Alsdorf - Inspiriert von Schiller: Gesamtschüler entwickeln eigenes Drama

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Inspiriert von Schiller: Gesamtschüler entwickeln eigenes Drama

Von: te
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Ungewohntes Bild: Um ihre disziplinlose Klasse zu kontrollieren, bedroht die Lehrerin die Schüler mit einer Pistole, die ihr zufällig in die Hände fällt ... Foto: Tobias Esser

Alsdorf. Eine Lehrerin, die mit einer Pistole versucht, ihren disziplinlosen Schülern Friedrich Schiller schmackhaft zu machen? Im Theaterstück „Durchgeknallt“, das in der Alsdorfer Gustav-Heinemann-Gesamtschule Premiere feierte, gibt es sie. Doch der Reihe nach.

Zu Beginn des Jahres besuchte Lehrerin Sibel Yilanci mit einigen Schülerinnen und Schülern das Theaterstück „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje im Theater Aachen. Der Ausflug, der den Schülern Kultur näher bringen sollte, war der Startschuss für das eigene Theaterprojekt. Dazu besuchte die Lehrerin das Stück ein weiteres Mal, jetzt mit dem Literaturkurs der Jahrgangsstufe 12, den der Stoff begeisterte.

„Da der Literaturkurs 22 Schüler hatte, das Stück „Verrücktes Blut“ jedoch nur acht Charaktere enthält, war klar: Man braucht ein eigenes Stück“, erklärte Yilanci, die daraufhin gemeinsam mit der freien Schauspielerin Meike Fuhrmeister und den Schülern das Stück „Durchgeknallt“ erarbeitete.

„So richtig begann die Arbeit an der Inszenierung dann in der Schulkulturwoche im März“, berichtet Lehrerin Katrin Placzek. Damit war die Arbeit aber nicht getan. Jede Woche probte der Literaturkurs, um das Stück zu verfeinern. „Die Schüler haben ihre Freizeit dafür geopfert“, betont Schulleiter Martin May und bedankt sich bei seinen Schülern, deren Engagement er als äußerst wichtig auf dem Weg seiner Schule zur Kulturschule bezeichnete. Meike Fuhrmeister hat die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern sehr viel Freude bereitet. „Die schönste Erfahrung war es, zu sehen, dass alle, egal wie unterschiedlich sie sind, an einem Strang ziehen. Auch die Schüler selbst haben daraus ungemeine Kraft geschöpft.“

Und die Mühe hat sich gelohnt. Das bunt gemischte Publikum aus Schülern, Eltern, Ehemaligen und Lehrern war teilweise von der Robustheit der Lehrerin im Stück schockiert, letztendlich aber von dem Einsatz aller begeistert. Schließlich ist es kaum alltäglich, dass eine Lehrerin ihre Schüler als Geiseln nimmt. Dass sie dann auch noch versucht, ihre Schüler von den idealistischen Vorstellungen Schillers zu überzeugen, ist gar höchst unwahrscheinlich. Trotzdem ist das Theaterstück für viele Schüler authentisch. „Ungefähr 60 Prozent unserer Schüler sind Migranten, die jeden Tag mit Vorurteilen kämpfen müssen. Da können die Schüler schon viel mit dem Inhalt des Stückes anfangen“, erklärte Yilanci.

Als die Lehrerin auf der Bühne sich gegen Ende des Stücks am Ziel ihrer Träume wähnt, ihre Schüler ihr sogar dankbar sind für die ungewöhnliche Unterrichtseinheit über Schiller, nimmt das Stück noch mal eine dramatische Wendung: Ein Außenseiter der Klasse gelangt an die Pistole und erschießt einen Klassenkameraden, der versucht, ihn von der Waffe zu trennen. Zum Abschluss wird das tragische Ende von zwei Schülern in einem Rap kommentiert.

Nach dem verdienten Applaus des Publikums für die jungen Schauspieler, sprachen die Schülerinnen und Schüler ihren Dank an Lehrerin Sibel Yilanci aus als „beste Lehrerin der Welt“. Sie bedankten sich auch bei Schauspielerin Meike Fuhrmeister.

Schulleiter May hofft indes, „dass dies nicht die einzige Aufführung des Stückes bleibt. Die Planung laufen bereits, eine weitere Aufführung vor dem Integrationsrat zu inszenieren.

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