Grenzen und Vorurteile gemeinsam überwinden

Von: Elisa Zander
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Die Gesellschaft ist wie ein S
Die Gesellschaft ist wie ein Sport-Team: Auch beim American Football kommt es auf das gemeinschaftliche Handeln an. Foto: Elisa Zander

Würselen. „Kinder brauchen starke Wurzeln; später muss man ihnen Flügel geben.” Das Sprichwort bekommt im integrativen Jugendcamp, das kürzlich auf Merzbrück veranstaltet wurde, eine ganz neue Bedeutung: Das Markenzeichen der fünf Tage ist und bleibt das Segelfliegen.

„Die Jugendliche steigen als andere Menschen aus dem Flugzeug wieder aus”, beschreibt Martin Herzog vom „Verein zur Förderung von Integrativen Jugendcamps e.V.” - der Verein ist Initiator und Ausrichter des Camps - seinen Eindruck.

Bereits zum sechsten Mal kommen in dem Camp Jugendliche mit und ohne Handicap sowie mit und ohne Migrationshintergrund zusammen, um sich kennenzulernen, Vorurteile abzubauen, die Vielfalt der Gemeinschaft zu erleben - und das mit einer großen Portion Spaß.

Mit jedem Mal werden es mehr Teilnehmer - in diesem Jahr sind es 80. Und mit jedem Mal wird es auch bunter: Vor zwei Jahren waren erstmals Jugendliche aus der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens dabei, in diesem Jahr sind zum ersten Mal Teilnehmer aus den Niederlanden dabei.

Somit ist die Euregio komplett vertreten, was Peter Thomas von der Stadt Kerkrade besonders freut: „Wir haben schon bei vielen Projekten mitgemacht, aber hier kann man richtig sehen, was Europa bedeutet. Und das ist es, was wirklich zählt.”

Was Uschi Brammertz, Vorsitzende des ausrichtenden Vereins, vor allem freut, ist die Entwicklung aller Teilnehmer, sowohl die der Betreuer, als auch der Jugendlichen. „Es ist sensationell, wie viele etwas von dem Camp mitnehmen und die positiven Erfahrungen in ihre Schulen und Arbeitsstätten tragen.” Nachhaltigkeit ist der Begriff, auf dem an diesem Tag ein Fokus zu liegen scheint.

Auch Prof. Klaus Schäfer, Staatssekretär im Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, betont den Ausdruck: „Nachhaltigkeit macht sich nicht in abstrakten politischen Erklärungen fest, sondern an Angeboten wie diesem”, und unterstreicht: „Solche Projekte muss man unterstützen - jeder Euro ist hier gut angelegt.” Das sieht auch der für Finanzen zuständige Landessportbund-NRW-Vizepräsident Stefan Klett so und stellt in Aussicht, nach Möglichkeit zusätzliche finanzielle Mittel für das integrative Jugendcamp bereit zu stellen.

Ehrenamtlicher Einsatz

Die Kosten werden durch Sponsoren gedeckt, doch ohne das Zutun zahlreicher ehrenamtlicher Helfer, wäre das Projekt zum Scheitern verurteilt: Fluglehrer, das DRK, die Caritas Lebenswelten, die Jugendbeauftragten der Kommunen und Sportvereine sind nur einige, die Uschi Brammertz aufzählen kann. Und insbesondere die Sportvereine sind es, die durch ihre Anwesenheit während der Camp-Tage für viel Abwechslung sorgen. Erneut können sich die Jugendlichen am Rhönrad und am Trampolin-Springen ausprobieren. Erstmals in diesem Jahr dabei sind die Footballer „Aachen Vampires”.

„American Football ist ein Teamsport, bei dem es vielleicht noch mehr als in anderen Sportarten auf das gemeinsame Handeln ankommt”, erklärt Gerrit Ervig, Vorsitzender der Aachen Vampires. Jedes Team-Mitglied sei gleich wichtig; „Diesen Gedanken wollen wir auch nach außen tragen, denn jeder in unserer Gesellschaft gehört zum Team”.

Sportbegeisterung wecken

Berührungsängste oder Zweifel, mit den Jugendlichen zurecht zu kommen, habe es nicht gegeben erinnert sich Gerrit Ervig. Natürlich sei es eine Herausforderung, aber „wir wollen jedem eine Chance geben und die Begeisterung am Sport wecken”. Und so üben die Jugendlichen Wurftechniken, probieren die Sportausrüstung an und lernen erste Spielzüge kennen.

Eigene Grenzen jeglicher Art überwinden und erfahren, dass Integration mehr ist, als das Zusammenleben von Menschen verschiedener Herkunftsländer, nämlich das Erleben von Gemeinschaft mit Mitmenschen unterschiedlicher Herkunft, Nationalität, Sprache und Handicaps, lässt die Teilnehmer eines erkennen: Jeder ist anders und doch sind alle irgendwie gleich.

Ein neues integratives Jugendcamp wird vom 2. bis 4. September in Woffelsbach angeboten: 30 Jugendliche werden das Medium Segeln kennenlernen.
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