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Forum Medizin: Körper und Seele tragen zu Kopfschmerzen bei

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
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Referent beim Forum Medizin zu Kopfschmerzen: der Arzt Bernd Heinrichs. Foto: privat

Würselen/Aachen. 70 Prozent der Patienten, die der Mediziner Bernd Heinrichs mit zwei Arztkolleginnen in einer auf Schmerztherapie spezialisierten Gemeinschaftspraxis in Aachen betreut, leiden unter Kopf- und Rückenschmerzen.

Das Schmerzzentrum am Boxgraben hat reichlich zu tun. Sein Team kümmert sich um Patienten, die zumeist von niedergelassenen Orthopäden, Neurologen und Allgemeinmedizinern überwiesen werden. Auslöser dafür ist oft, dass bei den in Behandlung befindlichen Schmerzpatienten trotz der bislang bewährten Therapie eine Verschlechterung bzw. eine Chronifizierung der Schmerzen eingetreten ist. Dann ist der Spezialist gefordert.

Heinrichs ist einer der Referenten des Forums Medizin zum Thema Kopfschmerzen, das am Mittwoch um 19.30 Uhr im Alten Rathaus in Würselen beginnt und vom Medizinischen Zentrum Würselen (MZ) sowie unserer Zeitung mit Unterstützung der Stadt Würselen organisiert wird (siehe Info).

Bei erster Kontaktnahme mit dem Aachener Schmerzzentrum erhalten die Patienten, auch in Sachen Kopfschmerzen, entweder per Mail oder als Brief einen mehrseitigen Fragenkatalog. Das gewissenhafte Ausfüllen durch den Patienten ist wichtig. Der zurückgeschickte und dann ausgewertete Fragebogen dient als Basis für die erste Vorstellung in der Praxis, wie Heinrichs sagt. Es geht darum, neben dem Verlauf der Kopfschmerzerkrankung, typische Charakteristika und Hinweise für die Gründe einer Verschlechterung bereits im Vorfeld herauszufinden. So kann oft bereits beim Ersttermin nach eingehender, körperlicher Untersuchung und intensivem Gespräch eine entscheidende Weichenstellung erzielt werden.

„Was hat früher gut geholfen, und warum funktionieren erfolgreiche Strategien nicht mehr“ kann zum Beispiel eine wichtige Fragestellung sein. Steckt dahinter eine Mehrbelastung im Leben, sorgt zunehmender Verschleiß des Körpers für höhere Ausschläge bei akuten Attacken oder für chronisch gewordene Kopfschmerzen? „Besonders berufliche und familiäre Belastungen haben an Bedeutung gewonnen.“ In dem Fragebogen geht es unter anderem darum, „schwerwiegende Lebensereignisse“ ausfindig zu machen, wie etwa der Verlust eines Familienmitglieds oder Stress mit Kollegen und dem Vorgesetzten. „Wir bereiten uns auf jeden einzelnen Patienten vor“, sagt Heinrichs. Und: „Durch das Ausfüllen des Fragebogens entwirft der Patient einen Spiegel seiner selbst und seines Krankheitsbildes. Diese Reflexion ist oft eine erste, wichtige Voraussetzung für das Erkennen erfolgreicher Verhaltensänderungen“, so der Schmerztherapeut.

Es folgt in der Praxis das intensive Gespräch mit dem Arzt. „Die Bedeutung seelischer Belastungen wie Angststörungen oder depressive Elemente nimmt durch den ständigen Leidensdruck bei chronischen Spannungskopfschmerzen meist zu“ sagt er. Das Erkennen der Gleichwertigkeit körperlicher und seelischer Anteile an der Entstehung von Spannungskopfschmerzen sei oft entscheidend für den Verlauf. „Körperliche und seelische Anteile an Kopfschmerzen können wir nicht voneinander trennen.“ Schmerzen sind im Prinzip sinnhaft werdende Signale für Gewebsschädigungen. Der am Ziel vorbeigeworfene und ins Bein gefahrene Dartpfeil wird als Signal ans Großhirn gemeldet: Autsch! Aber es geht eine Zweitmeldung parallel ans limbische System. Das ist eine Funktionseinheit des Gehirns, in der die Verarbeitung von Gefühlen, schmerzhaften Vorerfahrungen und die Bewertung von Schmerz koordiniert werden. So wird bei Ärger und Stress eine Verletzung deutlich schmerzhafter empfunden. Anders herum funktioniert das auch: Der frisch Verliebten wird beim Nähen der unbeabsichtigte Stich in den Finger weniger weh tun als der Herzdame, deren Liebster sich gerade von ihr getrennt hat.

In der Schmerzpraxis gilt es im Bewusstsein der Zusammenhänge, eine Strategie zu entwickeln, die Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen. Dazu können, je nach Patient und Diagnose, eine auf den Einzelfall zugeschnittene Veränderung der Lebensweise, physikalische und psychologische Therapien sowie eine Optimierung der Medikation gehören, so Heinrichs.

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