Alsdorf - „Generation doof” in umwerfender Bühnenfassung

„Generation doof” in umwerfender Bühnenfassung

Von: Fenja Ermsch
Letzte Aktualisierung:
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Anne Weiss und Stefan Bonner bei ihrer „Gruppentherapie für Betroffene” in der Stadthalle. Die Show zum Buch zeigt mit Augenzwinkern, dass man selbst etwas gegen die Unwissenheit tun muss.

Alsdorf. Nennen Sie drei Skandinavische Länder. Wie lautet die dritte binomische Formel, und wozu dient sie? Wie hieß Deutschlands erster Bundeskanzler mit Vornamen? Und wo ist eigentlich der Vatikan? Sie können all diese Fragen beantworten? Ohne ein Lexikon, einen Telefonjoker oder Onlineangebote zu Rate zu ziehen? Dann herzlichen Glückwunsch!

Sie gehören nicht zu der von Anne Weiss und Stefan Bonner so getauften „Generation Doof”. Es sei denn, Sie sind zwischen 15 und 45 Jahre alt, dann ist das wieder etwas anderes. Denn diese Alterspanne entspricht eben der „Generation doof”.

Mit ihrem gleichnamigen Buch ist den Autoren ein Bestseller gelungen, der das Gesellschaftsphänomen der langsam aber sicher greifenden allgemeinen Unwissenheit unterhaltsam aber ebenso unverblümt aufgreift. Ein durchschlagender Erfolg, der mittlerweile in die 17. Auflage geht.

Darüber hinaus gibt es die Erkenntnisse jetzt auch live und in Farbe: eine Gruppentherapie für eine ganze Generation. Als eine Mischung aus Lesung, Show und konkreter Lebenshilfe hat das Autorenduo eine Bühnenfassung erarbeitet, die Zuschauern, egal ob wissbegierig, lesefaul oder selbst betroffen, den Inhalt des Bestsellers vermittelt.

Neben zahlreichen Fakten bekommt der Besucher auch einiges an unnützem Wissen mit auf den Weg. So wissen diejenigen, die am Dienstagabend in der Stadthalle zur Gruppentherapie angetreten sind, um sich ihrer eigenen Doofheit zu stellen und sie in den Griff zu bekommen, dass Kängurus methanfrei pupsen.

Oder das bei Männern, deren IQ um 16 Prozent steigt, auch eine 35-prozentig höhere Chance auf eine Heirat besteht.

Erfolgreiche Bildungsmuffel

Aber es gibt auch einige nützliche Tipps, sich als Bildungsmuffel in Job und Privatleben erfolgreich über Wasser zu halten. Ganz praktisch wäre hier beispielsweise, eine Menge Wissen zu einem Spezialgebiet anzuhäufen, von dem der Gesprächspartner keine Ahnung hat.

Jegliche gestellte Frage kann nun auf das Spezialthema hinuntergebrochen werden, und der Gesprächspartner ist so durcheinander, dass er das Thema auf ein anderes lenken wird.

Die durchaus witzige Art, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten, funktioniert. Ist man selbst der Auffassung, man sei, was Allgemeinbildung betrifft, etwas minderbemittelt - wobei hier eine Definition von ebendieser von Nöten wäre -, zeigen Anne Weiss und Stefan Bonner immer wieder anhand von Videos und Textauszügen, dass es mitunter wesentlich „doofere” Menschen gibt.

Hinter der komischen Beispielen, die durchaus einen Wiedererkennungswert haben, zeigt sich aber auch die traurige Wahrheit. „Wir hatten zu Beginn unserer Recherchen den Eindruck: Bei uns verblödet eine ganze Generation. Und dabei geht es nicht nur um Bildungslücken. Uns umgibt eine Welt, in der offenbar alles auf solider Blödheit basiert. Es gibt Casting-Shows, bei denen Leute die Haare schön haben, und bei Youtube stellen Jugendliche Videos ins Netz, in denen sie betrunken herumkullern. In der Bahn begegnen uns Leute, die morgens bereits blau sind, während andere am Mobiltelefon ihre Privatsphäre öffentlich machen und über ihre Sexerlebnisse quatschen”, erzählte Anne Weiss jüngst im AZ-Interview (7. März).

Eine Lösung, ein Patentrezept, liefern Anne Weiss und Stefan Bonner in ihrer an eine Firmentagung erinnernde Show nicht. Aber Denkanstöße gibt es haufenweise, denn um aus den Teufelskreis herauszukommen, muss jeder an sich selber arbeiten.

Beispiel Fernsehen. Stefan Bonner: „Es bringt nichts, gegen die miserable Qualität zu wettern, wenn ich selber immer anschalte und mich berieseln lasse. Das gehört auch zum Doofsein: sich berieseln lassen und nichts zu hinterfragen.”

Mittlerweile haben die Autoren ein neues Buch veröffentlicht: „Doof it yourself”. Ein Erste-Hilfe-Ratgeber für Betroffene. Sicherlich ein ebenso amüsantes und unterhaltsames Buch wie das erste, wobei das Lesen desselbigen sicher ausreicht und keinen Besuch der Show benötigt, die nur den Inhalt wiedergibt und manche Pointen leider in den Sand setzt.
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