Ich male Dir ein Schloss: Kunst aus der Spraydose

Von: mabie
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Der Fantasie freien Lauf lassen: Eine stolze Truppe zeigt sich vor dem noch nicht ganz fertiggestellten Bild mit dem Ferienspiel-Thema „Hexen und Zauberer“. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. „Mann, was hast Du jetzt gemacht?“, ruft Tom Holtmann seinem Sprühpartner Niels Tapp zu. Langsam zieht die Farbe auf der Wand eine Nase. An einer Stelle ihres gemeinsam gemalten Schlosses prangt Rot statt Schwarz. Doch das ist nicht wirklich schlimm, Tom greift zur richtigen Farbdose, und das Schloss auf dem großen Themenbild „Hexen und Zauberer“ kann weiterwachsen.

Die beiden Zehnjährigen sind nicht nur Teil einer 15-köpfigen Gruppe, die sich die Verschönerung der Graffiti-Wand am Städtischen Jugendtreff im Bürgerhaus Kohlscheid verschrieben hat. Sie machen auch mit beim landesweiten Projekt Kulturrucksack, das unter der Überschrift „You-Art-Graffiti“ in Herzogenrath stattfand.

„Wir haben über drei Monate in zwei Gruppen mit den Kindern und Jugendlichen gearbeitet“, erzählt Carmelina Weinthal. Mit ihrem Kollegen Christian Stankewitz steht sie für die Jugendarbeit der Stadt, die den Kulturrucksack umgesetzt hat. Im „Sack“, wie Christian sagt, waren neben Farbdosen, den richtigen „Caps“ für den passenden Sprühstrahl, auch Skizzenbücher, Plastikfolie, Leinwände – und Bastian Räsch. Der 20-Jährige war aber durch seine Erfahrung mit Graffiti und der dazu gehörigen Hip-Hop-Kultur genau der Richtige, als es darum ging, den 15 jungen Menschen zwischen zehn und 14 Jahren das Sprayen beizubringen. „Vom Sketch zum Piece“ ging es dabei, also vom Entwurf, den Graffiti-Künstler jeden Alters zunächst auf Papier bannen, zum fertigen Wandbild.

Freiwilliges soziales Jahr

„Es ging auch darum, den Teilnehmern die verschiedenen Möglichkeiten von Graffiti nahezubringen“, erklärt Räsch, der in Roda ein freiwilliges soziales Jahre leistet. Nicht nur reine Buchstaben, sondern Streetart, Background und weitere Fachbegriffe standen auf dem Plan. Neben dem Basiswissen, das ein gutes Graffiti ausmacht, galt es auch, den Ehrenkodex unter den Malern, wie sich die oft fälschlicherweise als Sprayer titulierten Künstler nennen, zu erlernen. „Schließlich muss man wissen, wie man sich in der Szene zu verhalten hat und auch illegales Sprühen vermeiden“, sagt Räsch.

Christian Stankewitz betont, dass während und vor allem nach dem Projekt nun nicht einfach auf irgendwelchen Hauswänden illegal Kunstwerke zu hinterlassen werden, sondern nur legal gemalt wird. „Die Graffiti-Wand des Jugendtreffs, die schon seit langem freigegeben ist, hat sich da angeboten“, sagt Stankewitz. „Kinder, die teils sehr hibbelig sind, haben in der Gruppenarbeit zueinander gefunden, in Teams gearbeitet und gemeinsam das Abschlussbild gestaltet“, betont Carmelina Weinthal den pädagogischen Effekt.

Auf die Tube drücken für soziales Lernen, das freute auch Bastian Räsch. Und er war beeindruckt von der Energie der Nachwuchskünstler: „Die hatten meist auch schon eigene coole Ideen, und ein paar werden das wohl weitermachen.“ Und so konnte das Bild, das pünktlich zum Start der ebenfalls mit „Hexen und Zauberer“ überschriebenen Ferienspiele im Bürgerhaus fertig ist, weiter wachsen.

Zuhause etwas vorbereitet hatten auch Tom und Niels. „Ich finde es cool, dass wir die Wand hier benutzen dürfen und immer wieder neue Dosen bekommen“, freut sich Tom. Denn die Materialien sind teuer. Dass die Dinge im Kulturrucksack steckten, freut auch Niels: „Dass es nichts kostet, ist super. Und dass wir die Kunstwerke auf Leinwänden oder Plastikfolie mit nach Hause nehmen dürfen, ist natürlich auch toll.“ Schnell zieht er sich mit behandschuhten Fingern den Mundschutz wieder über das Gesicht. Das Schloss muss fertig werden.

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