Friedhofsglocke: Setterich braucht Geduld

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Für die Glockengießer hieß es höchste Konzentration, als sie von den Setterichern bei ihrem Handwerk in Brockscheid beobachtet wurden.

Baesweiler. Jeder Glockengießer hat ein Geheimnis. Wie eine Glocke ihren unverwechselbaren Ton bekommt. Und das wird streng behütet. Daran konnten auch die Gäste aus Setterich nicht rütteln, als sie jetzt die Eifeler Glockengießerei Mark in Brockscheid besucht haben. Denn dort ist jetzt dank vieler Spenden und der Unterstützung der Stadt Baesweiler die neue Friedhofsglocke gegossen worden.

Im Oktober vergangenen Jahres war die sogenannte „Tschippendorfer Glocke“ samt ihres schützenden Kupferdaches von Metalldieben gestohlen worden. Es war ein schwerer Schlag für die Menschen – nicht nur in Setterich. „Hier zeigen sich alle Baesweiler betroffen“, sagte Bürgermeister Dr. Willi Linkes damals. Auch der Glockenturm, den die Diebe beschädigt hatten, wird erneuert.

Mit einem großen Bus starteten die Settericher nun in Richtung Eifel. Nach der Ankunft erläuterte ein Experte der Glockengießerei zunächst, was die Besucher die nächsten Stunden erwarten würde. Und er erklärte, wie eine Glocke überhaupt entsteht. Und das geht so: Auf einem Buchenbrett wird zunächst das Profil der Glocke aufgezeichnet. Welche Form soll die Glocke bekommen? Wie groß soll sie sein? Und das Entscheidende: Wie schwer wird sie und welchen Ton bekommt sie? Anschließend wurde den Gästen an Modellen gezeigt, wie die Form einer Glocke entsteht.

Dann ging es in eine große Halle. Hier war der Schmelzvorgang der Metalle in vollem Gange. Es war eine ziemlich große Menge an Metall, denn nicht nur die Settericher Glocke wurde an diesem Tag gegossen. Auch die Pfarrkirche in Meckenheim-Lüftelberg hat jetzt eine neue Glocke. Um die Entstehung ihres neuen Herzstücks zu erleben, waren Pfarrmitglieder samt Pfarrer angereist.

Nachdem der Schmelzvorgang abgeschlossen war, mussten sich alle Gäste um den Schmelzofen versammlen. Jetzt war es soweit: Die Schmelzmasse bestehend aus 80 Prozent Kupfer und 20 Prozent Zinn hatte die erforderlichen 1100 Grad Celsius erreicht. Cornelia Mark-Maas, die erste Glockengießerin Deutschlands, konnte mit dem Zeremoniell beginnen. Nach einem Lied und einem Gebet für das Gelingen des Gusses von den Pfarrern der Gemeinden St. Petrus und St. Lüfthildis, gab Cornelia Mark-Maas die Anweisung zum Guss.

Die heiße Masse aus Metall schob sich langsam in die Form. Während des Gusses war nicht nur den Besuchern die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Auch die vier Glockengießer waren sehr konzentriert. Denn es wurde warm. Und staubig.

Emotionaler Moment

Für viele Beobachter war es ein emotionaler Moment bei dem Guss der neuen Friedhofsglocke dabei gewesen zu sein. Als die Glockengießer ihr Handwerk beendet hatten, stimmten alle „Großer Gott wir loben dich“ an.

Ob der Guss wirklich ein Erfolg war, muss sich noch zeigen. Nach rund einer Woche, wenn die Glocke in ihrer Form abgekühlt ist, wird sie aus ihrer Hülle befreit. Die Arbeit der Glockengießer bleibt also vorerst ein Geheimnis.

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