Herzogenrath - Grundsanierung der Notunterkunft an der Bierstraße würde 800.000 Euro kosten

Grundsanierung der Notunterkunft an der Bierstraße würde 800.000 Euro kosten

Von: Beatrix Oprée
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Zwei Eingänge, variabel nutzbare Zimmer: der Gebäudekomplex an der Bierstraße. Foto: B. Oprée

Herzogenrath. 50.000 Euro sollen für Sanierungsarbeiten am einstigen „Vorzeigeasyl“ der Stadt Herzogenrath an der Bierstraße 172 investiert werden, zuzüglich zu 6000 Euro Unterhaltskosten. Für FDP-Fraktionschef Björn Bock unfassbar.

Er würde den in die Jahre gekommenen Komplex lieber abgerissen sehen, um das Grundstück zu veräußern und das Geld sinnvoller anzulegen. Denn er findet: „Der Zustand des Gebäudes ist beschämend.“ Wohnungslose Menschen würde er im Bedarfsfall gerne „würdiger“ untergebracht wissen.

„Relativ viele Leerstände“

„Wir haben relativ viele Leerstände in der Stadt“, ist er sicher, dass sich alternative Unterbringungen fänden. „Bei Überkapazitäten wird ja zurzeit schon so gehandelt.“ Gegebenenfalls müsse die Stadt eben Bürgschaften abgeben. „An anderer Stelle übernimmt sie ja auch Verantwortung, etwa in Sachen Eigenanteil der Vereine bei Kunstrasenplätzen...“

Den Zustand des Gebäudes – eines einstigen Wohnhauses mit Gaststätte und Diskothek, das 1992 von der Stadt gekauft und zur Notunterkunft umgebaut wurde, 1993 hatte es ein Feuer gegeben – hat eine Verwaltungsvorlage im November beschrieben. Die energetische Grundsubstanz entspreche dem Baustandard von 1960, alleine die Heizkosten haben 2011 rund 10.000 Euro betragen. Die obere Etage sei wegen Einsturzgefahr stillgelegt. Anbauten hinter dem Haus seien mit „wirtschaftlich vertretbarem Aufwand“ nicht mehr sanierbar. Mit Blick auf Energieeinsparverordnung und Energieausweis waren die Gebäudeteile begutachtet und eine detaillierte Aufstellung der nötigen Arbeiten für eine Gesamtsanierung erstellt worden: Sie reicht von der Wärmedämmung für 225.000 Euro bis zur Trockenlegung des Kellers und der Anbauten für 22.000 Euro und schlüge insgesamt mit 660.200 Euro zu Buche. Rechne man Arbeiten zum Einsatz regenerativer Energien dazu, etwa durch den Einbau einer Holzpelletanlage sowie einer Solaranlage zur Unterstützung der Warmwasserbereitung und einer Photovoltaikanlage für Strom, so ergebe sich eine Gesamtinvestition von 800.000 Euro. 9000 Euro waren im Jahr 2012 bereitgestellt worden, unter anderem um ein Badezimmer so zu dämmen, dass eine Mindesttemperatur gehalten werden konnte.

„Gut geeignet“

Eine Vorlage für den Ausschuss für Arbeit und Soziales, der am morgigen Donnerstag, 7. März, ab 18 Uhr im Rathaus tagt, besagt unter anderem, dass die Unterkunft zurzeit mit neun Flüchtlingen belegt ist, zwei Familien und zwei allein stehende Menschen, die drei Zimmer in Anspruch nehmen. Acht Räume seien noch frei. „Weder der Ausschuss für Arbeit und Soziales, noch der Bau- und Verkehrsausschuss haben es für nötig angesehen, das Gebäude zu schleifen“, sagt die zuständige Dezernentin, Erste Beigeordnete Birgit Froese-Kindermann, auf Anfrage. Im Gegensatz zu den Einwürfen von Björn Bock stellt sie fest, dass der genutzte Teil des Gebäudes insgesamt „gut geeignet ist für die Nutzergruppe“, besonders wegen der beiden getrennten Eingänge.

Ähnlich sieht das auch Rolf-Peter Kalmbach, Leiter des Fachbereichs Bau und Betrieb: Bock vermische den Zustand des bewohnten und des gesperrten Teils des Gebäudekomplexes, erläutert er. „Klar, hübsch wohnen ist anders, hier überwiegt der Pragmatismus“, stellt er aber auch fest, dass immer mal wieder Räume nach der Nutzung „grundinstandgesetzt“ werden müssten.

„Wir tun, was wir können“

Die Unterkunft sei für die Stadt so wichtig, „dass wir nicht darauf verzichten können“. Aufgrund ihrer Aufteilungsmöglichkeiten sei sie variabel nutzbar, auch wenn in größerer Zahl Flüchtlinge zugewiesen würden. Doch 800.000 Euro für die Gesamtsanierung müssten im Haushaltssicherungskonzept erst einmal gestemmt werden: „Wir tun, was wir können.“ Mit den eingestellten 50.000 Euro sollen die bewohnten Bereiche auch im Sanitärbereich verbessert werden. Durch „Interimslösungen“, wie es in der November-Vorlage heißt, lasse sich die momentane Nutzung verbessern, etwa durch Reparaturen an Estrich und dem Bodenbelag. Auch die Wandbekleidung werde ansprechender gestaltet. Von einem Außenanstrich rät die Vorlage ab, da die vorhandene Verkleidung asbesthaltig sei.

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