Höchste Konzentration beim Einbruch des Winters

Von: Beatrix Oprée
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An vielen Stellen muss genau gezirkelt werden, um mit dem Schneepflug vorbeifahren zu können. Foto: Beatrix Oprée
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Routiniert steuert Willi Vanwersch die sperrigen Räumfahrzeuge schon seit 28 Jahren. Foto: Beatrix Oprée
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Der vorgebaute Pflug wird hydraulisch gesteuert und mit Hilfe zweier Räder gelenkt, wie Ulrich Rible, Leiter des städtischen Bauhofs, erläutert. Foto: Beatrix Oprée
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Dieter Arnold, Einsatzleiter Winterdienst, zieht derweil die „Strippen“, um eines der noch gut gefüllten Silos zu öffnen und den Streuwagen wieder aufzufüllen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. „Man muss überall gucken – nach vorne, hinten, sogar nach oben“, sagt Willi Vanwersch und zirkelt im verwinkelten Noppenberg um eine tückische Hausecke herum. Wobei er einen auf rund drei Metern Höhe herausragenden Vorbau im Blick hält.

Seit vergangenem Jahr gilt an dieser Stelle Parkverbot, „wenn hier noch ein Wagen stünde, hätten Sie gar keine Chance mehr.“ Es ist nicht irgendein Fahrzeug, das Vanwersch durch die engen Straßen steuert, sondern das Prunkstück des städtischen Bauhofs, der neue, 280.000 Euro teure Schneepflug.

Wie seine Kollegen ist er an diesem Freitag schon seit vier Uhr morgens unterwegs. Sturmtief Egon sei dank, das in der Städteregion zwar weniger stürmisch, dafür aber schneereich daherkam. Aufstehen, wenn andere sich noch im Bett herumdrehen können, die dann auf geräumten Straßen zum Dienst fahren, das macht Willi Vanwersch schon lange nichts mehr aus.

Seit 28 Jahren fährt er in der Rodastadt im Winter Räumfahrzeuge. Er kennt jeden Meter auf den genau festgelegten Strecken der vier Streubezirke. Und die Einzelheiten, auf die es zu achten gilt. Das richtige Tempo zum Beispiel: „Wenn der Pflug abgesenkt ist, sind maximal 25 Kilometer pro Stunde möglich. Je schneller man fährt, umso weiter fliegt der Matsch. Bei 50 km/h könnte der auf der ersten Etage landen. So schnell fahren wir deswegen nur im freien Feld.“

Für drängelnde Autofahrer hat Vanwersch daher nur Kopfschütteln übrig: „Manche wollen unbedingt noch vor dem Pflug raus, dabei ist es bei solchen Straßenverhältnissen doch viel sinnvoller, dahinter zu fahren ...“

Alles wird dokumentiert

Von 1. November bis 31. März dauert die Winterdienstbereitschaft der Kommunen. „Die Temperatur ist die Maßgabe“, erläutert Ulrich Rible, Leiter des städtischen Bauhofs. Dreimal täglich konsultiert er diverse Wetterdienste, unter anderen einen für Landwirte – „die können Regen auf den Liter genau vorhersagen“ –, um sich ein Bild von dem zu machen, was witterungsbedingt auf seine Mannschaft zukommt.

„Dabei muss man bedenken, dass Herzogenrath verschiedene Wetterzonen hat. In Kohlscheid, Richtung Soers, ist es immer am kältesten.“ Will heißen: Da kann noch Glatteis herrschen, wenn es in anderen Stadtteilen schon wieder Entwarnung gibt. Sobald die Temperaturen auf drei Grad sinken, fährt in Herzogenrath das „Wettermelde-Fahrzeug“, ein städtischer Pkw, der per Sonde Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst und abspeichert. „Dokumentation ist das A und O“, sagt Rible.

Als Nachweis, unter anderem, falls es zu einem Unfall kommt. „Damit wir lückenlos darlegen können, dass die Kommune ihrer Organisationspflicht nachgekommen ist“, sagt Rible. Je nach Wetterlage wird alarmiert, um etwa punktuell eine exponierte Brücke abzustreuen oder eben wie am Freitag die komplette Flotte in Gang zu setzen.

Bereits ab drei Uhr fährt der Mitarbeiter mit dem Meldefahrzeug 20 markante Stellen in der Stadt ab, unter anderem die Forensberger Brücke, die Oststraße, die Geilenkirchener Straße oder die Voccartstraße. Um 4 Uhr beginnt die Winterbereitschaft, die – abzüglich der normalen Tagschicht – immer bis 24 Uhr dauert. Nur bei extremer Witterung fällt die vierstündige nächtliche Pause aus. Im Winter 2010 war das zuletzt der Fall, wie Rible erzählt. „Das Problem damals: In ganz Europa gab es kein Salz mehr.“

Für den gebührenpflichtigen Winterdienst gemäß Straßenreinigungssatzung stehen alles in allem 24 Mitarbeiter mit Lastwagenführerschein zur Verfügung, um im Extremfall drei Schichten auf den insgesamt 220 Kilometern Streustrecke fahren zu können. Mit vier Räumfahrzeugen, die alle mit Schneepflug und Doppelkammer-Streuautomat ausgerüstet sind, damit gleichzeitig Streusalz (zum Auftauen), Feuchtsalz (der besseren Haftung wegen) und Eifellava (als umweltfreundliches abstumpfendes Mittel) aufgebracht werden können.

Vom Führerhaus aus ist das alles steuerbar, wie Willi Vanwersch demonstriert. In Ein-Gramm-Schritten lässt sich auf einem Schaltpult die Streustärke einstellen, dazu das „Wurfbild“, das heißt den Grad der Streubreite. Und per Joystick wird der Schneepflug abgesenkt beziehungsweise gelenkt.

So komfortabel das anmuten mag, der Wintereinsatz ist und bleibt nicht nur wegen der erforderlichen hohen Konzentration ein Knochenjob. Weswegen die Fahrzeuge stets mit zwei Personen besetzt sind. Denn auch Schneepflüge können sich mal festfahren. Oder falls geparkte Fahrzeuge im Weg stehen. „Da kommt es vor, dass der Beifahrer von Haus zu Haus läuft, um den Halter herauszuschellen“, erklärt Rible. Denn der Streupflicht muss nachgekommen werden, komme was wolle.

Überstunden sind auch für den nicht gebührenpflichtigen Winterdienst angesagt, das sind die 13 Kolonnen à zwei Personen mit entsprechenden Fahrzeugen, die die sogenannten Handstreustrecken absichern. Rible: „Auch die Stadt muss – wie jeder Bürger – der Winterdienstpflicht nachkommen.“ Das heißt, Bushaltestellen, Zebrastreifen, Überwege und Gehwege vor städtischen Liegenschaften zu räumen. Der Bauhof steht dabei in stetem Kontakt mit Aseag und Regio-Entsorgung sowie Polizei und Feuerwehr.

So ist es ist den vielen schaufelnden und streuenden städtischen Mitarbeitern zu verdanken, dass auch am Freitag der Verkehr schnell wieder reibungslos rollte. Ulrich Rible dazu: „Ein guter Winterdienst beruht auf drei Faktoren: gutem Material, gut ausgebildeten Mitarbeitern und einer guten Organisation.“

30 Tonnen Salz streut Alsdorf

30 Tonnen Salz hat der Eigenbetrieb Technische Dienste der Stadt Alsdorf am Freitag bis Mittag verbraucht. „Seit vier Uhr sind die Kollegen im Einsatz“, sagte der Technische Betriebsleiter Jörg Theißing auf Nachfrage. Auch im Tagesverlauf sei der Eigenbetrieb mit 15 Leuten weiter unterwegs gewesen. Bei dieser Personalstärke bewege man sich im üblichen Rahmen für diese Wetterlage.

Auch in Würselen waren gegen Mittag noch alle Mitarbeiter der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe (KDW) auf den Straßen: 27 insgesamt, davon sechs mit Fahrzeugen, wie Stadtsprecher Bernd Schaffrath auf Nachfrage sagte. Die verbleibenden 21 seien im Handstreudienst an Bushaltestellen, Gehwegen und anderen neuralgischen Punkten anzutreffen gewesen.

In Baesweiler, wo es im Vergleich weniger geschneit hatte, fiel ebenfalls um 4 Uhr der Startschuss. „Sieben Leute auf sieben Fahrzeugen mit Schneeschild und Streusalz“ hätten die Straßen abgefahren, so Pressesprecherin Birgit Kremer-Hodok, zusätzliche Bauhofmitarbeiter befänden sich im Handstreudienst. „Salz ist nach wie vor noch genügend vorhanden“, so die Pressestelle (vm).

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