Gastfreundschaft statt Ghetto: Freundeskreis hilft Asylbewerbern

Von: Nina Krüsmann
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Im Kreis von Freunden: Jürgen Hohlfeld von der Würselener Tafel (l.), Asylbewerber Barathiraj Sivapathasundaram aus Sri Lanka (3.v.r.), die evangelische Pfarrerin Dorothea-Elisabeth Alders (2.v.r.) und Hans Peter Clahsen (r.). Foto: Nina Krüsmann

Würselen. Auf engem Raum zwischen Kartons und Kisten und mit leidlichen sanitären Anlagen: Die Situation der Asylbewerber im Haus an der Jülicher Straße 24 in Broichweiden ist seit langem als negativ bekannt. Seit März versucht der „Freundeskreis Jülicher Straße 24“, die Lebensumstände der Asylbewerber zu verbessern. Feste Mitglieder sind bis heute die evangelische Pfarrerin Dorothea-Elisabeth Alders, Hildegard Hüring, Hermann Hoch, Jürgen Hohlfeld von der Würselener Tafel, Alfred Dubois und Hans Peter Clahsen.

„Im Freundeskreis arbeiten alle gleichberechtigt mit. Wir tagen öffentlich. Die Treffen finden jeweils am ersten Mittwoch eines Monats im Gemeindezentrum der evangelischen Kirche an der Jülicher Straße 109 in Vorweiden statt“, erklärt Hohlfeld. Am selben Ort sind Vertreter des Freundeskreises jeden Dienstag ab 18 Uhr für Asylbewerber und Interessierte direkt zu sprechen. Der Freundeskreis setzt auf kontinuierliche und zuverlässige Zusammenarbeit.

„Mit unseren Aktivitäten konnten wir erste Vertrauenskontakte zu den Bewohnern aufbauen und damit auch Kenntnisse über die Vielzahl und Vielschichtigkeit der zu bewältigenden Probleme und Konflikte gewinnen“, sagt Hohlfeld.

Mit der Konkretisierung erster Hilfestellungen entwickelten sich in den vergangenen Wochen Kontakte mit der Verwaltung der Stadt Würselen wie auch mit den Vertretern der politischen Parteien.

„Wir können bis heute uneingeschränkt feststellen, dass sich die Verständigung mit den Parteienvertretern von CDU, Grünen und SPD ausgesprochen interessiert und konstruktiv darstellt und die durchweg positive Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Stadt Würselen außergewöhnlich hilfreich und unterstützend wirkt“, freut sich Hohlfeld.

In Anbetracht der aktuell wieder steigenden Asylbewerberzahlen sei diese mitfühlende Haltung von Verwaltung und Politik der Kommune ausgesprochen dankenswert.

In kleinen Schritten konnte nun ein erster Erfolg erzielt werden: Der Asylbewerber Barathiraj Sivapathasundaram aus Sri Lanka hat seit kurzem eine eigene Wohnung in Broichweiden, die er mit seinem Landsmann Vasuthevan Manikkavasagar teilt. Möbliert mit Hilfe der Würselener Tafel und mit einem richtigen Badezimmer ausgestattet, bedeutet das private Heim für Sivapathasundaram größtes Glück: Vorher lebte er fünf Jahre in der Asylunterkunft, wo sich 15 Männer eine Toilette teilen müssen.

„Gleichwohl erkennt der Freundeskreis aus seinen ersten Erfahrungen mit den betroffenen Asylbewerbern die teilweise dramatischen Missstände um eine menschenwürdige Unterbringung, die massiven Defizite in der Gesamtbetreuung bis hin zur juristischen Betreuung, bei der Gesundheitsfürsorge, bei den individuell angemessenen Bildungsangeboten, bei den Integrationsangeboten, bei der Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben hier und nicht zuletzt bei den extremen Einschränkungen, die eigene Kultur zu pflegen“, zählt Clahsen auf. Ethische und kulturelle Unterschiede seien natürlich da.

„Das Ziel muss sein, die Bedingungen humaner und perspektivischer zu gestalten. Die Missstände müssen in Angriff genommen werden. Wir wünschen uns dafür offene Herzen und eine konstruktive wie produktive Zusammenarbeit“, betont Jürgen Hohlfeld.

Wer sich für die aktive Mitarbeit im Freundeskreis oder aber für seine Unterstützung interessiert, kann sich unter 0173/9905712 oder per E-Mail an freundeskreis-wuerselen@gmx.de direkt mit Hans Peter Clahsen in Verbindung setzen.

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