Fehlendes Tausalz: Schneeräumer stoßen an ihre Grenzen

Von: Stefan Schaum
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Schwitzen in der Kälte: Die Schneeschipper vom Alsdorfer Bauhof haben vor allem an den Querungen viel freizuräumen. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. An Schlaf ist kaum zu denken. Vier, fünf Stunden müssen reichen. Oft weniger, wenn die Feuerwehr ihn mitten in der Nacht rausklingelt. Genau genommen bringt das - zumindest bei anhaltendem Schneefall - gar nichts.

„Das geht jetzt schon seit Mitte Dezember so. Schnee, Schnee, Schnee - ich kann ihn nicht mehr sehen.” Frank Robert hat als Mitarbeiter des Alsdorfer Bauhofes beinahe täglich damit zu tun, Schnee und Eis zu beseitigen. Er schippt Querungen frei, macht Verkehrsinseln passierbar. Er kann sogar hier und da ein wenig Salz nachstreuen. Von letzterem können die Fahrer der städtischen Räumfahrzeuge derzeit nur träumen.

„Wir haben nichts mehr im Silo”, sagt Walter Buttgereit, kaufmännischer Leiter des Eigenbetriebs Technische Dienste in Alsdorf. Längst werden die Fahrzeuge - zwei große und zwei Traktoren für die Gehwege - daher mit Granulat bestückt. Tauwirkung bringt das aber nicht.

„Sobald neuer Schnee drauf fällt, ist die abstumpfende Wirkung weg”, sagt Buttgereit. Daher war es vor allem am Sonntag vielerorts spiegelglatt in der Stadt. „Räumfahrzeuge können mit ihrer Schaufel nicht alles wegmachen, gut zwei Zentimeter bleiben immer liegen.”

Und dann ist auch noch das passiert: Eines der beiden größeren Fahrzeuge blieb selbst auf der Strecke! Feuchtes Granulat hatte für einen Defekt an der sogenannten Schnecke des Fahrzeugs gesorgt. Die Folge: In Mariadorf und Hoengen konnte stundenlang gar nicht geräumt werden. Vor allem an den Gefällestrecken - etwa nahe der Broicher Siedlung - gab es dort für Autofahrer kein Fortkommen mehr. „Da kam alles zusammen. Es war wirklich schwer, die Lage überhaupt in den Griff zu bekommen.”

In solchen „Extremsituationen”, wie Buttgereit es nennt, geraten die Mitarbeiter an den Rand des Machbaren. „Wir können auch nicht mehr, als unser Bestes zu geben.” Und wie steht es um die Verkehrssicherungspflicht der Kommunen? Auch die habe ihre Grenze. „Es gibt Wetterverhältnisse, in denen Kommunen davon freigestellt werden.”

Womöglich naht Besserung. Am Mittwoch sollen 50 Tonnen Streusalz geliefert werden. Bei Neuschnee dürften die für drei, vier Tage reichen. Ähnlich sieht es in Herzogenrath aus. 60 Tonnen sind noch im Silo, Nachschub ist nicht in Sicht. „Wir streuen mit Augenmaß”, sagt Baubetriebsleiter Markus Schlösser. Vor allem an Gefällestrecken, andernorts wird nur geräumt.

Von einer „eisernen Reserve” spricht Franz-Josef Mahr, Leiter der Kommunalen Dienstleistungsbetriebe in Würselen. 60 Tonnen lagern noch, die sollen aber erst angetastet werden, wenn der zur Wochenmitte angekündigte Schnee fällt. „Wir kommen derzeit mit Räumen hin”, sagt Mahr. Allerdings gilt das nur für Hauptstraßen. „Die Bürger müssen Verständnis haben, dass andere Straßen nicht zum Zug kommen können.”

Es wird eng

So langsam wird es auch in Baesweiler eng. Nur noch ein volles Silo und ein dickes Fragezeichen hinter dem nächsten Liefertermin. „Die Lage wird schwieriger”, sagt Bauhofmitarbeiter Markus Schallenberg. Er hofft, dass die Räumfahrzeuge wenigstens durchhalten. „Jede Minute, in der ein Fahrzeug nicht gebraucht wird, schaut ein Techniker bei uns drüber, damit keins schlapp macht.”

Schlapp machen - daran denkt Frank Robert beim Schaufeln noch nicht. Doch sehnt er wärmere Tage herbei. Vor denen graut seinem Chef allerdings ein wenig. Denn die Jungs von Walter Buttgereit schieben nicht nur Schnee beiseite - sondern häufen dieser Tage auch einen Berg von Überstunden an.

Buttgereit: „Das kann zum Problem werden, wenn die später mal abgefeiert werden sollen.” Auch deshalb mache der Winter der klammen Kommune zu schaffen: „Wir werden sie wohl ausbezahlen müssen.”
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