Hier können Lehrer neue Kraft schöpfen

Von: Elisa Zander
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Dezente Farben, stimmungsvolle
Dezente Farben, stimmungsvolles Licht und eine herrliche Aussicht: Durch die Unterstützung von (v.l.) Prof. Wim van den Bergh, Leiter des Lehrstuhls und Instituts für Wohnbau und Grundlagen des Entwerfens der Fakultät für Architektur der RWTH Aachen, Dipl. Ing. Architekt Björn Martenson, sowie die Entwurfzeichner Dietling Schälte und Johannes Jung kann Schulleiter der Europaschule Daniel Bick seinem Lehrerkollegium nun eine Ruhezone garantieren. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Dass in diesem Raum tatsächlich einmal Ruhe einkehren würde, daran hat Daniel Bick, Schulleiter der Europaschule Herzogenrath, nicht immer geglaubt. Über fünf Jahre hat es gedauert von der ersten Planung bis zur Fertigstellung. Jetzt - „endlich” - ist er fertig, der Ruheraum für Lehrer.

Weiße, beigefarbene und hellbraune Vorhänge blähen sich im Wind, Licht durchdringt die zarten Stoffe, und beim Durchschreiten der Gewebebahnen hat man den Eindruck, in einem Appartment der gehobenen Klasse zu stehen. Dominierender Blickfang ist die 45 Quadratmeter große Dachterrasse, auf die man durch zwei großzügige Glasschiebetüren gelangt.

Lärchendielen sind auf dem Boden ausgelegt, ein Blumenstreifen ist auf Sitzaugenhöhe gepflanzt worden und erinnert an eine Wildwiese. Bei schweifendem Blick durch den Innenraum fällt die zurückhaltende Möblierung auf. Schaumstoffelemente, die wetterfest sind und ebenfalls im Außenbereich genutzt werden können, sind leicht, stapel- und individuell nutzbar.

Wettbewerb für Studenten

Es ist das umgesetzte Ergebnis des Architektenentwurfes von Dietlind Schälte und Johannes Jung. Beide studierten am Lehrstuhl für Wohnbau und Grundlagen des Entwerfens der RWTH Aachen und beteiligten sich wie 13 weitere Studententeams im Jahr 2008 an dem Wettbewerb für Studierende, der vom Lehrstuhl und der Europaschule zu diesen Zweck ausgeschrieben worden war. Die damals angehenden Architekten setzten sich mit ihren Ideen durch - und die Lehrer sind begeistert.

„Wir haben von vornherein versucht, den Raum und die Terrasse als ein Ganzes zu sehen”, erklärt Johannes Jung. So setzt sich etwa der Dielenboden im Innenraum fort, der Innenvorhang findet sich auch außen wieder. Neben der optischen Verbindung schützt er so vor Blicken aus dem Schulhofbereich.

Einen Ruheraum für Lehrer - für diese Idee wurden die Initiatoren mit vielen kritischen Reaktionen konfrontiert. Auch beim Rat der Stadt Herzogenrath habe es einiges Schmunzeln gegeben, berichtet Vize-Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk. „Aber es ist eine gelungene Sache geworden”, sagt sie und lässt den Blick schweifen. „Hier kann man eine Oase der Ruhe finden.”

Genau das ist das Ziel: durch kurze Entspannung neue Kraft sammeln, um erholt und gestärkt in den Unterricht zurückzugehen. „Der Lehrerberuf ist in Bezug auf die Anspannung vergleichbar mit dem Beruf des Fluglotsen”, sagt Bernward Gilles, Dezernent der Generale Gesundheit der Bezirksregierung Köln. Entsprechend gesundheitsfördernd sei dieser Raum, von dem am Ende auch die Schüler profitieren würden: „Denn Lehrer können nur gut unterrichten, wenn sie körperlich und psychisch fit sind”, begründet Gilles.

Unterstützt und finanziell prämiert wurde die Projektidee von der Landesunfallkasse unter anderem durch 12.000 Euro Preisgeld aus dem Schulentwicklungspreis. Darüber hinaus sind geschätzte 40.000 Euro in die energetische Sanierung, die Rohbaueingriffe und die Ausstattung des Raumes nebst Terrasse geflossen, ausschließlich aus von der Schule gewonnenen und bereit gestellten Mitteln finanziert.

Für gute Idee eingesetzt

Die Bauleitung unterlag den von der Schule beauftragten Architekten. Aufgrund ihres zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossenen Studiums waren Dietlind Schälte und Johannes Jung allerdings nicht berechtigt, den Architektenvertrag zu unterzeichnen, was Björn Martenson, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wohnbau und Grundlagen des Entwerfens und Lehrer der Entwurf-Sieger, übernahm.

Diesem Interesse ist es zu verdanken, dass der Raum heute fertig ist. „Es standen Leute und Architekten hinter dem Projekt, die nicht bei den ersten Problemen aufgegeben, sondern sich für die gute Idee eingesetzt haben”, bedankt sich Daniel Bick. Die Anspannung kann nun der Zufriedenheit weichen, die durch den Ruheraum eintreten soll.
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