sagt Jorge Trigoso vom Nachbarschaftstreff Setterich. Der Treff bietet neben Elternberatung auch für rund 40 vor allem türkischen Kinder Hausaufgabenhilfe an.

Für diese Schüler bricht er eine Lanze: Es sei sehr schwer, drei Sprachen gleichzeitig zu lernen. Türkisch, das meist zu Hause gesprochen werde, Deutsch und eine weitere Fremdsprache in der Schule - ein Leben zwischen Sprachwelten.

Den in der Studie angeführten mangelnden Willen zu höherer Bildung kann Trigoso nicht bestätigen. Auffällig sei jedoch, dass viele Kinder nicht mehr zur Hausaufgabenhilfe erschienen, als der Verein aus Kostengründen einen Obolus von 20 Euro pro Schuljahr verlangte. Trigoso: „Geldmangel kann nicht bei allen das Problem gewesen sein.” Denn der Treff bietet Lösungen - etwa ein Stipendium.

„Die Probleme sind tiefer, haben viele Ursachen”, sagt Trigoso. Viele Familien lebten in Armut, in sozialen Brennpunkten, Eltern seien oft überfordert mit der Erziehung. Bildung sei sicher ein Thema, aber es gebe noch andere, über die man sprechen sollte, die im Alltag eine Rolle spielen.

„Kein Integrationsprogramm kann alle Probleme auf einen Schlag lösen. Aber auch viele kleine Schritte sind ein Erfolg”, sagt Trigoso.

„Wir fangen ja nicht bei Null an”, kommentiert Frank Brunner, Beigeordneter der Stadt Baesweiler. Überrascht habe ihn die neue Studie nicht.

Derzeit erarbeitet die Stadt ein Integrationskonzept, das „auf einem breiten Fundament steht”. Das Interesse auf deutscher und nicht-deutscher Seite zeige, dass das Thema nicht auf Gleichgültigkeit stößt.

Von einer Parallelgesellschaft möchte Brunner nicht sprechen, „im Gegenteil: Wir haben ein gutes Angebot an Sprachförderung und auch im Sport- und Vereinsleben klappt alles”.

Nur bei der Integration ausländischer Mitbürger ins Ehrenamt bestehe „Verbesserungsbedarf”.

Gleiches gelte auch bei der Bildung. „Die Studie zeigt, dass wir noch besser vermitteln müssen, wie wichtig Bildung ist.” Überhaupt gehe es um bessere Vermittlung, um so genannte Netzwerkbildung. „Es reicht nicht, einen Flyer zu drucken und zu einer Veranstaltung einzuladen.”

Mit Hilfe von Migrantenvereinen will Brunner eine bessere Vernetzung von Hilfs- und Beratungsangeboten schaffen, mit „persönlicher Ansprache” Ausgrenzung verhindern. Zu von Experten geforderten Angeboten wie verpflichtende, kostenlose Vorschulen möchte er sich nicht festlegen: „Das ist eine Frage der Finanzen.”

Forderungen, einen Teil des Konjunkturpakets II für diese Baustellen zu verwenden, wurden bereits laut. Menschen wie Frank Brunner und Jorge Trigoso arbeiten derweil weiter - Schritt für Schritt.
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