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Gustav-Heinemann-Schule: Diskussion zu „Lügenpresse“

Von: js
Letzte Aktualisierung:
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Zum Beispiel Auch dieses Bild von Amien Idries, Wolfgang Birkenstock und Andreas Düspohl (V.l.n.r.) in Diskussion mit Schülern der GHG Alsdorf wurde am Computer bearbeitet und zeigt nur einen vom Fotografen gewählten Ausschnitt. Foto: Johannes Schaffeldt

Alsdorf. „Wie weiß ich, was noch stimmt?“ – Der Begriff der „Lügenpresse“ hat Hochkonjunktur, Menschen sind verunsichert über die Masse ihnen zur Verfügung stehender Informationen. Immer mehr glauben manipuliert und betrogen zu werden. Anlass genug, sich auch von Medienseite vermehrt mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen.

In einer Diskussionsreihe an Schulen unserer Region stellen sich Amien Idries, Chef vom Dienst dieser Zeitung, der freie Fotojournalist Wolfgang Birkenstock und Andreas Düspohl vom Aachener Internationalen Zeitungsmuseum der Herausforderung. Jetzt machten sie dabei Station an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf.

Mittels Impulsvorträgen wurde ein erster Problemaufriss geschaffen, aber auch gleich ein wenig journalistische Realität vermittelt, um so für Verständnis in der Schülerschaft zu werben. Den Einstieg machte Andreas Düspohl mit einem historischen Überblick. „Seit es Zeitungen gibt, haben sie damit zu kämpfen, dass Leute versuchen sie zu beeinflussen.“

Zu dieser Beeinflussung gehört auch die Zensur, also die politische Kontrolle von Inhalten vor ihrer Veröffentlichung. Diese Vorzensur ist in der Bundesrepublik grundgesetzlich untersagt. Was nicht heiße, dass sie nicht in vielen Ländern Realität sei, führt Düspohl aus. Zudem heiße das aber auch nicht, dass alles tatsächlich veröffentlicht werden könne.

Dem Journalisten und Redaktionen komme hier eine Funktion als erster Filter in der Informationsflut zu. An diesem Punkt setzten bereits erste Probleme an, wie noch häufiger im Laufe der Veranstaltung betont wurde. So etwa könne ein Bericht über diese Veranstaltung allein aus Platzgründen nicht alles aufgreifen, was in der Veranstaltung behandelt werde, betonte Idries an anderer Stelle lachend.

Er wies in seinem Vortrag darauf hin, dass es durchaus gesetzliche Grenzen der Meinungsfreiheit gebe. „Wenn ich jetzt einfach so schreibe, dass du zwei Kinder entführt hättest,“ fragte er eine Schülerin, „wäre das dann für dich in Ordnung?“ Natürlich wäre es das nicht. So seien eben im Bereich der Persönlichkeitsrechte, aber auch in anderen Bereichen, wie etwa dem Verbot den Holocaust zu leugnen, der Berichterstattung Schranken gesetzt. „Was auch gut so ist.“

Daneben, so führte er weiter aus, gebe es weitere, selbst auferlegte, Schranken in Form des Pressekodex. Allerdings gebe es häufig Ermessensspielräume einer Redaktion, inwiefern eine Information relevant ist oder nicht. So habe sich die Redaktion beispielsweise bei einer Straftat dagegen entschieden, den Migrationshintergrund einer Person zu veröffentlichen, da dieser nicht in Verbindung mit der Tat stünde.

Darauf habe es zornige Rückmeldungen gegeben, dass man etwas habe verschweigen und so manipulieren wollen. Welche Macht Bilder und Bildausschnitte haben, illustrierte Wolfgang Birkenstock unter anderem an Hand eigener Beispiele aus seiner Tätigkeit als Fotojournalist bei Spielen von Alemannia Aachen.

Wählt er nach einem Spiel das Bild von einem vereinzelten Zuschauer in sonst verwaisten Rängen, oder wählt er den vollen Block? Die transportierte Information sei gleich eine völlig andere. Er fühle sich der wahrheitsgetreuen Wiedergabe verpflichtet. Aber „wenn ihr heute Bilder seht, müsst ihr davon ausgehen, dass sie in irgendeiner Form bearbeitet sind.“

Sei es nur, dass die Farben angepasst werden, um ein natürlicher wirkendes Bild zu erhalten oder Bildfehler, die bei der Aufnahme entstehen retuschiert werden. Dass sich nicht alle seiner Kollegen allerdings an der wahrheitsgetreuen Wiedergabe orientierten, verschwieg Birkenstock nicht.

Besonders bei Bildern mit hoher Symbolkraft werde zuweilen durch Manipulation des Ausschnittes oder Retusche nachgeholfen. Ohne Folgen bliebe das nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters beispielsweise habe einem Fotografen gekündigt, nachdem dieser ein Bild von Angriffen auf Beirut sehr stark nachbearbeitet habe.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, dass die Schüler sich durchaus schon mit kritischem Medienkonsum auseinandergesetzt haben. Etwas, wozu die drei Medienfachleute dringend aufriefen. Die Frage „Wie weiß ich, was noch stimmt?“ brachte allerdings auch eine Unsicherheit im Umgang mit widersprüchlichen Informationen auf den Punkt.

Das beträfe unter anderem Enttäuschungen über Meldungen, die sich im Nachhinein als falsch erwiesen haben und „gefärbte“ Blicke auf das aktuelle Weltgeschehen. Diese Unsicherheit beträfe nicht zuletzt auch Journalisten, führte Idries aus.

Sich kritisch mit Quellen auseinanderzusetzen und diese zu überprüfen, gehöre zum Job. Letztendlich müsse man an bestimmten Punkten vertrauen, da nicht alles vollumfänglich selbst überprüft werden könne. Journalisten könnten nicht in jedes Krisengebiet fahren, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen und noch weniger könnten die Leser dies leisten. „Fehler passieren.“ Diese einzugestehen, sei ein wichtiger Faktor um Glaubwürdigkeit zu erhalten.

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