Baesweiler - Flovericher „Hüttengaudi“ wird Forschungsobjekt

Flovericher „Hüttengaudi“ wird Forschungsobjekt

Von: Stefan Schaum
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Das Dirndl steht fest, der Eintrittspreis aber nicht: Die Flovericher Schützen um Christiane Hanek, Britta Lange, Daniel Koch und Verena Froesch (v.r.) setzen auf zusätzlichen Pfiff bei der „Hüttengaudi“. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Dirndl und Lederhosen haben sich längst durchgesetzt bei der „Hüttengaudi“ der Flovericher St.-Willibrordus-Schützen. Wer zum Partyabend bloß im blau-weiß-karierten Hemd zur Jeans erscheint, ist praktisch schon „underdressed“.

Doch an der Wahl der Garderobe liegt es nicht, dass die bayerische Party am äußersten Zipfel von Baesweiler zu einem Fall für die RWTH Aachen wird. Das hat mit Geld zu tun. Besser: Mit dem Eintrittsgeld, das die Besucher zahlen wollen. Genau das steht ihnen diesmal nämlich frei.

„Pay What You Want“ heißt das, was Dr. Marcus Kunter vom Lehrstuhl für Markteing am Samstag, 6. Juli, nach Floverich treibt. Man könnte sagen, dass es was von Hippie-Flair hat, einfach mal zu zahlen, was man möchte. Man könnte auch sagen, dass es eine wahre Fundgrube für Soziologen, Psychologen und Verhaltenswissenschaftler ist, zu beobachten, was der Mensch hinblättert, wenn ihm niemand vorschreibt, wie viel er hinblättern soll.

Kunter und Kollegen werden sich am Eingang des Festzeltes genau anschauen, wie die Besucher sich verhalten und welche Fragen sie haben. „Und es wird ganz sicher einige Fragen geben“, weiß Kunter, der schon vier solcher „Pay What You Want“-Projekte begleitet hat, unter anderem im Münsteraner Zoo. „Wenn an der Kasse kein Preisschild steht, werden viele Menschen sofort unsicher und sagen: ‚Ja – und was muss ich jetzt machen?‘“

Er hat den Schützen, die den Kassendienst versehen, die passende Antwort souffliert, nämlich: „Mach Sie doch, was sie wollen!“ Damit ist der Fragende zwar nicht viel schlauer, doch genau so will es die Wissenschaft. Letztlich soll er ja das geben, von dem er denkt, das es die Sache wert ist.

Und wenn das nun gar nichts ist? „Wir haben keine Angst, dass die Kasse leer bleibt“, sagt Daniel Koch, Geschäftsführer der Schützenbruderschaft. Er verspricht sich eine gute Werbung von der Aktion. In vergangenen Jahren gab es bei der „Hüttengaudi“ immer um die 300 Gäste. Diesmal soll die Hütte – pardon: das Festzelt auf der großen Wiese am Ortsausgang Floverich – voll werden. 500 Besucher passen hinein. Koch hatte den Kontakt zur Uni hergestellt. „Das ist doch ‘ne pfiffige Aktion – und pfiffige Aktionen brauchen Schützenveranstaltungen, um heute noch erfolgreich zu sein.“ In Floverich geht dieses Konzept offenbar ganz gut auf.

In dem Ort mit knapp 400 Einwohnern gibt es 50 aktive Schützen und nochmal so viele Mitglieder. Auch Rockkonzerte ziehen bei Veranstaltungen ihr Publikum. „Der Mix macht‘s“, meint Koch und spricht dabei auch vom Vorstand, der sich zu gleichen Teilen aus alten Recken und jungen Hasen zusammensetzt. Bayern-Sound, Rockmusik und jetzt auch noch die Wissenschaft – im Schützenzelt tut sich so einiges.

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