Forum Medizin: Rückenproblemen aktiv entgegentreten

Von: Sigi Malinowski
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Sie hielten interessante Vorträge und beantworteten ausgiebig Fragen zu Rückenleiden: (v.l.) Dr. Till Wagner, Leiter der MZ-Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin, Orthopädin Dr. Marlies Plum-Schunk und Dr. Rolf Sobottke, Chefarzt der Orthopädie am MZ. Alle Foto: Sigi Malinowski
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Sie beschrieb auf Nachfrage von Moderator Karl Stüber die psychosomatischen Aspekte von Rückenleiden: Psychologin Taraneh Motakef.
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Sie brachten reichlich Bewegung und auch ein bisschen Spaß mit ins Forum Medizin: die Physiotherapeuten Ingo Rieger und Bärbel Theissen.

Würselen. Was treibt einen Arzt an, bereits zum Frühstück Sauerbraten mit Knödeln und Rotkohl essen zu wollen? Ist es das Gehirn oder sind es die Magensäfte? Oder: Warum bekommt man beim Fensterputzen nicht gleich auch automatisch die Gardinen mit gewaschen? Das erste Forum Medizin, ausgerichtet vom Medizinischen Zentrum Würselen und unserer Zeitung, lieferte interessante Vergleiche und Zusammenhänge zum Schmerzempfinden.

Aber nicht nur das. Das ausverkaufte Forum im Alten Rathaus Würselen zeichnete sich durch reichlich Antworten, Experten-Meinungen und einen dauerhaft „pieksenden und nachbohrenden“ Moderator, unseren Redakteur Karl Stüber, aus. Er hatte auch gleich einen durchaus provozierenden Einstieg zum Thema „Rückenleiden – das Kreuz mit dem Kreuz“ gefunden. Indem er Privatdozent Dr. Rolf Sobottke seine Ansicht präsentierte, die (oft für Schmerzen verantwortliche) Wirbelsäule „ist eine evolutionäre Fehlkonstruktion“.

„Europameister im Dicksein“

Sobottke, stellvertretender Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie am Medizinischen Zentrum, konterte, „das sehe ich anders“ und verdeutlichte an einem 3,7 Millionen Jahre alten Skelett aus Tansania, dass „die S-Form der Wirbelsäule der ideale Stoßdämpfer ist“.

Warum bekommt der Mensch Rückenschmerzen? Das hat viele Ursachen – neben Verschleiß, Rheuma, Tumoren oder Fehlbildungen geht es auch um verschiedene andere Faktoren. Sobottke nannte als Hauptursache das Alter. Aber auch unabhängig vom Alter kommt es zu schmerzhaften Leiden. Ein weiterer Grund dafür: „Wir Deutschen sind die Europameister im Dicksein“, spielt das Gewicht eine entscheidende Rolle. Bei allen Diagnosen gilt für Sobottke immer noch „das Hauptaugenmerk, Operationen zu vermeiden“. Aber wenn es zu Eingriffen, zu einer operativen Intervention bei beispielsweise einer Chronifizierung kommt, „steht dem MZ eine gute technische Ausstattung und die interdisziplinäre (Klinik übergreifende) Zusammenarbeit zur Verfügung“.

Die gerade bundesweit in der Diskussion stehenden Kunstfehler in der Medizin sprach Moderator Stüber an. Sobottke antwortete: „Das ist ein brandheißes Thema.“ Das MZ führt ein aussagefähiges Wirbelsäulenregister, wodurch die Qualität von Maßnahmen gut bewertet werden kann. „Wir haben das hier im Haus gut gelöst.“

Weiterer Referent war der Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin am MZ, Dr. Till Wagner. Was ist die ergiebigste Maßnahme gegen Rückenschmerzen? „Bewegen Sie sich, sonst wird’s noch schlimmer. Ein Knochen, den man nicht bewegt, baut ab.“ Wo der Schmerz herkommt, wie er im akuten oder chronischen Zustand behandelt werden kann, wie sinnvolle Freizeitgestaltung darauf positiv einwirkt („Gehen Sie ins Theater oder in den Garten“) oder auch die Darstellung des Schmerzgedächtnisses im Gehirn und der Umgang mit chronischen Schmerzen („Die können wir nur lindern, eine Heilung ist nicht mehr möglich“) skizzierte der Facharzt. Schmerz ist eine Sinnesempfindung, wie auch der Appetit auf ein Mahl aus Sauerbraten und Rotkohl, mit dessen Verköstigung Dr. Rolf Sobottke zu morgendlicher Zeit kein Problem hat. Interessant war auch Wagners Feststellung: „Wir behandeln keine Röntgenbilder, wir behandeln Menschen.“

Fachärztin Dr. Marlies Plum-Schunk, niedergelassene Orthopädin in Eschweiler, empfahl vor dem Hintergrund des Schweregrades der Krankheit den Arztbesuch schon bei „einem Hexenschuss oder bei Blockaden der Wirbelsäule mit vorchronischem Schaden“. Taubheit und Lähmung seien zudem Alarmzeichen. Stüber konstatierte: „Sie kümmert sich darum, dass die Krummen möglichst gerade werden und die Geraden tunlichst gerade bleiben.“

Einen begleitenden Auftrag in diese Richtung haben auch die Physiotherapeuten. Mit Bärbel Theissen und Ingo Rieger hatte das MZ zwei Fachkräfte für eine halbe „Turnstunde“ eingebaut. Diese nutzten auch der Ärztliche Direktor des MZ, Prof. Dr. Christoph Kosinski, MZ-Geschäftsführer René A. Bostelaar und Katharina Kopiecny, die wesentlich zur Vorbereitung des Forums Medizin beigetragen hatten, um die rückenschonenden Übungen, die von den Physiotherapeuten vorgeführt wurden, mitzumachen.

Sehr aufschlussreich war auch der Einblick in die Arbeit der Psychologen. Hier beschrieb Taraneh Motakef (MZ), wie sich Verhaltens- und Gestalttherapie unterscheiden oder was man sich unter Schmerzbewältigungsgruppen vorstellen muss. Zudem schilderte sie, wie ein Patient Beeinträchtigungen durch Arbeitsplatzsituationen oder familiäre Belastungen abbauen kann. Ausgiebig arbeiteten die Experten den Frageblock aus Reihen des Publikums ab. Jeder Teilnehmer hatte neben dem Nachfragen via Mikrofon auch die Möglichkeit, Karten auszufüllen, um so Anonymität wahren zu können. Eine ganze Menge Fragen, die sich um Operationsrisiken, Eingriffen bei über 80-Jährigen, dem Verhalten bei Mehrfach-OP, aber auch nach Formen der Überweisung an Fachärzte oder nach Risikoabwägungen drehten.

Nächstes Forum am 22. Oktober

Abschließend äußerte sich Prof. Kosinski sehr erfreut über die Organisation und den Ablauf des Forums. Der Termin für das nächste Forum Medizin steht bereits fest: Mittwoch, 22. Oktober, 19.30 Uhr, wieder im Alten Rathaus. Voraussichtlich wird es dann um ein Thema aus dem Bereich Urologie gehen: Inkontinenz. Weiteres wird zeitnah angekündigt.

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