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Feldlerchen fühlen sich in Oidtweiler wohl

Von: Holger Bubel
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Nicht zu sehen, aber zu hören: Landwirt Bernd Kockerols (l.) und Aline Foschepoth haben aus dem Feldlerchenfenster ein Vogelmännchen beim Singflug entdeckt. Foto: Holger Bubel/Imago/blickwinkel

Baesweiler. Sie braucht nicht viel, aber ein wenig benötigt die Feldlerche dann aber doch. Nämlich Platz zum Landen und Balzen und Fläche für den Nachwuchs, denn sie brütet im offenen Gelände mit weitgehend freiem Horizont auf trockenen bis wechselfeuchten Böden. Doch da liegt das Problem für den rund 20 Zentimeter großen Flugkünstler.

Wegen immer intensiverer landwirtschaftlicher Nutzung von Flächen muss die Feldlerche ordentlich Ausschau halten nach einem geeigneten Plätzchen für den Nachwuchs. Einmal einen solchen Platz gefunden, lieben es die Männchen aus luftiger Höhe zu ihrem markanten Singflug anzusetzen: Nach einem spiralförmigen Anstieg in die Höhe kreisen sie mehrere Minuten ohne Unterbrechung singend über ihr Revier und beeindrucken mit ihren rhythmisch wiederholten Trillern, Stakkatofolgen, Rollern und Glissandos die Weibchen.

Die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft hat sich im Jahr 2009 dem Problem mangelnder Flächen für die feldlerchen angenommen und das Projekt „1000 Fenster für die Lerche“ ins Leben gerufen.

„Seit den 80er Jahren ist der Feldlerchenbestand in NRW um etwa 75 Prozent zurück gegangen. Inzwischen steht die Feldlerche sogar auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten“, erklärt Aline Foschepoth, die das Projekt für die Stiftung betreut.

Mittlerweile gibt es aber bereits weitaus mehr als 1000 dieser hilfreichen Fenster in NRW, nämlich 9093, 280 davon alleine in der Aachener region. Und 20 davon finden sich derzeit auf den Weizenfeldern von Landwirt Bernd Kockerols aus Oidtweiler. „Ich mache gerne bei dem Projekt mit. Die Natur liegt mir nicht nur als Landwirt und aus ökonomischen Interessen am Herzen“, sagt Kockerols.

Einen Verdienstausfall hätte er durch die Fenster übrigens nicht. 10 Euro gibt es pro Stück. Geld, das Bauer Kockerols gleich weitergibt. Erhofft viele Nachahmer zu ermuntern, ebenfalls etwas für den bedrohten Vogel zu tun. Und das ist denkbar einfach: „Bei der Einsaat wird die Sämaschine für ein paar Meter angehoben. fertig“, erklärt Bernd Kockerols. Das Ergebnis: etwa 20 Quadratmeter Freifläche inmitten kräftig wachsenden Weizens, die die Feldlerche als „Anflugschneise“ und zur Nahrungssuche nutzt. Ihre Nester legen sie im umliegenden Getreide an. Dort finden sie auch die zur Aufzucht der Jungen notwendige Deckung.

Einige Grundsätze müssen dann aber doch beachtet werden: „Die Flächen müssen 150 Meter von geschlossenen Ortschaften und Baumbeständen sowie 50 Meter von Straßen, Strauchhecken und Greifvogelansitzen entfernt sein“, erklärt Aline Foschepoth. Denn das mögen die Feldlerchen nicht so gerne: Feinde aus der Luft und streunende Hunde.

Feldhasen, Rebhühner und Co.

Profteure sind aber nicht nur die Singflug-Stars, auch Feldhasen, Rebhühner und andere Wildtiere freuen sich über die Freiflächen in den Feldern. Dass das Lerchenprojekt erfolgreich ist, das haben Ornithologen festgestellt, durch Verhörung des speziellen Feldlerchengesangs. Die Vogelkundler haben eine steigende Population für das rheinland ausgemacht.

Als Ortsvorsitzender der Landwirte will Bernd Kockerols zunächst seine Baesweiler Kollegen zum Mitmachen motivieren. Und vielleicht sieht und vor allem hört man schon bald vielerorts die agile Feldlerche beim Werben um Weibchen und Markieren des neuen Domizil.

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