Hochwasserbecken wird nicht gebaut

Von: Beatrix Oprée
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Ländlicher Friede: Die Idylle südlich des Schlosses Rimburg wäre durch das riesige Hochwasserrückhaltebecken erheblich gestört worden, was auch die Umweltschützer umtrieb. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Das wird die Umweltschützer besonders freuen, die das Vorhaben seit Jahrzehnten vehement bekämpft haben: Das Hochwasser-Rückhaltebecken Rimburg wird nicht gebaut. Mit dieser „frohen Botschaft” ist Bürgermeister Christoph von den Driesch jetzt von der Sitzung des Verbandsrats des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) zurückgekehrt. Wie schon sein Amtsvorgänger Gerd Zimmermann hatte auch er sich für Alternativen zum Schutz vor dem so genannten Jahrhunderthochwasser eingesetzt.

Ein riesiges Becken unmittelbar südlich von Schloss Rimburg, bis auf Herzogenrather Stadtgebiet und in die Niederlande hinüber sahen die ursprünglichen Pläne vor und damit einen erheblichen Eingriff in das Naturgebiet, das seit dem Jahr 2000 den Flora-Fauna-Habitat-Status genießt. Zusammen mit den Kommunalvertretern auch aus Geilenkirchen und Heinsberg hat von den Driesch im Wasserverband darauf hingearbeitet, statt auf die großflächige Lösung vielmehr auf Einzelmaßnahmen zu setzen.

Talsperrenausmaße

Letztlich aber sei auch ein Rechtsstreit mit Blick auf den notwendigen Grundstückserwerb von insgesamt 45 Hektar zu erwarten gewesen, nicht zu reden von möglichem massiven Protest gegen das Bauwerk selbst. Denn das seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon von den Vorgängerverbänden des WVER geplante Rückhaltebecken für den Jahrhundertregen hätte fast die Ausmaße einer Talsperre angenommen, abgegrenzt durch einen 650 Meter langen und 7,70 Meter hohen Erdwall mit einem Dammfuß von 40 Metern Durchmesser und einer Kronenbreite von befahrbaren 5,50 Metern auf niederländischer Seite.

„Von hier wäre seitens der Anwohner mit Widersprüchen zu rechnen gewesen”, erläutert Robert Steegmanns, zuständiger Dezernent beim Wasserverband. Ein Becken mit dem Fassungsvermögen von 780000 Kubikmetern hätte vorgehalten werden müssen, „kalte Pracht”, wie Steegmanns es nennt, da nur bei Bedarf gefüllt. „Zu einem Drittel der Kosten kommen wir nun schneller zum gleichen Schutz vor dem Jahrhundertereignis.”

Gleicher Schutz für weniger Geld

Das freut auch Rodas Bürgermeister, auf dessen Kommune die Baukosten wie auf alle anderen Wurmanlieger ebenfalls umgelegt worden wäre. Mit 15417700 Euro hätte das „Jahrhundert”-Bauwerk zu Buche geschlagen, was eine Belastung von umzulegenden 576600 Euro jährlich für die Kommunen zur Folge gehabt hätte.

Rund 195600 Euro jährlich sind es hingegen, wenn dezentrale, lokale Schutzmaßnahmen ausgebaut werden. Ein Mäuerchen hier, eine Verwallung da, von etwa 30 bis 90 Zentimeter Höhe und einen bis allenfalls drei Meter lang - und das Wasser wird gleichermaßen im Zaum gehalten. Geilenkirchen profitiere am meisten von dem neuen Maßnahmen-Konzept, das im Hochwasser-Aktionsplan Wurm bereits modellmäßig betrachtet und so die nötigen Standorte identifiziert worden sind, wie Steegmanns darlegt.

Unter anderem wird etwa der überbaute Durchlass nahe dem Geilenkirchener Gymnasium ertüchtigt, durch ein erhöhtes Mäuerchen: „So kann das Wasser unter höherem Druck abfließen.” Zudem werden vor Brücken und Durchlässen Rechen eingebaut, um so genannte Verklausungen zu verhindern, damit sich mitgespülte Teile wie Baumstämme nicht verhaken und so zu Stauungen führen können.

„Bei gleichem Schutzgrad kommen jetzt erheblich weniger Kosten auf uns zu”, sagt Bürgermeister von den Driesch, „und der wertvolle Naturbestand und die Naherholungsgebiete im Bereich der Stadtgrenzen Herzogenrath, Übach-Palenberg und Landgraaf bleiben für die Bürgerinnen und Bürger erhalten.”
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