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Humor als Überlebensstrategie

Von: ath
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Angeregte und anregende Unterhaltung. Der Bonner Philosoph Markus Melchers stellt im Café des Klösterchen Zitate und Thesen zur Diskussion. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. Was ist Humor? Über diese Frage lässt sich trefflich streiten - oder philosophieren. Genau das taten die Gäste des zweiten Philosophie-Cafés im Klösterchen, das Moderator und Philosoph Markus Melchers unter das Thema „Humor und Philosophie” gestellt hatte.

Drei Zitate stellt Melchers einfach in den Raum und dann sind die Gäste gefragt. Zurücklehnen und leise denken ist nicht, wer kommt, ist aufgefordert, mit zu philosophieren. „Ich könnte ja auch einen Vortrag zum Thema halten und dann wird diskutiert, aber das ist nicht so spannend. Da würde es nur darum gehen, finde ich gut, was der Melchers gesagt hat oder nicht”, so der Bonner Philosoph.

Seine Zitate zum Einstieg sind sozusagen der Türöffner im Kopf. Sie sollen Widerspruch, Zustimmung, Fragen und eigene Gedanken zum Thema auslösen, die dann in einer munteren Diskussion münden. Zum Thema Humor lauteten sie wie folgt: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen, noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen” (Psalm 1, Vers 1), „Lache nicht viel, nicht über alles und nicht überlaut” (Epiktet, Handbuch der Moral) und „Wenn ein Witz wirklich gut ist, ist mir egal, wen ich damit beleidige” von Billy Wilder. Erfahrungsgemäß dauere es etwa 35 Sekunden, ehe der Erste darauf reagiere und sich zu Wort melde, so Melchers. Im Klösterchen sind es exakt 27 Sekunden.

Schnell dreht sich der Austausch um ein anderes Zitat: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht”. Humor als geistige Haltung, als Charaktereigenschaft, die den Menschen gerade in schlechten Zeiten ausmacht. Eine gewisse Distanz zu den Dingen haben, das Komische in einer Situation sehen und vor allem über sich selbst lachen können. Ist das angeboren, kann man das lernen? Wer entscheidet eigentlich, ob man Humor hat oder nicht? Hat man Humor, wenn man über Witze lacht? Wenn ja, über welche? Das scheint doch eine Frage des persönlichen Geschmacks zu sein. Der eine mag Komik, der andere Ironie. Fragen und Thesen schwirren durch den Raum. Philosoph Markus Melchers stellt die Definition der Romantiker (Ende des 18. bis ins 19. Jahrhundert) dazu.

Nach ihrer Auffassung ist Humor das gebrochene Verhältnis zum Absoluten. Ein Mensch mit Humor kann nicht glauben und akzeptieren, dass es etwas gibt, das unantastbar ist, wie der Glaube an Gott oder wie ein Staatssystem, beispielsweise eine Diktatur. Humor ist demnach in der Tat eine Haltung, eine Überlebensstrategie. Dazu passt dann auch die These des neuzeitlichen Philosophen Joachim Ritter „Humor ist die Möglichkeit, mit der eigenen Endlichkeit fertig zu werden.” Eine Ebene, auf der sich die Philosophen dieses Abends einigen können - und müssen, denn nach zwei Stunden ist Schluss.
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