Hildegard Hüring engagiert sich für Flüchtlinge

Von: mabie
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Beeindruckende Erzählerin: Hildegard Hüring, Flüchtlings-Aktivistin der ersten Stunde in Würselen, stellte im Alten Rathaus ihre Arbeit für die Menschen ohne Zuhause vor. Foto: Markus Bienwald

Würselen. Noch genau kann sich Hildegard Hüring an die Zeit der aufkeimenden Fremdenfeindlichkeit in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erinnern. So formen ihre Hände beim Gedanken an die Taten von Neonazis von damals noch die Umrisse eines großen Steins, wie er damals in die Scheibe einer Notunterkunft für diese Menschen flog.

„Es war eine schreckliche Zeit“, sagte sie, als sie ihr Wirken für die Flüchtlingshilfe im Alten Rathaus in Würselen vorstellte. Auf Einladung des Frauenplenums skizzierte sie dabei Beweggründe, wagte aber auch einen Blick zurück in ihre Kindheit, um die Wurzeln ihres Engagements zu beleuchten. So ist sie in einer sehr strengen Familie in Aachen aufgewachsen. Von den Großeltern gab es das Sonntagsgeld, ihr Bruder bekam regelmäßig mehr, mit dem Hinweis, der müsse ja später auch für eine Familie sorgen.

Christlich geprägter Hintergrund

Hildegard Hüring wurde nichts geschenkt, sie begann am 1. April 1965 ihre Ausbildung bei der Sparkasse. Ein Glückstag, wie sie sich gerne erinnert, schließlich lernte sie dort an diesem Tag ihren Mann Norbert kennen, mit dem sie bis heute glücklich ist. Familienbegleitende Maßnahmen waren damals natürlich noch ein Fremdwort und so wurde sie mit dem Mutterdasein auch Hausfrau, eine Tätigkeit, die sie auch durch die Hilfsbedürftigkeit von Menschen in ihrer Familie immer mehr in Anspruch nahm.

Vielleicht war es auch dieses Wirken, das sie zu einem Motor der Flüchtlingsbewegung in der Düvelstadt werden ließ. Die Initialzündung kam Ende der 1980er-Jahre. Damals, so erinnert sie sich, war der Widerstand im Wohnumfeld gegen die hilfesuchenden Flüchtlinge sehr groß. Mit ihrem christlich geprägten Hintergrund war es für sie keine Frage, ob sie sich für die Menschen einsetzte. „Ich hatte auf der Schule Englisch gelernt, aber meine Kenntnisse schliefen noch“, erzählte die sympathische Frau. Dennoch richtete sie spontan im heimischen Wohnzimmer erste Deutschklassen ein und half immer, wenn Not war.

Ehrenteller der Stadt

Anfangs gab sie sich gegenüber Behörden immer als hilfsbereite Nachbarin zu erkennen, was ihr aber keine große Hilfe war. „Ich wurde immer gefragt, ob ich einen Stempel habe. Als ich dann schließlich sagte, ich bin vom Arbeitskreis Flüchtlingshilfe, war das kein Problem“, erzählte Hüring weiter.

Zwar hörte sie in all dem Sprachengewirr, das sie bis heute in ihrer Flüchtlingsarbeit begleitet, nie wieder den von der Mutter gebrauchten und von Hildegard Hüring so geliebten bayrischen Dialekt. Doch sie brachte den Menschen aus fernen Ländern und auch den Menschen in Würselen die Sprache des Mitgefühls und des Helfens bei. Heute schwer vorstellbar, sei etwa die Unterbringung von Flüchtlingen früher eine von Verwaltungsmitarbeitern oft als lästig empfundene Aufgabe gewesen. „Ich kann mich an ein Telefonat mit der zuständigen Stelle beim Sozialamt erinnern, in dem ich feststellen musste, dass der Mitarbeiter seit der Unterbringung der Menschen vor einem Jahr nicht vor Ort gewesen ist“, berichtete sie.

Schimmelige Tapeten, undichte Fenster, Heizungen, die jahrelang auch während kalter Winter nicht funktionierten, auf Kegelbahnen lieblos aufgestapelte Betten oder auch die immer wieder gewünschten Gardinen, um den Menschen im Heim wenigstens ein wenig Privatsphäre zu geben, waren ständige Begleiter ihrer Arbeit. Doch mit der Auszeichnung mit dem Ehrenteller der Stadt Würselen 1997 war das noch nicht vorüber. Mit Anka Erdweg sorgte sie dafür, dass die als unwürdig empfundenen Warengutscheine und der gewaltige verwaltungstechnische Aufwand in Würselen als erster Kommune im damaligen Kreis Aachen abgeschafft wurde.

Und heute? „Ich sammle wieder Gardinen“, schloss sie, „diesmal für Menschen an der Kaiserstraße“, denn ihr Engagement soll nicht aufhören.

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