Gitta Haller: Zum Geburtstag ein Bühnenjubiläum

Von: Manfred Kutsch
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Charmant, mit Öcher Herz und voller Musikalität: Gitta Haller feiert heute ihren 85. Geburtstag. Foto: Andreas Steindl

Aachen/Würselen. Da ist sie wieder, die spitze Zunge. Diesmal in eigener Sache. Sie komme sich schon vor wie „Gitta Heesters“, klagt die große alte Dame der Öcher Bühnen augenzwinkernd. Doch gemach, von 108 Lebensjahren ist sie noch weit entfernt: Zunächst einmal wird Gitta Haller am Donnerstag 85 Jahre alt. Und dazu gratulieren wir herzlich.

„Das Alter zollt seinen Tribut“, bekennt sich „et Jitta“ zur Ungeduld mit den zunehmenden Beschwerden einer Mittachtzigerin, „auf die ich manchmal mit den Füßen treten könnte“, sagt sie. Und weiß: „Da machst du nichts. Wenn das Alter vor der Tür steht, kannst Du die nicht einfach zumachen, dann käme es zum Fenster rein.“

Nach wie vor die beste Therapie gegen jeglichen Unbill des Älterwerdens ist die Bühne. „Aber da gehe ich nur noch drauf, wenn die Leute das wirklich wollen“, sagt Gitta Haller. Sie wollen es Gottlob noch oft genug: 15 Mal beim Öcher Kultabend „Pech und Schwefel“, zweimal bei Seniorensitzungen, schließlich beim Hans Muff-Gedächtnisabend, ab und an bei privaten Geburtstagen – so kann zu ihrem diesjährigen Geburtstag ein weiteres Jubiläum verkündet werden: 80 Jahre Bühnenleben Gitta Haller!

„Die Grande Dame ist eine Rampensau“, schrieb einst ein Kollege und traf dabei den Nagel auf den Kopf. Mit fünf Jahren trat das Geburtstagskind mit der Mutter und drei Schwestern in der damaligen Westparkhalle mit dem Titel „Wir sind kleine Mädchen aus Amerika“ auf. Als junge Frau tourte sie als Musical- und Opernsängerin durch ganz Deutschland. 1960 wurde Gitta Haller Mitglied des legendären Domgrafenensembles (Oper und Schlager, Tanz und Sketch) und brillierte mit vielen Stars dieser Zeit – unter anderem Willy Millowitsch, Otto Höpfner, Heinz Schenk oder der Wiener Schnulzensänger Willi Hagara.

In den 70er Jahren befiel sie dann der Öcher Bazillus, mehr und mehr wurde „et Jitta“ zur Miss Modderesproech, arbeitete als Verkäuferin und Angestellte im Bundesarchiv, eroberte die volkstümlichen, vor allem karnevalistischen Bühnen mit allem, was das Multi-Talent Gitta so drauf hat: als Sängerin, Akkordeonistin, Texterin, Komponistin, Choreographin, gefördert von Fritz Fischer, dem damaligen Kommandanten der Oecher Penn, deren einzige Ehrenmarketenderin sie ist. Weitere Ehren folgten.

Gitta Haller erhielt den Thouet-Preis, den AKV-Königsteinorden und den Mullefluppet-Preis für das, was sie an Aachener Kultur über Jahrzehnte bis heute prägte. Dass ausgerechnet sie ihren Lebensabend weit ab vom pulsierenden Leben des Öcher Hazz in Würselen verbringt, „hat nur damit etwas zu tun, dass meine Tochter Doritt hier lebt“, sagt Gitta Haller. Nach dem Tod ihres Mannes Günther Rother vor neun Jahren suchte und fand sie dort nicht nur die Nähe des eigenen Kindes, sondern auch die ihrer Enkelinnen Jennifer, die im Juni heiratet, und Sarah, die Anfang Januar ihre Großmutter gleich auf einen Schlag zur Doppel-Ur-Oma machte – sie brachte mit Jeddi und Leila Zwillinge zur Welt.

Wie das Geburtstagskind seinen Ehrentag verbringt? „Keine Ahnung“, zuckt Gitta Haller gleichmütig mit den Schultern. „Die Kinder haben mit mir irgendeine Überraschung vor.“ Sie hat schon neugierig nachgebohrt. „Aber es hat keinen Sinn“, resigniert die 85-Jährige. Und fügt sich in ihr Schicksal – auch dadurch ermuntert, dass Enkelin Jennifer, Gemeindereferentin in Eilendorf, inzwischen etwas charmanter mit ihrer Oma als früher umgeht.

Als kleines Mädchen stellte sie einst fest: „Du bist ein karnevalistisches Antimonster.“ Was damals tatsächlich noch etwas unfreundlicher klang als heute „Gitta Heesters“. Doch von Honneurs in eigener Sache hält eine Gitta Haller ohnehin nichts. Unmissverständlich forderte sie den Chronisten dieses Artikels auf: „Nun hebt mich in der Zeitung nicht in den Himmel, dann mögen mich die Leute nicht mehr. Ich bin und bleibe die Gitta.“

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