Herz statt Baum: Bunte Botschaft für Verliebte

Von: Elisa Zander
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Viele Maiherzen parat: Frank Offergeld und Andrea Ranfft sind Fans dieser Liebesbotschaft. Foto: Elisa Zander

Alsdorf/Würselen. Vorsichtig steckt Andrea Ranfft das Krepppapier an einer herzförmigen Styroporschablone fest. Sechs Reihen sind nötig, bis der verbliebene innere Raum mit selbst gebundenen Röschen ausgefüllt werden kann.

Pink, lila, weiß und schwarz sind derzeit die Trendfarben. Gut 400 solcher Maiherzen hat die 25-Jährige in ihrer noch jungen Floristinnenlaufbahn schon angefertigt. Die Arbeit gefällt ihr - und die Maiherzen ebenfalls.

Vor etwa 20 Jahren hat sich im Rheinland die Tradition eingebürgert, dass Männer ihrer Liebsten in der Nacht zum ersten Mai statt des Maibaums ein Herz schenken. Woher dieser Wandel rührt, weiß Marco Zander, 2. Vorsitzender der Jungenspiele Schweilbach-Teut, nicht so genau. „In einigen Regionen Deutschlands wird am Maibaum ein kleines Maiherz befestigt, das den Namen der Liebsten und einen Liebesspruch trägt. Dieser Tradition hat man sich wohl bedient und lässt einfach den Maibaum weg.”

Namen, kleine Sprüche oder Stofftiere - das kennen auch Andrea Ranfft und Frank Offergeld von Blumen Offergeld. Sie haben schon viele Sachen an Maiherzen befestigt. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Doch es komme nicht selten vor, dass der Freund nicht wisse, wie der Name der Liebsten eigentlich geschrieben werde. Offergeld: „Kritisch wird es dann, wenn er den Namen gar nicht weiß. Dann ruft er die Mutter der Freundin an.” Oder es steht am Ende ein neutrales „Schatz” auf dem Herzen ...

Mittlerweile scheint es Sitte zu sein, dass sich die auserwählten Damen ihre Herzen selber aussuchen. Einmal wollte eine Frau statt eines Namens einen Heiratsantrag auf dem Herzen. „Der Freund wusste nichts davon und wollte den auch nicht”, erinnert sich Andrea Ranfft. Schön findet es Frank Offergeld, wenn ältere Herren in den Laden kommen, die seit vielen Jahren verheiratet sind, und ihrer Frau noch einmal einen Liebesbeweis machen möchten.

Je näher der 1. Mai rückt, desto mehr Aufträge gibt es. Etwa eine Stunde ist Andrea Ranfft dann mit Beratung und Herstellung des Herzes beschäftigt - für die kleinste Größe, die ab 20 Euro erhältlich ist. „Nach oben sind theoretisch keine Grenzen gesetzt”, sagt die Floristin.

Doch breiter als 1,50 Meter sollte ein Herz nicht sein. Damit können sie mit „Maiherzensport” wie er im Kreis Heinsberg betrieben wird, nicht mithalten. Dort heißt es: Je größer und auffälliger, desto besser. Drei oder vier Meter sind für die Jungen dort kein Problem. Oft mit Bildern. Winnie Puh oder ein Playboy-Bunny hängen auch bei Andrea Ranfft im Verkaufsraum. „Es ist halt Geschmackssache.”

Der Spaß an der Tradition vergeht Marco Zander, wenn bereits gehängte Herzen in der Mainacht oder danach geklaut werden. „Das ist eine bodenlose Sauerei.” Frank Offergeld und Andrea Ranfft überlegen darum in jedem Jahr neu, wie sie die Herzen möglichst sicher verpacken können. Die Schutzfolie und das extra dicke und wasserdichte Krepppapier schützen zwar vor Regen, aber nicht vor Dieben. „Wir haben eine Zeitlang die Bänder am Ende nur leicht festgesteckt, so dass das Herz weiter hängen blieb”, sagt Andrea Ranfft.

Die von manchem als zu kommerziell empfundenen Herzen will Marco Zander gar nicht mehr missen. „Das Maiherz ist eine Alternative zu den Maibäumen geworden. Es ist oft problematisch, überhaupt noch an Maibäume zu gelangen und diese aufzustellen.” So bleibe die Frage, „wie lange es in unserer Region überhaupt noch Maibäume außerhalb der organisierten Vereine geben wird”. Frank Offergeld vergleicht den Maiherzen-Trend mit dem Aufkommen der künstlichen Weihnachtsbäume. „Die wollte anfangs auch keiner und heute gibt es sie in weißem oder violettem Plastik.”

Er selbst hat in seinem Leben schon fünf Maiherzen verschenkt. Vielleicht hängt er einmal eines für seine Tochter auf. Andrea Ranfft freut sich jetzt schon auf ihr Maiherz. Auch sie hat sich die Farben selber ausgesucht. Stecken wird sie es aber nicht, das macht eine Kollegin. „Sonst ist die Überraschung ja ganz weg!”
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