Herzogenrather Tafel startet in neuem Zuhause

Von: Beatrix Oprée
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Am 17. Dezember soll alles fertig sein: Alle Hände voll zu tun haben Waltraud und Dieter Lecher, bevor das neue Domizil der Tafel renoviert ist. Bei den Malerarbeiten tatkräftig unterstützt werden sie unter anderen von Andreas B. Wer ebenfalls am Aufbau der Tafel helfen will - Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Die Weihnachtspäckchen-Aktion 2009 markiert den Neuanfang der Herzogenrather Tafel. Denn die Akteure, allen voran die Eheleute Waltraut und Dieter Lecher, legen alles daran, die für den just gegründeten Verein neu angemieteten Räume rechtzeitig bezugsfähig zu machen.

Endlich soll die Lebensmittelausgabe für die bedürftigen Menschen in Herzogenrath eine feste Adresse haben, an der auch die Waren gelagert und sortiert werden können, die Kunden zudem ein Dach über dem Kopf haben, wenn sie - unbehelligt von Passantenblicken - auf die Ausgabe warten. Am Dienstag, 15. Dezember, wird die letzte reguläre Ausgabe im Pfarrheim St. Gertrud sein.

Rund 60 Familien kommen bisher in den Genuss der Tafel. „Wir wären froh, alle wirklich armen Menschen in der Stadt zu erreichen”, weiß Tafel-Vorsitzender Dieter Lecher, dass viele immer noch aus Scham fernbleiben. Besonders alleinstehende alte Menschen schränken sich lieber bis aufs Äußerste ein, als Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dass in solchen Fällen auch schon mal die Nachbarn die Initiative ergreifen und den Weg zur Tafel ebnen sollten, wünscht sich auch Waltraud Lecher.

Froh und voll des Lobes sind die Lechers über die großartige Unterstützung durch den Handel in der Rodastadt. Mit zwei Wagen - wie selbstverständlich wird die private Limousine genauso eingesetzt wie der von Dieter Lecher finanzierte Kleinlieferwagen - werden die zur Verfügung gestellten Lebensmittel abgeholt. Oft seien Extragaben dabei, etwa palettenweise Schokolade, um den Kunden eine besondere Freude machen zu können.

Hilfe bedeutet für die Lechers und ihre Mitarbeiter aber weitaus mehr als Essensausgabe an vier Tagen in der Woche. Dazu nehmen sie viel zu sehr teil am Schicksal ihrer Kunden. „Ich meine immer, ich müsste alle Probleme sofort lösen”, sagt Waltraud Lecher - und denkt schon darüber nach, wie man der Großfamilie vom „Circus Amany” helfen kann, die aufgrund von Krankheit erstmals nicht ausreichend Einnahmen hatte, um den Lebensunterhalt zu bestreiten (wir berichteten).

Und Dieter Lecher hat sich jüngst noch mit dem an Depressionen leidenden 48-jährigen Sohn einer Kundin in die Schlange bei der Arge eingereiht, um mit ihm die nötigen Formalitäten zu erledigen. Dass dieser nun auch einen Job gefunden hat, ist der größte Lohn für derlei Mühe.

Wo einst der Malteser Hilfsdienst und zuletzt eine Elektrowerkstatt untergebracht waren, werden bedürftige Menschen bald also auch die Gelegenheit haben zum ungestörten Gespräch. 145 Quadratmeter ist das neue Domizil groß, das für 685 Euro zuzüglich Nebenkosten angemietet worden ist. „Der Vermieter hat sich sehr kulant gezeigt”, sagt Dieter Lecher. Die erste Miete zum Dezember ist gestundet, bis der neue Verein über ausreichend Einnahmen verfügt. „Zudem hat er spontan auch eine Spende zugesagt.”

Noch gibt es viel anzuschaffen: Zwei große Tiefkühlschränke werden noch benötigt, zudem eine Spüle und eine einfache Küchenzeile sowie ein Herd. Unter anderem die Einrichtung für das kleine Büro steuert Dieter Lecher samt Fotokopierer, Roll- und Aktenschrank bei, günstig erworben, als das Aachener Justizzentrum renoviert wurde. Zu finanzieren gilt es überdies diverse Versicherungen: Einbruch, Diebstahl, Unfall und Haftpflicht. „Wir fangen ganz von vorne an”, sagt Waltraud Lecher und hat die Ärmel nach wie vor ganz hochgekrempelt.

Auch diese Tageszeitung unterstützt den neuen Herzogenrather Tafel-Verein durch eine Anschubfinanzierung. Über das Hilfsprojekt „Menschen helfen Menschen” können sich zudem unsere Leser an der Arbeit der unbezahlbaren Eheleute Lecher und ihrem Team beteiligen.
Spendenkonto: Nr. 77 66 66 bei der Sparkasse Aachen, BLZ 390 500 00, Stichwort Tafel Herzogenrath.
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