Inklusionskonferenz: Chancen für Menschen mit Behinderung

Von: Jutta Geese
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Denkanstöße: Dr. Johannes Schädler von der Uni Siegen fordert vor allem Barrierefreiheit damit die Inklusion von Menschen mit Behinderung gelingt. Foto: Andreas Herrmann

Städteregion. Es ist eine Minderheit, aber eine recht große: Rund 70.000 Menschen in der Städteregion, das sind etwa 13 Prozent aller Einwohner, haben einen Behinderungsgrad von 50 Prozent oder mehr, 17.000 von ihnen sind zu 100 Prozent schwerbehindert.

Und sie alle haben das Recht, auf uneingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, stehen dem doch vielfältige Barrieren entgegen.

Erste Ideen dafür, wie solche Barrieren abgebaut werden können, erarbeiteten jetzt rund 200 Teilnehmer der ersten städteregionalen Inklusionskonferenz. Sie sollen einfließen in einen Inklusionsplan, den der Städteregionstag Ende des Jahres verabschieden wird. Das Besondere dabei: Der Plan wird nicht von der Verwaltung erarbeitet, sondern gemeinsam von Vertretern aus Politik, den elf Verwaltungen in der Städteregion, Vertretern von Behindertenverbänden sowie Menschen mit Behinderungen. Letztere sind schließlich, wie es Sozialdezernent Günter Schabram bei der Tagung formulierte, „die größten Experten ihres Lebens“. Sie wissen aus eigener Erfahrung, wo ihre Chancengleichheit in unterschiedlichen Lebensbereichen mehr auf dem Papier steht denn in der Realität gegeben ist.

Die Kernfrage beim Thema Inklusion lautet laut Dr. Johannes Schädler von der Uni Siegen: „Wovon hängt es ab, dass das Leben von Menschen mit einer Behinderung gelingt?“ In seinem Impulsreferat nannte er einige Faktoren, die dabei eine Rolle spielen: Es komme darauf an, wie barrierefrei Kita, Schule, Arbeitsplatz, ja, die gesamte bebaute Umwelt sei. Es hänge davon ab, wie sensibel die Menschen für Diskriminierungsrisiken seien. Es komme auf die Art der Unterstützung durch professionelle Dienste an. Und nicht zuletzt hänge es davon ab, wie Menschen lernen, mit Einschränkungen zurecht zu kommen. Wobei Schädler eines klarstellte: „Man ist nicht behindert, sondern man wird behindert. Behinderung entsteht in bestimmten Situationen, in der Wechselwirkung von Einschränkungen, die viele Menschen haben, und Einstellungen.“

Behindertenpolitik im Sinne der Behindertenkonvention der Vereinten Nationen muss laut Schädler zur Antidiskriminierungspolitik werden. Das erfordere in den Kommunen „Mut zu Innovationen“ in vielerlei Hinsicht. Dazu gehöre etwa, bestehende Strukturen in der Eingliederungshilfe zu hinterfragen und neue Unterstützungsformen zu entwickeln. Die Tagung sei ein gutes Beispiel dafür, wie Beteiligung organisiert werden könne, sagte Schädler.

Sieben Workshops

In sieben Workshops entwickelten die Konferenzteilnehmer dann erste Ideen, wie in der Städteregion die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung umgesetzt werden kann. Etwa 80 Einzelmaßnahmen zu den Bereichen Arbeit, Wohnen, Bildung, Mobilität und Gesundheit, aber auch Sensibilisierung der Öffentlichkeit, haben sie zusammengetragen. Die Verwaltung wird diese nun zusammenfassen und bei einer zweiten Inklusionskonferenz am 11. Oktober zur Diskussion stellen. Die Ergebnisse beider Konferenzen fließen dann in den Inklusionsplan ein, der im Dezember offiziell verabschiedet werden soll.

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