Herzogenrath - Forum für Kunst und Kultur präsentiert „Cocoontime”

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Forum für Kunst und Kultur präsentiert „Cocoontime”

Von: ger
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Enorme Aufwertung durch anspruchsvolle Verarbeitung: Susanne Walter setzte Kassenbons eines Monatseinkaufs bei einem Discounter in eine Stickerei um. Foto: Daniel Gerhards

Herzogenrath. Jeder wirft sie weg: Verpackungen, Kassenbons, beschriebenes Papier, abgenutzte Gegenstände. Kaum jemand würdigt sie eines Blickes, wenn er den Mülleimer öffnet, um sich der Abfälle der modernen Gesellschaft zu entledigen.

Eugenie Degenaar und Susanne Walter finden hier aber die Rohstoffe für ihre Kunstwerke. Was die Künstlerinnen aus Draht, Styropor und Folie herstellten, zeigt derzeit die Skulptur- und Grafik-Ausstellung „Cocoontime” im Herzogenrather Forum für Kunst und Kultur in der Euregio im Eurode-Bahnhof.

Die außergewöhnliche „Klangperformance” der Musikerin Sonja Mischor verlieh der Ausstellungseröffnung eine besondere Note. Dagmar Preising, promovierte Kunsthistorikerin des Aachener Suermondt-Ludwig-Museums, stellte die Verbindung beider Künstlerinnen im Titel der Ausstellung fest: „Der Kokon ist seit drei Jahren das zentrale Thema von Eugenie Degenaar, und Susanne Walter beschäftigt sich mit Zeit - gesammelter und geraubter Zeit.”

Degenaars Kokons sind völlig unterschiedlich in Form und Material. Isoliert oder in ein großes Geflecht aus Drahtstreben gebettet, zeugen sie von der kompletten Abschottung, in der sich die Larve zum prächtigen Schmetterling entwickelt. „Kunst und Leben sind hier ganz eng miteinander Verbunden”, sagte Preising, „die Kunst modelliert und gestaltet das Leben”. Die niederländische Künstlerin zeigt gesockelte Skulpturen, dreidimensionale an der Wand hängende Arbeiten und frei im Raum hängende Kokons.

Zeit darzustellen, ist ein ungleich schwierigeres Unterfangen. Susanne Walter bietet Momentaufnahmen, Episoden und Serien. Auf den ersten Blick erschließt sich der Inhalt der puristischen Werke nicht. „Die Strukturen sind sehr abstrakt”, erklärt Preising, „man kann kaum auf den realen Ausgangspunkt schließen”. Was auf den ersten Blick völlig unverständlich scheint, wird bei näherem Hinsehen umso interessanter. Bei ihrem Kunstwerk „Bahnhof Soest - Bahnsteig 3b und 3c” fing die Aktionskünstlerin die Struktur des Bahnsteigbodens samt darauf liegendem Abfall ein.

Sie nutzte dabei nicht die Technik der Malerei, sondern der Frottage. Dabei legte sie die Leinwand auf den Boden, um den Augenblick und somit die Zeit unmittelbar einzufangen. In ihrer druckplastischen Serie „Sechs Monate Schneidearbeit” hielt die Bielefelderin, die heute in Aachen lebt, die Rillen in ihrem Schneidebrett fest, die vom Gemüseschneiden herrührten. So entstanden Strukturen in einer ganz zufälligen Anordnung. Allerdings: „Es wirkt, als wäre es gewollt”, stellte Dagmar Preising fest. Susanne Walter dokumentiert die Zeit in puristischer Weise. Sie wertet Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens durch anspruchsvolle Verarbeitung auf.

Beide Künstlerinnen stellen äußerst filigrane Werke aus, die genaue Betrachtung verlangen. „Man muss sich Zeit nehmen, die Werke kann man sich nicht im Vorbeigehen ansehen”, mahnte Reisinger.
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