Gutachten: Sportstätten reichen nicht aus

Von: Georg Pinzek
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Sport macht Spaß: In der 38.000-Einwohner-Stadt Würselen sind mehr als 12.400 Menschen in Vereinen aktiv. Auch die Jüngsten beim Würselener Turnverein fühlen sich in der Sportfamilie wohl. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Sport hat für die Menschen in Würselen einen sehr hohen Stellenwert. Laut einer Studie des Instituts für Sportökonomie und Sportmanagement der Deutschen Sporthochschule Köln sind rund 68 Prozent der Bevölkerung der Stadt und damit 25.800 Personen regelmäßig sportlich aktiv.

„Die Stadt Würselen zählt zu den sportaktiven Städten in NRW”, bilanziert der Bericht von Professor Dr. Christoph Breuer, Kristin Hallmann und Rolf Meier. Neben einer umfangreichen Bestandsaufnahme und Analyse liegt dem umfangreichen Projektbericht, den der Stadtrat in Auftrag gegeben hatte, eine Befragung von rund 2000 Einwohnern zugrunde. Dass Würselen mit derzeit über 38.000 Einwohnern im Jahr 2015 auf mehr als 39.000 und 2025 auf deutlich über 41.000 Einwohner anwächst, gehört zu den Basisdaten der Prognosen.

Neben dem Vereinssport in der Stadt, der mit einer Aktivenquote von 32,8 Prozent laut Expertise „sehr hoch” ist, und den kommerziellen Einrichtungen gilt das Augenmerk auch dem großen Feld der nicht vereinsgebundenen Sportlern. Das sogenannte „informelle Sporttreiben” (Laufen, Nordic-Walking usw.) wird voraussichtlich sogar eine zunehmende Bedeutung gewinnen, heißt es in dem Sportentwicklungsplan. Der prozentuale Anteil informell Sporttreibender wird womöglich im Jahre 2025 sogar auf 41,7 Prozent steigen. Dies entspricht einer Aktivenquote von 17.400 informell Sporttreibenden. Mit rund 12.400 Vereinssportlern bleibt laut Studie die Zahl in den kommenden Jahren auf einem hohen Niveau konstant.

Nach Einschätzung von Professor Breuer und seinem Team wird sich die Sportartennachfrage in den kommenden Jahren ändern. Radfahren, Schwimmen, Laufen, Fitness und Fußball werden aber weiterhin zu den am stärksten verbreiteten Sportarten zählen. Die Nachfrage nach Spazieren/Wandern und Gymnastik wird aufgrund der demographischen Entwicklung stark ansteigen. Eine Besonderheit stellt der Handball in Würselen dar, da er in anderen Kommunen nicht unter den meist genannten Sportarten zu finden ist.

Auch die Würselener Sportinfrakstruktur wurde von den Wissenschaftlern der Sporthochschule unter die Lupe genommen. So wird für den Vereins- und den Schulsport ein Mehrbedarf an Sporthallen (20 sind vorhanden, 33 wären nötig/siehe Grafik unten rechts), an Spielfeldern (11/7), Hallenbad (1/1), und Tennishallenplätzen (0/9) gesehen. Der Mehrbedarf an Spielfeldern wird laut Gutachten durch die Umstrukturierung des Schulwesens und damit verbundenen kürzeren Nutzungsdauer der Anlagen durch Vereine ohne zusätzliche Maßnahmen zur Effizienzsteigerung (zum Beispiel optimales Belegungsmanagement, Ausweitung der Nutzungszeiten in den Abendstunden) 2025 noch höher ausfallen.

Dem gegenwärtigen Sporthallenbedarf von 6480 Quadratmetern für Schulen steht aktuell eine Fläche von 5936 Quadratmetern gegenüber. Die Gutachter zeigen auf: „Somit gibt es keine ausreichende Kapazität für Schulen in den zur Verfügung stehenden Sporthallen.”

Die Sportentwicklungsplanung widerspricht damit klar und deutlich dem Gutachten der Gemeindeprüfanstalt (GPA) NRW. Die GPA stellt nach ihren Maßstäben (Schülerzahl statt Klasseneinheiten) einen Flächenüberhang beim Schulsport in den städtischen Hallen fest. Die Sportwissenschaftler üben an dem Gutachten der Kostenrechner Kritik: Beim GPA „bleiben unberücksichtigt die Ausweitung der Ganztagsschule, die Mehrzügigkeit sowie der Vereinssport.”

Den Umstand, dass Sportanlagen im größeren Umfang fehlten, führen Breuer, Hallmann und Meier einerseits auf die allgemeine Sportentwicklung zurück und andererseits „auf die erfolgreiche Stadtpolitik Würselens”. Letzteres habe dazu geführt, dass insbesondere Angehörige der Mittelschicht (Akademiker) von außerhalb für neue Wohngebiete gewonnen werden konnten. Dieser Personenkreis sei überproportional häufig sportlich aktiv. Während die Sportinfastruktur aber auf dem Stand der 1980er Jahre laut Entwicklungsplan verharrt ist, hat sich die Sportnachfrage in Würselen deutlich erhöht.

Mit der Sportentwicklungsplanung der wissenschaftlichen Bewertung und Handlungsempfehlungen wird sich der Sportausschuss in seiner Sitzung am Dienstag um 17.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses beschäftigen.
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