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„Greenpeace” protestiert gegen Neubau eines Kohlekraftwerks

Von: Katrin Maiwald
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Ein riesiger Würfel als Sinnb
Ein riesiger Würfel als Sinnbild für die Menge des CO2-Ausstoßes: Greenpeace hatte am Samstag vor der Enwor-Aufsichtsratssitzung auf dem Kohlscheider Markt gegen das Kohlekraftwerk protestiert. Foto: Katrin Maiwald

Herzogenrath. Es ist ein aufregender Tag für Philip Gauglitz und seine Kollegen. Heute entscheidet sich, ob die Mühe es wert war. Entscheidet sich das, wofür sie lange Zeit gekämpft haben.

Nämlich für den Ausstieg der Enwor an einem Steinkohlekraftwerk-Projekt in Krefeld. In wenigen Minuten findet eine Aufsichtsratsitzung des Energieversorgungsunternehmens statt. Dann wird festgelegt, ob eine Beteiligung realisiert wird oder nicht. Das ist die Chance: „Wir werden Enwor heute einen unangekündigten Besuch abstatten”, sagt Philip. Entschlossen geht er in das Gebäude der Enwor. Schnellen Schrittes zieht er sich im Gehen seine grüne Jacke mit der Aufschrift „Greenpeace” an. Aus einem Stoffbeutel mit der Aufschrift „Fairglobe” zückt er ein Foto auf dem ein 4x4 Meter großer schwarzer Würfel zu sehen ist und geht auf die überrascht blickenden Teilnehmer zu. „Wir wollen sie nochmals darauf Aufmerksam machen, dass sie sich nicht an dem Projekt beteiligen sollten. Denn dann würde pro Sekunde so viel CO2 ausgestoßen, wie in diesen Würfel passt.” Er hebt das Foto hoch. „Bitte berücksichten Sie das in Ihrer Vorstandsvorsitzung.” Von allen Seiten kommen sie nun mit den grünen Jacken. Halten Banner mit der Aufschrift „Neues Kohlekraftwerk? Keine Kohle aus unserer Städteregion” hoch. Einige Teilnehmer der Sitzung hören sich die Meinung der Greenpeace-Aktivisten interessiert an: Auf den Bau neuer Kohlekraftwerke könne verzichtet werden, ohne die Stromversorgung in Deutschland zu gefährden.

Vier Millionen Tonnen CO2

Andere hingegen reagieren angriffslustig: Nach angeregter Diskussion und dem Fazit, man solle doch erstmal abwarten, schließt sich die Tür zur Sitzung. Aufgeben ist für Greenpeace ein Fremdwort: „Wir haben unsere Nachricht übermittelt. Und jetzt warten wir die Sitzung ab und schauen was passiert.” Wird es etwas bringen? Seit mehreren Wochen ist Greenpeace an dem Fall dran: In Krefeld soll ein neues Steinkohlekraftwerk gebaut werden. Dabei soll sich Enwor über die Trianel Kohlekraftwerk Projektgesellschaft an den Planungen beteiligen. Laut Greenpeace sei eine Beteiligung ethisch und ökologisch nicht vertretbar. Einerseits würde die Kohle aus dem Ausland wie zum Beispiel Kolumbien bezogen - und damit die Wahrung der Menschenrechte infrage stellen. Andererseits würde es jedes Jahr mehr als vier Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid ausstoßen. Die Stawag - ehemaliger Partner des Projekts - hat sich bereits aus der Planung zurückgezogen. Für Greenpeace ist das ein erster Teilerfolg. Folgt nun der nächste?

Gas- und Dampfkraftwerk

Die Vorstandsvorsitzung ist beendet. „Für den Fall, dass ein Kohlekraftwerk gebaut wird, beteiligt sich die Enwor nicht an dem Projekt”, verkündet Geschäftsführer Herbert Pagel. Philip und sein Team sind begeistert: „Das ist ein riesiger Erfolg - für die Umwelt und unsere Arbeit.” Am 8. Juli soll die Trianel Projektgesellschaft endgültig entscheiden, ob das Kohlekraftwerk gebaut wird. Sollte dies der Fall sein, steige Enwor aus. Als Alternative zum Kohlewerk steht ein Gas- und Dampfkraftwerk zur Debatte. „Daran würden wir uns hingegen beteiligen”, erklärt Pagel. Warum? Weil dieses 50 Prozent weniger Emissionen erzeugen würde als ein Steinkohlewerk. Weitere Gründe, warum sich Enwor gegen ein Kohlekraftwerk ausgesprochen habe, seien politischer Natur: Deutschland stehe - was die Energieversorgung angehe - vor einem Umbruch. Der Fokus liege immer stärker auf regenerativen Energiequellen. Nicht zuletzt habe dies mit der Atomkatastrophe in Japan zu tun. Teil dieses Umdenkens möchte in Zukunft auch Enwor werden. Sowohl im Bereich Stromerzeugung, als auch im Stromvertrieb.

So fiel bei der Sitzung auch die Entscheidung, mit der Stawag im Hunsrück einen Windpark zu errichten. Doch entscheidend für Enwor ist nicht nur der Umweltschutz - es gibt nach Aussage von Pagel viele Einflussfaktoren, die bei Entscheidungen berücksichtigt werden müssen: „Wir müssen einerseits die Versorgung sicherstellen, andererseits einen angemessenen Preis für den Strom anbieten und gleichzeitig die Umwelt schützen.” Dieses Dreieck in Balance zu bringen, sei eine Herausforderung. Und vor allem sei es wichtig, dass alle Informationen genau vorliegen. Das sei auch der Grund dafür, dass sich Entscheidungen länger hinzögen.

Das lange Warten hat sich für Philip Gauglitz und seine Greenpeace-Kollegen gelohnt: Ein neues grünes Mosaiksteinchen für den Klimaschutz ist entstanden.
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