Herzogenrath - Graffiti-Kunst machts möglich: Mona Lisa zwinkert von der Ziegelwand

Graffiti-Kunst machts möglich: Mona Lisa zwinkert von der Ziegelwand

Von: Lars Odenkirchen
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Von wegen Schmierereien aus der Dose: (Legales) Graffiti kann echte Kunst sein. Lars Kesseler nimmt letzte Korrekturen an seinem Werk auf der Parkhausmauer vor und findet dabei aufmerksame Zuschauer.

Herzogenrath. Graue Wände sind passé: Ganz schön bunt sieht es nun im Parkhaus an der Albert-Steiner-Straße aus. Da heißt es für die Autofahrer in Zukunft aufpassen, dass man sich noch aufs Einparken konzentriert.

Geziert werden die Mauern von einer Kunstform, die bei vielen Menschen immer noch in Verruf steht: Kunstvolle Graffiti prangen nun an den Wänden.

Angebracht wurden sie von zahlreichen vor allem jüngeren Künstlern, die ein ganzes Wochenende lang im Rahmen eines Workshops ihrer Kreativität freien Lauf ließen.

Eine verzerrte Mona-Lisa ist da zu sehen, ein grinsender Clown oder auch einfach ein Blumentopf. „Das ist für uns eine gute Gelegenheit, den Menschen zu zeigen, dass Graffiti mehr ist als Schmierereien an der Wand. Wir wollen die Szene von ihrer richtigen, von der positiven Seite zeigen”, sagte Lars Kesseler.

Der Aachener Graffiti-Künstler betreute zusammen mit Streetworkerin Katrin Gehlich das Projekt, das mit dem Jugendamt der Stadt und der Landesarbeitsgemeinschaft für Kunst und Medien organisiert wurde. So manchem Teilnehmer gab er dabei wertvolle Tipps, ohne ihm zu viel vorschreiben zu wollen: „Man hilft sich, aber man muss auch den Anfängern ihre Kreativität lassen. Wir hatten sehr junge, aber auch ältere Teilnehmer dabei”, erklärte Kesseler, der sich den Künstlernamen „Lake” gegeben hat.

„Genau das war auch ein Zweck des Projekts: Jüngere können von den Älteren lernen, aber auch die Älteren ein Stück von den Jungen. Es waren erfahrene Sprayer und absolute Neulinge dabei. Das ist eine gute Gelegenheit, die Jugendkultur in Herzogenrath zu fördern.”

Der wohl jüngste Teilnehmer war schnell gefunden: Christoph, gerade einmal sieben Jahre alt, besuchte den Workshop mit seinen Eltern und verewigte sich gleich mit einem riesigen Blumentopf. „Das hat mir viel Spaß gemacht”, erzählte der kleine Künstler. Ganz unerfahren ist er trotz seines jungen Alters nicht.

„Ich habe es vorher schon einmal auf dem Jungentag in Herzogenrath versucht. Und ich male auch zu Hause sehr gern”, erklärte Christoph. Ein bisschen stolz ist er auf jeden Fall. Schließlich werden unzählige Autofahrer in Zukunft sein Werk an der Wand sehen, auf dem auch in großen Lettern zu lesen ist: „Christoph, 7 Jahre.”

Ein bisschen mehr Erfahrung können die beiden Aachener Thomas (18) und Can (20) vorweisen. „Ich spraye seit zirka zwei Jahren”, erklärt Thomas. „So oft geht das mit dem Sprayen ja nicht. Es wäre schon toll, wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, wo man sprayen darf.”

Damit spricht der 18-jährige Teilnehmer dem Workshopleiter Lars Kesseler aus der Seele: „Illegales Sprayen kann man am effektivsten bekämpfen, in dem man mehr Möglichkeiten bietet, legal zu sprayen. Mit Workshops bieten wir den Jugendlichen zudem die Möglichkeit, das Sprayen vernünftig zu lernen - hier gibt es eine ordentliche Anleitung, das ist besser, als wenn sie sich an irgendwelchen Videos aus dem Internet orientieren.”

Für die Anerkennung der Graffiti-Kunst will Kesseler sich weiter einsetzen. „Es geht ja nicht nur um Graffiti, sondern auch um die Musik oder zum Beispiel das Breakdancen. Wenn es dafür mehr Anerkennung gäbe, wäre das für viele Jugendliche eine echte Perspektive, die man ihnen bietet. Das ist aber ein sehr langer Prozess.”

„Mit der Teilnehmerzahl können wir recht zufrieden sein”, erklärte er. „Es wäre schön gewesen, wenn sich mehr Menschen einfach mal angeschaut hätten, was die jungen Menschen hier machen.” „Lake” weiß: „Wenn Leute, die keine Ahnung von Graffiti haben, sich das anschauen und es mögen, dann ist das der beste Lohn, den es überhaupt gibt.”
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