Im Karnevalsmuseum gibt es viel zu entdecken

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Zwischen den Karnevalsistischen Kostümen stehen Bernd Siemons (lk.) und Reiner Spiertz (rechts). Foto: ny
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Nur mit Handschuhen blättert Archivar Bernd Siemons in den vielen Ordnern, in denen die Schriftstücke der Vereine im Orignial archiviert sind. Foto: ny

Würselen. Sie dokumentieren das Kulturgut Karneval aus der Vergangenheit und der Gegenwart. In 326 Ordnern sind unzählige Schriftstücke über Karnevalsvereine und deren Arbeit gesammelt. Mehr als 9000 Ordner stehen noch im Keller, rund 51.000 Sammlungsgegenstände, bis ins Jahr 1886 zurück, können bestaunt werden.

Das Haus des Grenzlandkarnevals an der Balbinastraße 3 birgt wahre Schätze. Jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr ist Archivar Bernd Siemons mit anderen Ehrenamtlern im Haus, sichtet, sortiert, dokumentiert – und erzählt Wissenswertes über den Karneval. So auch bei der exklusiven Sommertouren-Führung für Leser unserer Zeitung. Da war sogar der Präsident des Verbands der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise, Reiner Spiertz, gekommen, um einen Überblick über die Arbeit des Verbandes zu geben, der 161 Vereine von Monschau bis Wassenberg mit rund 30.000 Mitgliedern zählt.

Im Museum ist alles das zu finden, was die Vereinsmitglieder zur Verfügung stellen. Bilder der aktuellen Prinzenpaare aus dem Verbreitungsgebiet hängen im Treppenhaus, bevor sie am 11.11. gegen die „Neuen“ ausgetauscht werden. „Dann werden die amtierenden Prinzenpaare aufgehängt“, erzählt Spiertz lächelnd und auch ein wenig stolz: Denn er war es, der während seiner Präsidentenschaft die Räume für das Museum gefunden hatte. Nun sind in Teilen einer ehemaligen Schule in Würselen auf drei Etagen die Utensilien des Karnevals verteilt. „Bisher haben wir rund 300 000 Euro in den Umbau der Räume gesteckt, ohne einen Cent Schulden zu machen“, sagt Spiertz. Sowohl die Kulturstiftung der Sparkasse, als auch der Landschaftsverband Rheinland und die NRW-Stiftung für Heimat und Kultur haben das Projekt als förderungswürdig eingestuft.

Nun sind Fahnen aufgehängt, tragen Puppen Kostüme, stehen Kappen in Vitrinen, Orden, Pokale und Trommeln sind ebenso anzuschauen, wie Urkunden, Ketten, Zepter und Kochkellen. Dazu gibt es Anekdoten, die Spiertz gerne erzählt. Etwa, warum der Altweiber-Donnerstag auch Fett-Donnerstag heißt. „Die Wiever mussten am Donnerstag traditionsgemäß dafür sorgen, dass noch mal gut gegessen wurde, bevor Veilchendienstag der Karneval zu Ende war.“ Deshalb entschieden sich die Frauen oft für Fettgebackenes. Und weil sie schon mal im Mittelpunkt des Geschehens an diesem Donnerstag vor dem Straßenkarneval standen, „haben sie bereits im 19. Jahrhundert den Fett-Donnerstag, den schmutzigen Donnerstag, zu ihrem Donnerstag, zur Weiberfastnacht erklärt“, weiß Spiertz.

Aber er betont auch, wie wichtig die Arbeit seines Verbandes ist. Als die Engländer etwas aus Brüggen abgezogen seien, hätten sie alles weggeworfen. Auch eine alte Karnevalsfahne. „Ein aufmerksamer Passanten sah das, fischte die Fahne aus einem Container und übergab sie dem Verband des Karnevals“, berichtet Bernd Siemons, der sich sicher ist: „Ansonsten wäre genau dieser englische Anteil am Karneval verschwunden.“

Nun ist alles für die Nachwelt gesichert. Dabei ist der Verband auf die Mithilfe der Vereine angewiesen. „Was uns nicht geschickt wird, können wir nicht archivieren“, erklärt Archivar Siemons. Gerade die schriftlichen Unterlagen sind für die Vereine, wenn sie Ehrungen vornehmen oder Jubiläen feiern wollen, eine wichtige Grundlage. „Wir heben alles auf“, sagt Siemons, der mit Hilfe einer gut organisierten EDV weiß, wo er was in welchem Ordner findet. Wenn er in den Originalen blättert, trägt er weiße Handschuhe. „Schmutz, Fett, Bakterien rücken den Originalpapieren zu Leibe. Wir wollen sie aber so lange wie möglich gut erhalten.“

Weitere Infos im Netz:

www.grenzlandkarneval.de

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