Herzogenrath/Kerkrade - Fußball als Grenzfall: „Rivalität ist viel kleiner geworden”

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Fußball als Grenzfall: „Rivalität ist viel kleiner geworden”

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Oranje vor, auch bei Fan-Artikeln: Caroline Brounen (r.) hat in ihrem Laden in Kerkrade zum Beispiel Kochschürzen zum „Wereld Cup” im Angebot. Foto: Stefan Schaum

Herzogenrath/Kerkrade. Vielleicht ist es am Ende sogar eine Art Liebe. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Wer sich seit Jahrzehnten mit solch einer Leidenschaft neckt, der muss sich einfach mögen, oder? Ganz tief drinnen zumindest.

Immerhin gibt es dieser Tage nicht wenige Niederländer, die bei aller Euphorie über den Finaleinzug das Ausbleiben des WM-Klassikers Deutschland-Holland bedauern. In Kerkrade ist mancherorts sogar echte Sympathie für die deutsche Elf zu spüren.

„Schade, die deutsche Mannschaft hat diesmal richtig gut gespielt”, sagt Bram Vreuls. Der 28-Jährige ist den Deutschen recht nahe. Schon rein räumlich. Schließlich arbeitet er im Eurode Business Center (EBC), in dem jeder Kollege mehrmals täglich die Grenze überwindet, die mitten durch das Gebäude verläuft.

Dort sitzt Anita Muys am Empfang. Und hat am Tag nach der deutschen Niederlage gegen Spanien ziemlich viele bedröppelte Gesichter gesehen. „Das ist schon lustig”, sagt sie. „Sonst grüßen die Deutschen immer ganz freundlich. Heute schauen sie nur auf den Boden und gehen gleich weiter.” Sie lächelt, „wirklich lustig”.

Ein wenig Häme gehört im EBC halt zur WM. So ist Gwendoline Heunen vor zwei Tagen hingegangen, und hat kurzerhand die lange Wimpelkette im Foyer umgestaltet. Wo sich zuvor niederländische und deutsche Fähnchen hübsch aneinander reihten, sieht man nun bloß noch die holländischen. Die anderen - ja, gibt es das - die hat sie einfach aufgerollt! Die Freche mit der Struwwelfrisur grinst breit. „Das geht doch in Ordnung, oder? Jetzt, wo Deutschland raus ist...”

Dass Holland noch drin ist, lässt die Kasse von Caroline Brounen kräftig klingeln. In ihrem Laden am Kerkrader Marktplatz finden sich allerhand Souvenirs in Oranje. Von der Kochschürze mit üppigem Plastikbusen bis hin zur Landkarte mit „Hup Holland”-Logo. Trikots, Fähnchen und Fan-Shirts sind hingegen längst vergriffen. „Ich telefoniere jeden Tag mit Händlern, aber ich bekomme nichts mehr nach.” Momentan sei nämlich jeder Holländer ein Fußballfan.

Selbst sie, die sonst mit dem Thema eher weniger am Hut habe. „Tut mir wirklich leid, dass Deutschland nicht mehr dabei ist”, sagt sie und schaut ganz aufrichtig dabei. „Die Rivalität wie vor 20 Jahren gibt es ja heute nicht mehr. Es haben sogar ein paar deutsche Kunden bei mir Fanartikel unserer Nationalmannschaft gekauft.” Ob sie die auch öffentlich zur Schau stellen werden, steht freilich auf einem anderen Blatt.
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