Geschenkkisten für Bedürftige gepackt

Von: Elisa Zander
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Und rein in den Transporter: Die Kinder der Kita Regenbogenland und des Familienzentrums St. Petrus haben Geschenkkisten gepackt. Willy Feldeisen (links) von der Baesweiler Tafel holt sie ab. Am Mittwoch werden sie an bedürftige Familien weitergegeben. Foto: Elisa Zander
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Am Dienstag angenommen, am Mittwoch verteilt: Birgit Eßer sowie Waltraud und Dieter Lecher sind auch an diesen Tagen voll im Einsatz. Foto: Elisa Zander

Nordkreis. Kleine Päckchen, große Kisten und Körbe voller Kuscheltiere verlassen den Kindergarten. Viel buntes Geschenkpapier, etliche Schleifen und auf nahezu jedem Präsent ein Zettel, mit dem Hinweis, in welchem Alter es für Jungen oder Mädchen geeignet ist. Die Kinder der Kindertagesstätte Regenbogenland und des katholischen Familienzentrums St. Petrus haben aussortiert.

Dinge aus ihrem Kinderzimmer, die sie teilen möchten. Mit Kindern, die nicht so viel haben wie sie selbst. In den Gruppen wurde gemeinsam gepackt: Weihnachtskisten für die Aktion unserer Zeitung und des WDR. Und Willy Feldeisen, Vorsitzender der Baesweiler Tafel, war am Dienstag unterwegs, um all die vielen Geschenke abzuholen. Gemeinsam mit seinen Kollegen fuhr er Betriebe, Supermärkte, Kindergärten und Schulen ab.

Einige Tage vor Weihnachten sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel besonders gefragt. „Eine Ladung haben wir schon in die Tafelräume gebracht“, sagt Feldeisen und deutet auf den wieder gut gefüllten Innenraum des Transporters. Viel geht nicht mehr rein.

Keine Engpässe befürchtet

Die Spendenbereitschaft ist hoch. Engpässe wie bei Tafeln etwa in Übach-Palenberg, die befürchten, nicht alle Bedürftigen mit einer Weihnachtskiste beschenken zu können, gibt es nicht. Und das, obwohl die Zahl der Tafel-Kunden stetig wächst. „Allein durch die weiteren Asylbewerber, die zu uns kommen“, erzählt Willy Feldeisen. Erhalten sie den Bescheid darüber, dass ihnen Asyl gewährt wird, dürfen sie unbegrenzt zur Tafel kommen. Zwischen 95 und 115 Personen nutzen die Ausgaben der Baesweiler Tafel – dahinter stehen oft Familien, teilweise mehrere Kinder. Doch Sorgen macht sich der Vorsitzende nicht. „Wir können alle bedienen.“

An die Kinder in den bedürftigen Familien haben die Kindergartenkinder in den vergangenen Wochen oft gedacht. „Alles, was wir übrig hatten, zum Beispiel ein Nikolausgeschenk, wurde beiseite gelegt“, erinnert sich Karin Lanfermann, Leiterin der Kita Regenbogenland. Die Drei- bis Sechsjährigen hätten das Thema gut angenommen und hinterfragt, ob sie tatsächlich fünf Paar Winterschuhe bräuchten.

Wenn Willy Feldeisen solche Anekdoten hört, strahlt er. „Es ist doch toll, wie gut diese Aktion angenommen wird. Die Eltern und Kinder sind neugierig.“ Er schaut auf die Uhr. Viel Zeit bleibt nicht. Es stehen noch viele Abholstellen auf seinem Zettel und sein Kollege mahnt an, dass sie sich beeilen müssen. „Wir haben einen Termin am Gymnasium“, sagt Feldeisen entschuldigend und macht sich auf den Weg.

Nudeln, Kaffee, Plätzchen

Im Gemeindezentrum an der Markuskirche in Herzogenrath sind die Tische bereits voll. Kartons, gefüllt mit Nudeln, Kaffee, Müsli, Soßen, Backmischungen und Plätzchen, stehen dicht gedrängt aneinander. Sandra Küpper will auch dazu beitragen. Sie bringt eine Kiste, gedacht für vier Personen, in ihrer Mittagspause in die Räume des Gemeindehauses. „Das sieht ja toll aus hier“, ruft sie erstaunt aus und lässt den Blick über die Kisten schweifen.

Ein Mitarbeiter nimmt ihr die schwere Box ab und stellt sie unter einen Tisch – nur noch dort ist Platz. Sogar ein Geschenk hat sie eingepackt, Servietten und Kerzen dazu gelegt. „Alle Herzogenrather sollen ein schönes Weihnachtsfest feiern“, sagt sie. „Wenn ich etwas dazu beitragen kann, mache ich das gerne.“ Noch ein letzter Blick auf die Tische, dann muss sie weiter.

Waltraud Lecher geht in solchen Momenten das Herz auf. Sie und ihr Mann Dieter sind die Vorsitzenden der Herzogenrather Tafel und stets mit viel Engagement dabei. „Ich kenne alle unsere Familien“, sagt Waltraud Lecher. Und jede soll eine Weihnachtskiste bekommen. „Wir sind gut verzahnt“, sagt sie. Mit dem hohen Bekanntheitsgrad und dem Engagement über das gesamte Jahr habe man stets viele Sponsoren. Das ist auch zur Weihnachtszeit nicht anders.

Beständige Spendenbereitschaft

„Heute ist noch niemand hier gewesen, der zum ersten Mal eine Weihnachtskiste zu uns bringt“, freut sich die Vorsitzende über die stete Unterstützung. Auch deswegen sorgt sie sich nicht darum, dass jemand leer ausgehen könnte. Zwar werden es immer mehr Personen, die die Hilfe beanspruchen – ähnlich wie in Baesweiler auch durch die wachsende Zahl an Flüchtlingen – doch man ist für den Ansturm gut gewappnet. Denn auch die, die selbst nicht viel haben, sogar Hartz-IV-Empfänger, teilen das bisschen, was sie haben, gern mit anderen.

Manche, jene, die nicht mehr gut zu Fuß sind oder sich nicht trauen, in die Ausgabestelle zu kommen, besucht Dieter Lecher am Abend und verschenkt eine Kiste. Denn vor allem die Menschen in Altersarmut, und speziell die Frauen, „erreichen wir zum Teil nicht mehr“, sagt er traurig. Für die Familie erst Recht ein Grund, noch mehr Sponsoren und Unterstützer zu finden. Und vielleicht haben sie Glück. Eine Frau mittleren Alters, ebenfalls mit Kisten bepackt, erkundigt sich, ob man Hilfe bräuchte, sie würde mitarbeiten wollen. Waltraud Lecher strahlt sie an. „Solche Leute sind Gold wert.“

Jeder, der eine Spende oder Kiste bringt, wird warm von der Tafel-Familie begrüßt, Weihnachtswünsche werden ausgetauscht, Hände geschüttelt. Und nebenbei wächst die Zahl der Pakete für bedürftige Herzogenrather und Baesweiler.

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