In der „Weißen Siedlung” in Merkstein halten die Bewohner zusammen

Von: Elisa Zander
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Ein farbenfrohes Bild: Im schmucken Blumenkorso begleiteten auch die Kinder der Siedlung den Festumzug quer durch die ganze Siedlung. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Die Häuserfassaden der ehemaligen Bergarbeitersiedlung neben der Geilenkirchener Straße in Merkstein entsprechen heute nicht mehr dem Bild, das ihnen vor 75 Jahren den Namen gab. Gekalkt waren die Häuser der „Weißen Siedlung”, als am 2. Mai 1934 die Siedlergemeinschaft gegründet wurde. Sie bot rund 200 Familien ein neues Zuhause, die wegen des Bergbaus in die Region gezogen waren.

Der nach außen hin besondere Charakter des Wohngebiets spiegelte wider, was die Bewohner waren: eine zur Eigenverantwortung zusammengeschlossene und zusammenhaltende Gemeinschaft. Die Häuser standen damals in großen Gärten, in denen nach der Arbeit in der Grube gearbeitet wurde.

Heute bietet die Siedlung ein anderes Bild. Die Zahl der Bauten hat sich um rund ein Drittel erhöht, entsprechend enger stehen sie aneinander. „Das liegt daran, dass die Kinder der Familien gerne hier wohnen bleiben wollten”, erklärt der zweite Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, Berthold Müller.

So wurde häufig kurzerhand angrenzend an den elterlichen Garten ein Neubau errichtet. „An manchen Stellen hat bereits die dritte Generation ihr Haus gebaut”, sagt Müller. Entsprechend kleiner sind heute die Gärten, die mittlerweile kaum noch zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden. Hier hat der moderne Freizeitaspekt eingezogen.

Die achtjährige Lea freut sich darüber. „Ich spiele hier nach der Schule mit meinen Freunden”, erzählt sie. Und dass Oma und Opa direkt nebenan wohnen ist nicht nur für sie eine tolle Sache. Auch die „Großen” schätzen diese Art des Zusammenlebens.

Vereinzelt gibt es zwar noch weiße Hausfassaden, doch auch die sind nicht mehr ursprünglich. Der Trend geht eindeutig ins Farbige. Müsste die Siedlung da nicht umbenannt werden? „Nein”, da sind sich die Anwohner einig. „Der Name ist mit der Siedlung und den Bewohnern gewachsen, den behalten wir bei.”

„Auch neue Bewohner ziehen nicht in die Paul-Leitner-Straße oder die Brachthäuserstraße, sondern in die Weiße Siedlung”, fügt Berthold Müller hinzu. Der Name ist also Programm.

Dem Festumzug wohnten viele ortsansässige Vereine, so auch der Spielmannszug „Glück-Auf”, der Verein Bergbaudenkmal Adolf und die Deutsche Jugend in Europa (DJO). Begleitet wurden sie von rund 80 Kindern, vorwiegend aus der Siedlung, die auf geschmückten Fahrrädern dem Umzug ein farbenfrohes Bild schenkten. Ebenso beteiligten sich Eltern mit geschmückten Kinderwagen.

Selbst für Siedlungs-Fremde wurde das Gemeinschaftsgefühl sichtbar. Darauf legen die Bewohner bis heute großen Wert. „Familiärer Zusammenhalt und engagierte Nachbarschaftshilfe werden hier groß geschrieben”, erklärt Renate Holter.

Heute wie damals: In der Nacht zum 14. Juli 1943 fielen - eher versehentlich Fliegerbomben auf das Wohngebiet. 14 Häuser wurden beschädigt - und von den Bewohnern gemeinsam wieder aufgebaut. Zudem gab jede Familie einen festen Obolus, egal, ob das eigene Haus beschädigt war oder nicht. An diesem Grundgedanken hat sich nichts geändert.

Für besondere Verdienste ausgezeichnet

Zahlreiche Ehrungen nahm der Siedlerverein vor, unter anderem für 25-jährige Vereinszugehörigkeit: Ywonne und Willi Kalinowski, Aneliese und Werner Grußdorf; 60-jähriges Vereinsjubiläum haben: Getrud Rudolf, Therese Daems; 40-jährige Vorstandstätigkeit: Waldemar Wölk, Beisitzer; 51-jährige Vorstandstätigkeit: Günter Müller, Vorsitzender.

Dr. Hans-Joachim Helbig, Jürgen Jeckewitz und Dietmar Smers wurden für besondere Verdienste zur Erarbeitung der Festzeitschrift gewürdigt, Kurt Schiemann, Alois Schwabengruber und Willi Habermann für besondere Verdienste im Verein.

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