Fremde Welt vor der Haustür

Von: Katrin Maiwald
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Entdecken, erleben, Spaß haben: Bei den Ferienspielen der KJG St. Josef in Straß steht das Thema Orient im Mittelpunkt. Foto: Katrin Maiwald

Herzogenrath. Wer denkt, fremde Länder und Kulturen könne man nur im Urlaub entdecken, der irrt. In Straß finden in diesem Sommer Freizeitspiele für Kinder zum Thema „Orient” statt. Zehn Tage erleben Sechs- bis Zwölfjährige hautnah die Kultur des Orients.

Mit allen Sinnen entdecken die Kinder seine Düfte, Gewürze oder Religion. Organisiert werden die Spiele von der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) St. Josef. Vor 23 Jahren hat Gemeindereferent Wilfried Hammers die Spiele erstmals initiiert. Die Grundidee dabei ist, Inhaltliches mit Spaß zu verknüpfen: „Wir versuchen einen Balanceakt zwischen einer unterschwelligen thematischen Vermittlung zu schaffen, ohne dass es bei den Kindern als schulisches Lernen ankommt. Das wäre kontraproduktiv”, sagt Hammers.

Um eine schulische Atmosphäre zu vermeiden, sollen die Kinder sensitiv lernen. Der Leitsatz dabei ist: keine Last sondern Lust am Lernen. „Bei uns geht es um die Frage, wie kann ein Kind mit allen Sinnen in einen Kulturraum eintauchen, ohne dass es ihn jemals erlebt hat”, so Hammers.

20 Betreuer, 80 Kinder

Um diesen Leitsatz zu verwirklichen, lernen die Kinder beispielsweise Reptilien kennen. Die Begeisterung für die exotischen Tiere war groß, auch bei Michelle (11): „Wir durften die Reptilien auf die Hand nehmen. Mein Chamäleon hatte eine ganz weiche Haut, obwohl ich dachte, sie wäre rau. Und die Augen fand ich faszinierend, weil sie sich in verschiedene Richtungen bewegen.”

Insgesamt kümmern sich 20 Betreuer um 80 Kinder. Dabei gibt es vier thematische Gruppen. Eine Gruppe bastelt unter anderem Teppiche, Turbane oder Kleider. Sogar das Mittagessen ist teilweise orientalisch. Die Kochgruppe beschäftigt sich auch mit Gewürzen und Düften und bereitet für die Gruppe zum Beispiel orientalische Hackbällchen zu.

„Allerdings sind die meisten Teller der Kinder bei dem orientalischen Essen voll geblieben. Deswegen gibt es heute Spaghetti Bolognese”, sagt Johanna Schiefer. Die Gewürze seien den Kindern zu exotisch gewesen.

Johanna Schiefer ist Betreuerin der Feuergruppe. „Wir proben den berühmten Bauchtanz oder Feuerspucken. Es ist interessant, wie neugierig alle Kinder auf die Aktionen reagieren.” Beim Feuerspucken pusten die Kinder durch ein mit Pulver gefülltes Röhrchen. „Dieses Pulver ist völlig ungiftig. Das können sie auch runterschlucken.

Es wird eigentlich als Abführmittel verwendet”, lacht Fabian Lauscher, Betreuer. Überraschend dabei ist laut Lauscher, dass besonders die kleinen Mädchen am meisten Mut fürs Feuerspucken aufbringen.

Eine weitere Gruppe thematisiert Religion, Märchen sowie „Tausend und eine Nacht”. Hierbei besuchen die Kinder Moscheen, um die Lebensart besser zu verstehen. „Mir fiel auf, dass die Kinder sehr offen waren, sie haben viele Fragen gestellt und waren interessiert”, sagt Lauscher.

Jeden Sommer gibt es neue Themen: Im vergangenen Jahr wurden die vier Elemente behandelt, davor Zirkus oder das Mittelalter. Die Ferienspiele werden ausschließlich von ehrenamtlichen Helfern geleitet. Darauf ist Wilfried Hammers besonders stolz. Es sei faszinierend, dass die Spiele alleine von jungen Betreuern geleitet würden.

Durch die Veranstaltung versucht die KJG auch neue Mitglieder zu gewinnen: „Es ist keine Werbeveranstaltung, aber wir versuchen einen Transfer in die KJG zu schaffen.” Zusätzlich bieten die Freizeitspiele auch einen Urlaubsersatz: „Es sind Kinder dabei, die teilweise nicht in den Urlaub fahren können, und wir bieten ihnen deswegen Unterhaltung.”

So ist es durchaus möglich, in fremde Länder und Kulturen einzutauchen - und zwar zu Hause.
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