Frauentag: Ausgelassene Feier mit ernstem Hintergrund

Von: Elisa Zander
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Längst sind noch nicht alle Ziele erreicht: Doch die Frauen im Frauenkomm zeigten sich in bester Stimmung. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. „Toll, dass Du da bist”, ruft eine in silber getünchte Venezianerin der Besucherin entgegen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man hinter der glänzenden Maske das strahlende Gesicht von Marlies Diepelt. Sie ist die 1. Vorstandssprecherin des Frauenkommunikationszentrums „Frauenkomm Gleis 1” und tanzt dort fröhlich und ausgelassen über die Empore und durch den Eingangsbereich.

Was sie feiert? Nun, da gibt es mehrere Anlässe: Erst einmal feiern sich die Frauen an dem Abend selbst, „denn das machen wir viel zu selten”, stellt Marlies Diepelt sachlich fest. Darüber hinaus jährt sich an diesem Tag der internationale Frauentag zum 100. Mal, und schließlich kann der Verein „Frauenkomm Gleis 1” sein elfjähriges Bestehen feiern. Zusammen ergibt das 111 Narreteien - das Motto der Frauenfete. Denn wenn diese Tage auf einen Veilchendienstag fallen, liegt eine Karnevalsparty nahe. Die feierte das Frauenkomm gemeinsam mit den Gleichstellungsstellen aus Herzogenrath und Würselen.

In der „pinken Hölle”, wie die Künstlerin und im Vorstand für Kunst und Kultur zuständige Uta Göbel-Groß augenzwinkernd den Aufenthaltsraum nennt, quatschen phantasievoll verkleidete Frauen miteinander, lernen sich kennen und stoßen auf den Abend an. An den Wänden hängen über 70 großformatige Fotos. „Wir haben Frauen gebeten, von sich und ihren weiblichen Vor- und Nachfahren Bilder zu schicken”, erklärt Uta Göbel-Groß. „So können wir auch mit denen feiern, die heute nicht bei uns sein können.”

Das, was von den Frauen mit Sekt begossen wird, hat einen ernsten Hintergrund: Am 19. März 1911 gingen eine Million Frauen aus verschiedenen europäischen Ländern auf die Straße. Sie folgten dem Aufruf der Sozialistischen Internationale unter Führung von Clara Zetkin. Es ging um das Wahlrecht für Frauen, gleiche Bildungschancen und Löhne.

Heute wird der internationale Frauentag am 8. März gefeiert. Dabei gehen die Meinungen - auch unter Frauen - auseinander, inwieweit ein solcher Tag sinnvoll ist. Plädieren die einen, es sei bereits alles erreicht, pochen die anderen darauf, dass von „echter Gleichberechtigung” zwischen Männern und Frauen nicht die Rede sein könne. „Blauäugigkeit” und „Verbissenheit” wirft frau sich dann vor.

Von beidem halten Silke Tamm-Kanj, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Würselen, und ihre Herzogenrather Kollegin Birgit Kuballa wenig. „Uns ist nichts geschenkt worden, wir haben uns alles erkämpft”, betont Silke Tamm-Kanj. „Darauf können wir Frauen stolz sein. Wir können feiern. Aber wir dürfen uns nicht zurücklehnen.” Verbissenheit sei ein falscher Ansatzpunkt, „aber wir müssen konsequent sein und dürfen uns nicht auf dem ausruhen, was wir haben”, ergänzt Birgit Kuballa, „denn sonst ist auch das irgendwann weg”.

Problematisch sei das immer noch gelebte Rollendenken. Die Puppen- und Bauecke im Kindergarten nennt die Herzogenrather Gleichstellungsbeauftragte als Beispiel. „Kinder werden schon früh in das Denken hineingeführt.” Frauen wählten heute immer noch ähnliche Berufe wie ihre Vorgängerinnen vor 50 Jahren. Nur etwa fünf bis zehn Prozent streben eine Karriere in einem technischen oder mathematischen Bereich an.

Beim Rückblick auf das, was Frauen in den vergangenen 100 Jahren erreicht haben, wurde den Gleichstellungsbeauftragten noch einmal bewusst, was sich in dieser Zeit alles bewegt hat. Etwa das erste Gleichberechtigungsgesetz von 1958. Darin war unter anderem festgehalten, dass eine verheiratete Frau auch gegen den Willen ihres Mannes arbeiten gehen durfte, soweit die Kinder und der Ehepartner nicht darunter litten.

Erst in den 1970er Jahren wurde die „Leidens-Einschränkung” aufgehoben. Gravierend auf der einen, ein großer Fortschritt auf der anderen Seite ist die Gesetzesänderung, dass Vergewaltigung in der Ehe nun ein Straftatbestand ist. Erst 1997 wurde die Klausel geändert, „bis dahin hatte der Mann das Recht, sich zu nehmen, was er wollte”, erläutert Kuballa.

Dieser Fortschritt zeige aber auch, so sagt Silke Tamm-Kanj, dass, „wenn Frauen sich zusammenschließen, etwas in Schwung kommt”. Das weiß auch Uta Göbel-Groß. Darum ist es ihr besonders wichtig, dass der emanzipatorische Gedanke an die nachfolgende Generation weitergegeben wird.

„Wir müssen den Jüngeren weitergeben, dass nicht alles selbstverständlich ist, sondern wir dafür kämpfen müssen”, führt Marlies Diepelt weiter aus. „Wir müssen Visionen haben und davon ausgehen, dass wir unsere Wünsche umsetzen können.”
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