Alsdorf/Würselen - Für die Festzüge kommt der Fahnenschwenker zurück aus Bayern

Weltmeisterschaft Weltmeister WM Pokal Russland Fifa DFB Nationalmannschaft

Für die Festzüge kommt der Fahnenschwenker zurück aus Bayern

Von: Nadine Tocay
Letzte Aktualisierung:
20180615_0001407c5249b993_b1w_fahnenschwenker.JPG
Im Garten seiner Eltern zeigt Sven Hermanns seine Fahne. Foto: Tocay
16929295.jpg
In Uniform: Bei ihren Aufritten tragen die Fahnenschwenker ein Hemd, eine Hose und Schuhe in Weiß. Foto: Tocay

Alsdorf/Würselen. Mit Schwung wirft Sven Hermanns im Garten seines Elternhauses in der Broicher Siedlung in Alsdorf eine Fahne in die Luft. Sie dreht sich und fällt Richtung Boden. Der 25-Jährige reagiert schnell und schnappt sich die silberfarbene Kugel am Ende der Fahnenstange. Mit ausladenen Bewegungen schwenkt er sie um sich herum, bevor er sie erneut in die Höhe wirft.

Das Fahnenschwenken ist Sven Hermanns Hobby. Bereits seit 20 Jahren gehört es zu seinem Leben. Von Karneval bis Kirmes trainieren er und sein Verein, die Fahnenschwenkergruppe Blau-Weiss Weiden 1974, für die Auftritte bei den Jungenspielen in Würselen.

Mit fünf Jahren das erste Mal dabei

Die Leidenschaft für das außergewöhnliche Hobby wurde ihm in die Wiege gelegt. Schon mit fünf Jahren, „als er mit den Großen schritthalten konnte“, wie er sagt, lief er das erste Mal beim Umzug des Jungenspiels Nassau mit. Er sei quasi in die Tradition hineingerutscht. Denn sein Vater ist Gründungsmitglied der Gruppe. „Als Kind war es toll, weil Papa es gemacht hat. Als ich klein war, hat er das Schwenken mit mir immer im Garten geübt“, erzählt Hermanns.

Man brauche ein bisschen Kraft, um zu werfen. Aber es gebe auch Tricks, mit denen man das Schwenken schnell lernen könne, weiß er. „Einer ist, auf das Gewicht – die silberne Kugel – zu gucken, während die Fahne in der Luft ist, dann kann man sie leichter fangen.“ Dieses Wissen gibt er auch an den Nachwuchs der Gruppe weiter.

14 aktive Mitglieder

Ingesamt hat sie 22 Mitglieder, 14 davon sind aktiv. Der Jüngste ist 14 und der Älteste Mitte 40. Manche kämen auch erst dazu, wenn sie zu alt für die Jungenspiele geworden sind, aber noch im Zug mitlaufen wollen, erklärt Hermmans.

Einen besonderen Bezug haben die Fahnenschwenker zum Jungenspiel Nassau, das seine Kirmes vom 22. bis 25. Juni feiert, und von ihnen während der Kirmestage begleitet wird; einige Mitglieder seien auch in beiden Gruppen aktiv. „Brauchtum bringt die Menschen zusammen. Das ist wichtig, gerade in einer Zeit, wo jeder nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist“, findet Hermanns. Deshalb legt er auch jedes Jahr seinen Urlaub so, dass er an den Festzügen teilnehmen kann. Denn eigentlich wohnt er mittlerweile in München, arbeitet als Offizier bei der Bundeswehr und studiert dort Bildungswissenschaften.

Wenn er an die Kirmestage denkt, freut er sich am meisten auf den Marsch entlang der Kaiserstraße in der Innenstadt Würselens beim großen Festzug, der gerade erst stattgefunden hat. „Die Leute stehen da in Dreier-, Vierer- und Fünferreihen, das ist ein tolles Gefühl“, sagt Hermanns. Aber so lange am Stück zu schwenken, kann auch anstrengend sein: „Ab der Mitte ist man froh, wenn die Fahne in der Luft ist, dann kann man ganz kurz die Arme ausschütteln.“

Doch nicht nur am Umzug nehmen die Fahnenschwenker teil, sie führen auch Choreographien auf, zum Beispiel in Broich-Weiden vor der Kirche am Kirmessonntag nach der Messe. Da schwenken sie synchron, doch das kann eine ziemliche Herausforderung sein; gerade wenn mehr als zwei gleichzeitig im gleichen Rhythmus schwenken. Vor allem Windböen können den Fahnenschwenkern einen Strich durch die Rechnung machen. „Aber wir sind ein eingespieltes Team. Wenn die Umstände das geplante Programm nicht zulassen, planen wir halt spontan um“, sagt Hermanns.

Doch so gelassen das klingt, auch er ist manchmal nervös vor den Auftritten. Auf dem Festzelt abends, bevor der Einmarsch beginnt, sei er auch nach all den Jahren noch aufgeregt. Sobald er angefangen hat, sei die Nervosität aber verflogen. „Dann ist man direkt im Flow“, sagt er.

Und nach der Kirmes? Da werde die Fahne abgezogen, gewaschen, gebügelt und gefalten in den Schrank gelegt – gemeinsam mit der blauen Scherpe mit dem Logo, die die Fahnenschwenker um den Bauch tragen. Doch nur so lange, bis die nächste Saison vor der Tür steht.

Der Verein ist laufend auf der Suche nach Nachwuchs. Auch Frauen und Mädchen können mitmachen. Interessierte können sich per E-Mail an Sven Hermanns wenden, fsgbww@gmail.com, oder ihn bei der Sommerkirmes des Vorweidener Jungenspiels Nassau ansprechen.

 

Die Homepage wurde aktualisiert