Kerkrade/Herzogenrath - Hannelore Kraft: Plädoyer für Europa

Hannelore Kraft: Plädoyer für Europa

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
7749239.jpg

Kerkrade/Herzogenrath. Etwas später als geplant traf NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei ihren sozialdemokratischen Kollegen aus dem Dreiländereck ein. Denn die deutsche SPD und ihre niederländischen Genossen von der Partij van de Arbeid (PvdA) trafen gemeinsam mit den Genossen der belgischen SP in der Abtei Rolduc zusammen, um sich auf die bevorstehende Europawahl einzuschwören.

Dafür nutzten sie die jährlich stattfindende Thijs-Wöltgens-Lesung, die dem Erbe und der Person des PvdA-Genossen aus Limburg verpflichtet ist. In diesem Umfeld fühlte sich Hannelore Kraft sichtlich wohl und ließ den Blick von Europa vor allem auf unsere Grenzregion schweifen. „Hier ist Europa gelebter Alltag“, sagte sie, und freute sich, dass vor allem in Herzogenrath und Kerkrade die europäische Idee in solchen Dingen wie dem im Wortsinne grenzüberschreitenden Eurode Business Center (EBC) gelebt werde.

Darum sei es aber auch in dieser Region besonders gut ablesbar, welche Schwierigkeiten die Menschen auch heute noch in einem Europa der offenen Grenzen erfahren müssen. Denn trotz der Gemeinschaft Europas gebe es beispielsweise in Sachen Arbeit, Hochschulen oder Kündigungsschutz noch immer Unterschiede. „Diese Hindernisse müssen wir abbauen“, sagte Kraft. Sie unterstrich, dass die anstehenden Europawahlen nicht nur eine Möglichkeit seien, sozialdemokratische Gedanken beispielsweise über einen Martin Schultz zu verbreiten.

Mit Blick auf die Tatsache, dass die Benelux-Staaten mit einem Handelsaufkommen von 20 Prozent der wichtigste Handelspartner Nordrhein-Westfalens seien, müssten gerade in diesem Wirtschaftsraum Barrieren abgebaut werden. Ein Punkt sei dabei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Sachen Ausbildung. So gebe es in ganz Europa eine laut Kraft „alarmierende“ Jugendarbeitslosigkeit von 23 Prozent. „Das bedeutet: Fast jeder fünfte junge Mensch geht ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung in eine ungewisse Zukunft.“

Auf Basis der auf beiden Seiten der Grenzen angebotenen Möglichkeiten wie zum Beispiel dem Dualen Studium in Deutschland oder den hervorragenden niederländischen Hochschulen könnte hier der grenzüberschreitende Grundstein für eine bessere Zukunft der jungen Europäer gelegt werden. Beim Thema Grenzpendler sah Hannelore Kraft beispielsweise durch die überall nahen Grenzinfopunkte schon einen großen Schritt in die richtige Richtung. „Doch manche Probleme, denen sich Grenzpendler immer noch stellen müssen, können wir nur gemeinsam lösen“, unterstrich sie. So sei es auch wichtig, über die Grenzen hinweg allen meist rechtspopulistischen Europagegnern die Stirn zu bieten.

In den letzten Jahren, so erklärte der ebenfalls anwesende PvdA-Vertreter und Außenminister Frans Timmermans, sei die Zahl der EU-Gegner in den Niederlanden auf bis zu 40 Prozent hochgeschnellt. Eine Entwicklung, die sich die am Sonntag versammelten Sozialdemokraten aus allen drei Ländern sehr zu Herzen nahmen. „Denn die Parolen dieser Leute sind einfach und sie sind gefährlich“, warf Hannelore Kraft ein. Doch Europa sei immer wieder jede Mühe wert, schließlich seien europäische Lösungen für die Probleme der Zeit der einzig gangbare Weg, um Probleme wie Schulden, Arbeitslosigkeit und auch Konflikte zu lösen.

„Wir können manche Dinge nicht mehr alleine regeln“, schloss die Ministerpräsidentin und NRW-SPD-Landesvorsitzende. Daher sei es nötig, die Einheit Europas neben dem zweifellos wichtigen wirtschaftlichen Standpunkt auch im Zusammenleben zu stärken, um den Frieden, den Europa gebracht hat, auch weiterhin garantieren zu können.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert