Guter Geist des Rathauses feiert sein Goldjubiläum

Von: Stefan Schaum
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Kennt im Rathaus jede Tür: Vom Eingang bis hinauf zur sechsten Etage hält Alfred Lothmann als Hausmeister den Alsdorfer Verwaltungssitz in Schwung. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Wenn die Fraktionsvertreter bei Sitzungen im Alsdorfer Ratssaal Platz nehmen, war Alfred Lothmann schon zur Stelle. Hat Kaffeekannen hingestellt, Stühle geschoben und die Mikrofontechnik überprüft. Und ist dann vor dem ersten Wortbeitrag schon wieder rausgehuscht.

„Mit Politik halte ich mich lieber nicht auf”, sagt der Mann, der im Rathaus nun wirklich jeden Winkel kennt. Seit 20 Jahren hält er den Laden in Schwung. Und ist dabei längst mehr als bloß ein Hausmeister. „Das ist ja praktisch mein Haus. Und jeder, der dort arbeitet, ist mein Nachbar.”

Bis vor wenigen Monaten war letzteres wörtlich zu nehmen. Denn 19 Jahre lang hat er mit seiner Familie - Gattin Ilona, einer Tochter und drei Söhnen - in einer Einliegerwohnung des Verwaltungsgebäudes gewohnt. „Da war ich praktisch immer da, immer ansprechbar. Das war dann auch mal stressig.” Ein Hausmeister im 24-Stunden-Dienst.

Zufluchtsort war während dieser Zeit ein Wohnwagen an der holländischen Küste. „Nur dort konnte ich wirklich mal abschalten.” Der Wohnwagen wird demnächst abgewrackt, denn Lothmann wohnt mittlerweile in Schaufenberg. Das ist zwar auch recht nah am Arbeitsplatz, aber eben nicht gleich mittendrin.

Wobei der gebürtige Stolberger einer ist, der seine Arbeit liebt. Wenn irgendwo auf den sechs Etagen eine Glühbirne zu wechseln oder eine Leitung zu reparieren ist, ist Lothmann flott und gern zur Stelle. Vieles Handwerkliche hat er sich im Laufe der Zeit angeeignet, sein ursprünglicher Berufsweg begann bei der Bahn. 13 Jahre alt war er zum Start seiner Ausbildung zum Elektroinstallateur im Jahre 1960. Klimaanlagen und Heizungsanlagen hatte er fortan in Gebäuden der Bahn gewartet. Bis er von der Stellenausschreibung im Rathaus erfuhr.

Pistolen und Gardinen

Wenn er sich heute daran erinnert, muss er schmunzeln. „Das lief alles so hopplahopp. Die Bewerbung hab´ ich in ein paar Minuten geschrieben, das waren keine zehn Zeilen.” Große Hoffnung auf den Job hat er sich seinerzeit nicht gemacht. „Da war die Grube gerade dicht, es gab etliche Arbeitslose und sehr viele Bewerbungen.” Exakt 267 waren es. Doch er hat das Rennen gemacht.

Was er seitdem wohl alles gesehen und erlebt hat hinter den Kulissen des Rathauses? Er lächelt vielsagend. Und sagt doch nicht viel. Nur ein paar Anekdoten gibt er preis. Etwa, wie er einmal ein paar Minuten vor der Vernissage eine Figur aus einer Kunstausstellung entfernen musste, weil ein Ratsherr an deren entblößtem Glied Anstoß genommen hatte.

Wie ein anderes Mal tief in der Nacht Polizisten mit Pistolen im Gebäude und in seiner Wohnung standen, weil ein technischer Defekt einen stillen Alarm ausgelöst hatte. Oder wie er alle Türschlösser im Gebäude erneuert hat, nachdem ihm der Generalschlüssel abhanden gekommen war.

Nicht bloß Reparaturen gehören zur Arbeit von Alfred Lothmann. Auch die Sauberkeit der Gardinen („die wasche ich während der Ferien”) und der vier Dienstwagen des Rathauses („mit der Technik kenne ich mich bei Autos nicht aus”) gehört dazu.

Richtig viel zu tun hat er vor allem dann, wenn andere feiern. Fettdonnerstags etwa, wenn die Jecken das Rathaus stürmen. Dann bereitet er frühmorgens die Party vor und beseitigt nach Mitternacht deren Reste. Um ein Kostüm muss er sich an diesem Tag jedoch nicht kümmern: Er kann einfach als Doppelgänger von Heiner Brand gehen! Wie der Trainer der Herren-Handball-Nationalmannschaft pflegt er nämlich einen mächtigen Schnauzbart. Die mittlerweile ergraute Zier trägt er seit seinem 18. Lebensjahr, „den hab´ ich noch nie abgenommen oder rasiert. Wenn die Haare eine bestimmte Länge erreicht haben, brechen sie einfach ab.”

Noch ein Jahr

Haarig ist auch sein Liebling: Mischlingshündin Nancy, die seit sechs Jahren offizieller Rathauswachhund ist. „Die ist aber eine ganz Liebe.” Stets gut drauf, wie ihr Herrchen. „Ich habe eigentlich nie einen schlechten Tag”, sagt Alfred Lothmann. Am Montag wird ihm Bürgermeister Alfred Sonders („Der zweite Alfred im Rathaus”) die Urkunde für das 50-jährige Jubiläum im öffentlichen Dienst überreichen.

Im April 2011 endet dann seine Arbeitszeit. An diesem Tag wird er vermutlich doch mal schlecht drauf sein. „Ich liebe das alles hier”, sagt er. Und stellt vorsorglich eines klar: „Meinem Rathaus werde ich ganz sicher auch als Rentner erhalten bleiben.”
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