Gruppendynamik in den Griff bekommen

Von: ath
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Warm-up: Ohne Aufwärmen geht
Warm-up: Ohne Aufwärmen geht es auch beim Übungsleiterkurs nicht. Foto: Andrea Thomas

Herzogenrath. Integration ist ein Thema, das sich immer mehr Sportvereine auf die Fahnen schreiben. Klappt das im Fußball meist unkompliziert, Beispiel deutsche Herren-Nationalmannschaft, ist das in anderen Sportarten noch schwierig.

„Wie locken wir mehr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in Vereine”, ist eine Frage, die auch den Stadtsportverband, das Sport- und das Jugendamt Herzogenrath beschäftigt. „Jungs sind unkompliziert, die spielen Fußball und kommen zu ,Nachtaktiv”, sagt Streetworkerin Katrin Gehlich. Mädchen seien schwieriger zu erreichen. Ab zwölf dürften viele nicht mehr gemeinsam mit Jungs Sport machen. Das Kooperationsprojekt „Durcheinander - Miteinander”, unterstützt vom Westdeutschen Handballverband, versucht, Anreize zu schaffen.

Ein Baustein ist der Übungslehrgang für junge Leute mit und ohne Migrationshintergrund. 18 Teilnehmer zwischen 18 und 25 Jahre treffen sich zurzeit samstags zu Theorie und Praxis. Normalerweise findet eine solche Ausbildung in einer Sportschule statt, doch um es der Gruppe leichter zu machen, trifft sie sich in Herzogenrather Sporthallen. „Wir sind nur zum Auftakt in die Sportschule gefahren und machen als Abschluss-Highlight das Prüfungswochenende Ende Mai dort”, erläutert Katrin Gehlich. Sie ist begeistert von der „spannend kulturell gemischten Gruppe”. Auch die Verteilung männlich - weiblich ist ausgewogen.

Die Gruppe sei schon am ersten Wochenende zusammengewachsen, in der es viel Austausch gab, auch über das Sportliche hinaus. Ganz offen sei etwa auch das Thema „Kopftuch” diskutiert worden. Diese besondere Atmosphäre ist mit ein Verdienst von Kursleiterin Süreyya Helvaci, Deutsche türkischer Herkunft. So hat sie von Anfang an Wert auf die richtige Aussprache aller Namen gelegt - eine Frage des Respekts. Für die studierte Sportlehrerin, die über den Landessportbund NRW die Übungsleiter-C-Ausbildung für Mädchen und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte anbietet, ist die gemischte Gruppe eine „neue, aber sehr positive” Erfahrung: „Am Anfang hatten wir die Sportlichen, die richtig Power wollten, und die, die nicht so fit sind. Jetzt haben wir eine Ebene gefunden, auf der sie sich gegenseitig unterstützen.” Auch das ist Integration. „Es geht schon an meine Grenzen, ich bin nicht so sportlich”, gesteht Rabia Cubkcu lächelnd. Aber, was sie anfange, bringe sie zu Ende, sagt die 19-Jährige. Kollegin Stefanie Uerlings (24) ergänzt: „Hier gibt es kein ,sportlich oder ,kann ich nicht. Jeder kann mitmachen, und das ist ja auch später wichtig: Übungen auf die ganze Gruppe herunterbrechen zu können.” Wie Rabia den Kurs einmal nutzen will, weiß sie noch nicht, vielleicht für die Arbeit mit Kindern. Stefanie ist aktiv im Handballverein, studiert Sozialpädagogik und macht ihren Master mit integrativem Schwerpunkt „Da kann ich den Schein gut brauchen, der Kurs passt perfekt.” Gerade, weil er ein wenig anders ist. Neben festgelegten Inhalten wie Breitensport, Gesundheit, Erste-Hilfe, Versicherung, Aufsichtspflicht oder das Planen von Übungsstunden sowie zwei Hospitationen im Verein lässt der Kurs viel Raum für den Austausch. Die Erfahrungen können sie in ihre Tätigkeit als Übungsleiter einbringen, sind Süreyya Helvaci und Katrin Gehlich überzeugt.

Hoffnung auf Kooperation

Letztere hofft, dass sich aus den neuen Kontakten eine Zusammenarbeit mit den Vereinen in Herzogenrath ergibt und die neu qualifizierten Übungsleiter auch mehr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in die Vereine locken. Sie kann sich auch neue Impulse für ihre eigenen Projekte vorstellen, zum Beispiel „Nachtaktiv” für Mädchen.

Kein Platz für Neonazis in Sportheimen

Ein Partyverbot hat es jüngst gegeben für das Vereinsheim des Kohlscheider BC. „Da sich via Internet die rechtsextreme Kameradschaft Aachen Land aufgefordert fühlte teilzunehmen”, begründet Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann das städtische Einschreiten.

Stadt und Stadtsportverband wollen Vereinen Hilfen an die Hand geben, um solche Situationen schon bei der Raumvergabe zu erkennen und künftig zu vermeiden. Auch sollen Banner gegen Rechts zur Verfügung gestellt werden.

Ausstiegshilfen aus der rechten Szene kann das städtische Jugendamt geben - für Betroffene ebenso wie für Eltern.
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