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Im Fahrradsattel bis zum Ende der Welt

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Bereit für die Tour zum Nordkap: Thomas (links) und Michael Florschütz radeln zum Ende der Welt. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Zum Ende der Welt zieht es viele hin. Zum Nordkap, jenem Schieferplateau auf der norwegischen Insel Magerya. Auch letzter Außenposten der Zivilisation im Norden genannt. Dort, wo zweieinhalb Monate im Jahr die Sonne nicht auf- und weitere zweieinhalb Monate nicht untergeht.

Gut 200.000 Touristen besuchen jährlich die Aussichtsplattform. Mit dem Fahrrad kommt dabei selten jemand. Doch genau das haben die Brüder Thomas und Michael Florschütz vor. In Würselen tüfteln sie derzeit die Route aus, auf der sie mit ihren Mountainbikes weit jenseits des Polarkreises radeln wollen.

An der Kaiserstraße werden sie nicht starten - soviel Urlaub können der 36-jährige Hardwaretester Thomas und der 41-jährige Produktionsleiter Michael für ihr sportliches Abenteuer nicht opfern.

Ihre eigentliche Tour startet erst in der norwegischen Kleinstadt Mo i Rana. Dorthin geht es bequem mit dem Flieger und per Bahn. Was folgt, wird schon deutlicher anstrengender sein.

Knapp 1500 Kilometer liegen vor den Jungs, die sie in 14 Etappen bewältigen wollen. „Wird sicher hart”, sagt Thomas, der zwar jährlich an die 8000 Kilometer im Sattel runterreißt, aber nie so viel am Stück.

„Jeden Tag 100 Kilometer - das geht bestimmt in die Knochen.” Zumal die Brüder die asphaltierten Straßen tunlichst meiden und stattdessen querfeldein fahren wollen. „Darum geht es ja gerade, um das Nicht-auf-der-Straße-fahren-müssen.” Das kennen sie bereits.

2006 haben sie mit ihren Rädern die Alpen überquert. „War der Wahnsinn”, sagt Michael, „du stehst da plötzlich oben mit deinem Fahrrad mitten in einem Schneefeld. Einfach irre.”

Irre? So hatten auch ein paar ihrer Freunde die Aktion bezeichnet. „Als wir ihnen hinterher von unseren Erlebnissen erzählt haben, waren sie allerdings schwer beeindruckt.”

Auch deshalb, weil Thomas und Michael nicht bloß aus Spaß in die Pedale getreten hatten. Bei ihrem „Alpen-Cross” hatten sie Spenden zugunsten herzkranker Kinder gesammelt. Sponsoren brachten seinerzeit 1340 Euro zusammen.

Diesmal soll es noch mehr Geld werden. Die Reisekosten zahlen die Radler aus eigener Tasche. Thomas: „Was gespendet wird, geht komplett an den Bundesverband herzkranker Kinder.”

Auch deshalb können die beiden jetzt nicht mehr kneifen. „Wir haben zwar keine Angst vor der Tour”, sagt Michael, „aber schon einen Riesenrespekt.” Denn im hohen Norden werden sie kaum mal einem Menschen begegnen.

Auf den letzten 200 Kilometern verzeichnen die Karten keine einzige Siedlung mehr. Was also, wenn einer der beiden im Niemandsland krank wird? Oder wenn er stürzt und sich etwas bricht? Schulterzucken. „Wird schon nicht.”

Ist jedenfalls noch nie passiert. Ein Jahr lang hat Thomas als Tourguide mit dem Mountainbike in Portugal gearbeitet. „Oft gefallen, nie etwas gebrochen.” So viel Glück soll den beiden auch 520 Kilometer nördlich des Polarkreises hold sein.

Übernachtet wird übrigens im Zelt, die entsprechende Ausrüstung lagert in kleinen Anhängern, die die Mountainbiker ziehen müssen. Dass es nachts mal kalt wird, ist nicht ausgeschlossen. Zwar startet die Tour im Juli, doch dann erreichen die Temperaturen nur tagsüber Werte um 20 Grad Celsius. Wird es dunkel, wird es frostig. „Das gehört dazu: Natur pur.”

Wer mag, kann die beiden auf ihrer Tour begleiten. Mit dem Mountainbike, versteht sich. „Fit sein, ein taugliches Rad haben und das Flugticket bezahlen”, nennt Thomas die einzigen Voraussetzungen. Alter? Egal. Hauptsache, man ist ein leidenschaftlicher Radler. Thomas: „In der Gruppe wird das Ganze sicher noch lustiger.”

Der Clou an der Sache

Der Clou an der ganzen Sache? Die Jungs müssen nicht zurückradeln. Denn der nördlichste Punkt Europas hat auch das zu bieten: die nördlichste Linienbus-Haltestelle! Thomas: „Einmal am Tag hält da oben tatsächlich ein Überlandbus. Wir kommen also da an, machen unsere Erinnerungsfotos, packen die Räder in den Bus und lassen uns zum Flughafen fahren.”
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