Hohes Gewaltpotenzial des Angeklagten

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Im Prozess wegen versuchten Mordes gegen den mehrfach wegen Gewaltdelikten vorbestraften Hans-Willi M. (69) aus Herzogenrath hatte am Montag die psychiatrische Sachverständige das Wort. Die Kölner Psychiaterin Konstanze Jankowski kam am Ende ihres Vortrages vor dem Aachener Schwurgericht (Vorsitz Richter Arno Bormann) zu einem klaren Ergebnis.

Der bis zu dem Vorfall vom 17. Mai, als er bei einer Ausfahrt seinen Bewährungshelfer mit einem Messer angegriffen hatte, im sogenannten KURS-Programm betreute Straftäter sei fraglos auch in der Zukunft eine Gefahr für die Allgemeinheit. Deswegen befürworte sie eine anschließende Sicherungsverwahrung des Täters, sagte sie ihrem Gutachten. Sie habe den Angeklagten bei ihrem Gesprächen durchaus als zugänglich und manchmal sogar fröhlich bis aufgeräumt angetroffen.

Doch der jetzt im Rollstuhl sitzende und im übrigen schwer kranke Mann habe zwei Gesichter. Kantigkeit und Knorrigkeit gehörten dann zu seinem Charakter, wenn er „eigene Bedürfnisse nicht direkt durchsetzen“ könne, stellte die Sachverständige fest. „Das gehört genau so zu Herrn M.“, so Jankowski. Aus seiner Akte und anlässlich verschiedener Gewalttaten in der Vergangenheit bereits drei mal psychiatrisch begutachteten Straftäters gehe hervor, dass er dieses Verhalten regelmäßig an den Tag lege und somit in der Zukunft auch keine Verhaltensänderungen zu erwarten seien.

Keine Therapie möglich

„M. hat eine dissoziale Persönlichkeit und greift, wenn er nicht weiter weiß, zu Gewalt als Mittel, seine Bedürfnisse durchzusetzen“, sagte sie und verneinte die Frage, ob der Angeklagte therapierbar sei. Dazu habe Hans-Willi M. zu oft Bewährungsversagen und Rückfallverhalten gezeigt. Es sei auch nicht so, dass der 69-jährige durch seine schwere Herzkrankheit nicht mehr in der Lage sei, klar zu denken. So gebe es gleichermaßen keine Gründe, ihm bei seiner Tat eine verminderte Schuldfähigkeit zuzugestehen. Der alleine in Herzogenrath-Merkstein wohnende und von zwei Polizisten sowie von einem Bewährungshelfer betreute M. hatte sich am 17. Mai in einem Seniorenstift in der Südeifel ein Zimmer und die Einrichtung selber ansehen sollen. Er trat die Fahrt an diesem Morgen nur widerwillig an, ließ sich zunächst zu einem Arzt fahren, um noch fehlende Medikamente zu erhalten.

Da hatte er seine Krankenkarte vergessen, die er noch zu Hause holen musste. Bereits da sei er „einfach so“ ohne auf den Verkehr zu achten über die Straße gelaufen, ein Lkw habe eine Vollbremsung machen müssen.

Dann wurde sein Unmut stärker. Er versuchte auf der Fahrt in dem Polizeiauto urplötzlich die Türe zu öffnen, was ein Beamtin im letzten Moment verhinderte. Er habe sich rausstürzen wollen, erklärte er später. Dann kramte er ein Messer aus seinem Strumpf hervor und rammte es dem vor ihm sitzenden Bewährungshelfer von hinten in den Oberarm. Die neben ihm befindliche Polizistin drückt ihn mit Kraft in die Ecke, bis das Fahrzeug schließlich zum Stehen kam.

Der Prozess geht am Mittwoch weiter, dann wird auch ein Urteil erwartet.

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