Hartz IV hat viele Gesichter

Von: Tom Vogel
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Freuen sich auf die Ausstellung (v.l.): Doris Vello (Projektleiterin), Künstlerin Agnes Bläsen, Heinz Hahnbück (Vorsitzender des Fördervereins der Maria-Grönefeld-Stiftung) und NBH-Geschäftführer Leo Jansen. Foto: Vogel

Herzogenrath. Sozialer Voyeurismus? Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil: die Erkenntnis, dass Hartz-IV-Empfänger Menschen sind wie du und ich bildet den Mittelpunkt der Wanderausstellung „face.to.face - Gesichter & Geschichten & Hartz IV”.

Ab Freitag, 29. April, werden die Werke der Fotografin Agnes Bläsen und einiger Langzeitarbeitsloser im Nell-Breuning-Haus in Herzogenrath zu sehen sein. Ausgestellt sind fotographische Portraits von Menschen, die aus den verschiedensten Gründen schon lange nicht mehr am Erwerbsleben teilnehmen.

Um eine größere Nähe zwischen Betrachter und Portraitierten herzustellen, ist den Bildern entweder eine kurze Geschichte in SMS-Form oder eine ausgeprägte Lebensgeschichte an die Seite gestellt, die Agnes Bläser nach den Daten der Langzeitarbeitslosen verfasst hat.

Kreative Arbeiten auf Alu-Platten

Die Künstlerin ist sich dabei des Vorteils des Mediums Foto stets bewußt: Jeder hat Augen, jeder nimmt wahr. Neben den Werken der Wahl-Kerkraderin werden auf zwei großen Alu-Platten kreative Fotoarbeiten von Arbeitslosen zu sehen sein.

Das Ausstellungsprojekt des Nell-Breuning-Hauses findet in Kooperation mit der Maria-Grönefeld-Stiftung statt, die zur Finanzierung beigetragen hat.

Grundlegende Workshops

Angefangen hat alles mit zweitägigen Foto-Workshops, die Bläsen im Nell-Breuning-Haus mit Langzeitarbeitslosen organisiert hat und an deren Ende jedesmal eine kleine Ausstellung mit den freien Arbeiten gezeigt wurde.

Das fanden der Geschäftsführer des NBH, Leo Jansen, und die derzeitige Leiterin des Projektes, Doris Vello, so gut, dass sie die Wanderausstellung initiierten.

„Die Gefahr, schnell zum Hartz-IV-Empfänger werden zu können, schafft gleichzeitig die große Distanz”, sagt Jansen. Mit dem Projekt soll diese Distanz verkürzt werden. Den Hartz-IV-Empfängern, die sich portraitieren ließen und die zum Teil auch bei der Eröffnung der Ausstellung vor Ort sein werden, wird dabei eine Menge Mut abverlangt. In ihrem Alltag fühlen sie sich oft ins soziale Abseits gedrängt.

Aber es soll sich auch lohnen. Die Veröffentlichung ihrer Geschichten und der Dialog der Arbeitslosen mit anderen Teilen der Gesellschaft soll positives Denken fördern und neue Stärken freisetzen.

Vorurteile abbauen

Bei den Besuchern sollen Vorurteile abgebaut und auch ein wenig Bildungsarbeit geleistet werden. Zu diesem Zweck hilft Doris Vello Organisationen und Vereinen, die Interesse daran haben, die Ausstellung zu zeigen, ein passendes Rahmenprogramm zu entwerfen.

Nach der Präsentation im Nell-Breuning-Haus wird die Ausstellung ein jahr lang unterwegs sein. Besucher haben die Möglichkeit einen Ausstellungskatalog zu bekommen mit der Entstehungsgeschichte und Bildern aller Werke.

Sollten genug Spenden bei der Maria-Grönefeld-Stiftung eingehen, so wird es nach dem Willen der Macher außerdem pädagigisches Lehrmaterial mit Bezug zu dem Projekt geben.
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