Herzogenrath - „Gemeinwohl-Ökonomie“: Ein Teufelskreis aus Angst und Druck

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„Gemeinwohl-Ökonomie“: Ein Teufelskreis aus Angst und Druck

Von: Markus Bienwald
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Angelika Savelsberg (SPD), Toni Ameis (Linke), Dr. Bernd Fasel (Bündnis 90/Die Grünen), Thomas Göttgens (Piraten) und Björn Bock (FDP) stellten sich im „Klösterchen“ dem Thema Gemeinwohl-Ökonomie. Foto: Markus Bienwald
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Gemeinwohl-Ökonomin Dagmar Knuth führte in das Thema ein und fragte bei den Politikern nach. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Eingeladen waren alle bei der Kommunalwahl in Herzogenrath antretenden Parteien. Doch die CDU sagte die gut besuchte Diskussions- und Vortragsrunde mit dem Thema „Gemeinwohl-Ökonomie“ doch noch kurzfristig ab.

Wilfried Hammers, der für das soziokulturelle Zentrum „Klösterchen“ zu dieser Runde einlud, fragte sich, ob dieser wirtschaftliche Ansatz in Herzogenrath umgesetzt werden könne. Dafür holte er die Kölner Referentin Dagmar Knuth ins Boot, die als Beraterin in diesem Bereich arbeitet.

Schnell wurde klar, dass sie in der heute durch und durch auf Profit ausgelegten Gesellschaft, „wo die breite Masse malochen muss, damit es einer kleinen Schicht gut gehen kann“, wie sie sagte, auch andere Ideen geben muss. Keine neuen Ideen, wie sie ausdrücklich hervorhob.

Allerdings müsse sich die ökonomisch ausgerichtete „Jetzt-Gesellschaft“ vielen Herausforderungen stellen: Strukturwandel durch Globalisierung, Wachstums- und Konsumzwang, Mehraufgaben ohne Gegenfinanzierung, der immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich oder dem verstärkten Teufelskreis aus Unsicherheit, Angst und Druck, der auf den Menschen laste. „Leben und leben lassen“, definierte Dagmar Knuth nicht nur als Schlagworte.

Vielmehr könne eine Gesellschaft ihrer Ansicht nach viel mehr auch für die Bedürfnis-Befriedigung aller Menschen tun, ohne wirtschaftliches Handeln außer Acht zu lassen. „Kein Bäcker backt die Brötchen nur für sich“, sagte sie und sah gerade in kleineren Einheiten lokaler Wirtschaft viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten. „Kommunale Wirtschaftsförderung ist ein Teil der Daseinsvorsorge und leistet einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität.“

In integrierten Diskussionsrunden stellte die Referentin dabei nicht nur dem Publikum, sondern auch den Vertretern aus der Kommunalpolitik Fragen, wie die jeweilige Partei und ihr Programm mit dem Gemeinwohl umgehen. Dr. Bernd Fasel von Bündnis 90/Die Grünen betonte neben der sozialen Gerechtigkeit und ökologischen Nachhaltigkeit auch das Miteinander im politischen Tagesgeschäft. „Positives Handeln könnte beispielsweise mit einem Preis für Gemeinwohl-Ökonomie belohnt werden“, so Fasel.

FDP-Vertreter Björn Bock sagte, dass man die Ausrichtung einer Partei am Gemeinwohl immer daran festmachen könne, wie mit den Schwächsten in der Gemeinschaft umgegangen werde. „Dabei muss man sich fragen, ob man sich untereinander hilft, ob man politisch eingeschränkt oder offen agiert“, betonte Bock. Er forderte Anreizsysteme für Firmen, sich für das Gemeinwohl zu engagieren. Transparenz gegenüber den Mitbürgern sah der „Linke“-Vertreter Toni Ameis als eine wichtige Tugend im Gemeinwohl an.

Auch Übertragungen von Ratssitzungen ins Internet gehörten dazu, „wir brauchen keine Politik im stillen Kämmerlein“, bekräftigte Ameis, der sich für eine nachhaltige Firmenpolitik stark machte. Thomas Göttgens von den Piraten regte an, in Sachen Bürgerbeteiligung immer darauf zu achten, das Beste für das Gemeinwohl herauszuholen. „Wir sollten Möglichkeiten schaffen, dass alle sich bei uns wohlfühlen“, schloss Göttgens, der bei der Bedeutung von Betrieben für das Gemeinwohl einen nur eingeschränkten Spielraum durch die Verwaltung und Politik sah.

Angelika Savelsberg verließ hingegen in ihrer Argumentation schnell die Allgemeinplätze und betonte gleich mit der Unterstützung von Familien oder auch der besseren Bezahlung von Tagesmüttern sozialpolitische Themen. „Wir müssen ältere Menschen nicht ausgrenzen und Jugendlichen nicht das Gefühl geben, dass sie sich alleingelassen fühlen“, so Savelsberg. Und mit Blick auf den demografischen Wandel wünschte sie sich, dass es genossenschaftliche Möglichkeiten geben könne, um auch in kleineren Orten kleine Geschäfte zu unterstützen.

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