Herzogenrath - Herzogenrather Firma Matricel baut neuen Firmenkomplex

Whatsapp Freisteller

Herzogenrather Firma Matricel baut neuen Firmenkomplex

Von: Katrin Fuhrmann
Letzte Aktualisierung:
16006996.jpg
Hygiene und Genauigkeit von großer Bedeutung: Die Forscher müssen Ganzkörperanzüge und Kopfhauben tragen – das ist Vorschrift. Foto: Katrin Fuhrmann
16007045.jpg
Förderung in Höhe von 1,6 Millionen Euro: Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär (2.v.l), überreichte Ingo Heschel, Geschäftsführer von Matricel (links), und Johannes Henrich Schleifenbaum vom Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT (3.v.l.) die Urkunde. Bürgermeister Christoph von den Driesch und Michael Eßers, Geschäftsführer des Technologieparks Herzogenrath, gratulierten. Foto: Katrin Fuhrmann
16007004.jpg
Die Kollagenschwämmchen, die in einer speziellen Blisterverpackung gelagert werden, sind sehr empfindlich. Foto: Matricel

Herzogenrath. Die Herzogenrather Firma Matricel, die innovative Produkte für klinische Anwendungen in der regenerativen Medizin erforscht und produziert, baut an der Konrad-Zuse-Straße einen neuen Firmenkomplex. Seit 2001 hat die im Technologiepark Herzogenrath (TPH) ansässige Firma ihr Unternehmen so weit expandiert, dass ein neuer Standort nötig wird.

Und: Jüngst hat das Unternehmen für ein weiteres Projekt in Zusammenarbeit mit dem Julius Wolff Institut der Charité Berlin, der Innotere GmbH aus Radebeul und dem Fraunhofer Institut für Lasertechnik aus Aachen eine Innovationsförderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten.

Etwa 1,6 Millionen Euro hat Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium, den Kooperationspartnern für das Projekt, das zum Ziel hat, die Knochenheilung voranzutreiben, zur Verfügung gestellt . Aber der Reihe nach.

Spalt zwischen Knochenenden

Wer sich etwa beim Fußballspielen oder Skifahren einen Knochen bricht, kann Glück haben: In den meisten Fällen heilen gebrochene Knochen nach einem Unfall wieder, weil sie an der Bruchstelle direkt wieder zusammenwachsen.

Wenn aber die defekte Stelle nach einem schweren Unfall größer ist und ein breiter Spalt zwischen den Knochenenden und der Bruchstelle entstanden ist, ist die Heilung problematisch oder in vielen Fällen sogar nicht mehr möglich, wie der Geschäftsführer der Firma Matricel, Ingo Heschel, erklärt. Seit vielen Jahren suche man nach Wegen, um neue Knochen an der defekten Stelle zu regenerieren.

Bereits in der Vergangenheit konnte Matricel in Zusammenarbeit mit der Firma Innotere und dem Julius Wolff Institut zeigen, dass die Stimulation körpereigener Heilungsmechanismen in diesem Prozess ein wichtiger Baustein sein kann.

Denn: „Es ist uns gelungen, einen Wachstumsmodus über einen Knorpelverlauf durch die Wahl des richtigen Implantatmaterials auszulösen, den es sonst nur in der Wachstumsfuge bei Säuglingen und Kindern gibt“, sagt Georg Duda, Direktor des Julius Wolff Instituts. Man könnte also sagen, das Material gibt dem Körper an dieser Stelle seine Jugend zurück. Zumindest zum Zweck der Heilung.

Gesunde Knochen nachbauen

Das Problem bei den herkömmlichen Methoden: Im Moment versucht man in der Forschung die normalen, gesunden Knochen direkt nachzubauen. Mit solchen harten Biomaterialien funktioniert das Knochenwachstum über längere Strecken aber nicht. Die Firma Matricel und ihre Partner möchten das ändern.

Das Ziel ist es, ein Implantat zu finden, das die Selbstheilungskräfte des Körpers in der Weise unterstützt, dass der körpereigene Knochenbildungsprozess zur Heilung beiträgt.

In der Fachsprache beschreibt sich das Vorhaben so: In dem Projekt soll ein neuartiges sogenanntes Kompositmaterial erforscht und materialwissenschaftlich sowie bezüglich seiner biologischen Wirkung charakterisiert werden. Bei diesem Kompositmaterial soll die innere weiche Kollagenstruktur das eigentliche Zellsubstrat darstellen, aber durch eine ebenfalls bioresorbierbare filigrane Stützstruktur stabilisiert werden. „Dann wäre ein wichtiger Schritt getan, um das Material in die klinische Anwendung zu bringen und somit vielen Patienten zu helfen“, sagt Heschel.

Bedarf wird immer größer

Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile 35 Mitarbeiter. In dem Forscherteam sitzen Hochschulinstitute und Unternehmen aus Biotechnologie, Medizin und Pharma. Die meisten Produkte hat sich das Unternehmen patentieren lassen. Klar. Aber es sei natürlich nicht auszuschließen, dass Mitarbeiter oder Studenten, die das Unternehmen verließen, Ideen mitnehmen, ist sich Heschel sicher.

„Manche große Firmen kaufen unsere Produkte und versuchen dann herauszufinden, was sie tun müssen, um ähnlich gute Produkte zu entwickeln“, sagt der Geschäftsführer. Als er damals den Weg von der Hochschule zum Start-Up gegangen ist, habe er trotz allem Enthusiasmus nicht damit gerechnet, 16 Jahre später zu den führenden Unternehmen im Bereich der regenerativen Medizin zu gehören. Es war viel Überzeugungsarbeit zu leisten, denn kaum jemand habe an die neuen Technologien geglaubt.

„Auf diesem Weg sind viele Start-Ups entweder gescheitert oder von größeren Unternehmen gekauft worden. Matricel zum Glück nicht“, sagt Heschel und schmunzelt. Abnehmer hat Matricel in den USA, Kanada, Australien, Korea und in ganz Europa. Die Nachfrage sei laut Heschel in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

„Die Menschen werden immer älter, dementsprechend wird beispielsweise der Bedarf nach Zahnersatz mit vorherigem Knochenaufbau immer größer. Aber da die Forschung auch immer mehr entwickelt, kann man in der regenerativen Medizin immer mehr machen“, sagt Heschel. Als Beispiele nennt er die Wiederherstellung von Knorpelgewebe nach Sportunfällen, Hautgewebe nach Verbrennungen und von Fettgewebe zum Wiederaufbau der Brust nach einer Amputation aufgrund einer Krebserkrankung.

Matricel forsche daran, um es einfach zu formulieren, dass der Körper sich selbst heilt. Das klappe bei vielen Methoden schon. Denn: In die offenen Poren der Schwämme aus Kollagen, die ins Gewebe implantiert werden, wachsen Zellen hinein, die wiederum das Gewebe erneuern.

Was einfach klingt, ist ein kompliziertes Verfahren, das mehr als zehn Jahre Forschung in Anspruch genommen hat. „Wir denken immer weiter“, sagt Heschel. Und wir hoffen, dass wir am Ende des geförderten Projekts sagen können: „Wir haben es gemeinsam mit unseren Partnern geschafft.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert