Faszinierende Klänge ganz ohne Pathos

Von: pt
Letzte Aktualisierung:
kerki_bu
Großes Aufgebot, großartige Leistung: Beim Frühjahrskonzert, einem der Höhepunkte im Kulturkalender, stellten die Akteure ihre Klasse unter Beweis.

Alsdorf. Der Rezensent muss an dieser Stelle Abbitte gegenüber dem Alsdorfer Städtischen Chordirektor Günther Kerkhoffs leisten. Bei der letzten lobenden Kritik hatte er angemerkt, dass sich die von Kerkhoffs aufgeführten Werke alle paar Jahre wiederholen.

Damals wusste er noch nicht, welche Werkauswahl der Chorleiter für das Frühjahrskonzert „Perlen der Romantik” in der Pfarrkirche St. Mariä Heimsuchung in Schaufenberg getroffen hatte.

Fazit vorab: Es waren sämtlich Werke, die noch nie bei Städtischen Konzerten in Alsdorf zu hören waren. Das gab nach der Begrüßung durch Hausherr Pfarrer Christian Kittel der Aufführung in der leider erstmals nicht gefüllten Kirche den Reiz des Neuen, Unverbrauchten.

Starke Besetzung

Der Beobachter gesteht, selten einmal so fasziniert gewesen zu sein von einer Darbietung der „Deutschen Messe” von Franz Schubert (1797-1828). Das Wort „Deutsch” scheint für die meisten Interpreten - man denke nur an berühmte Schallplatten- und CD-Aufnahmen - nahezulegen, dass das Werk besonders getragen und pathetisch interpretiert wird.

Dass es auch anders geht und die ja eigentlich doch tröstlichen, gottvertrauenden Botschaften der Schubert-Messe auch in „luftigen” Tempi angehen kann, zeigten sehr schön Dirigent Günther Kerkhoffs und seine Schützlinge: der Städtische Chor Alsdorf, der Städtische Jugendchor Alsdorf, das Vokalensemble „Canto Classico” des Städtischen Chores, der Balbinachor Würselen, Mitglieder der „Capella a Capella” Aachen (Einstudierung Willy Beckers und Günther Kerkhoffs), das Kammerorchester Dieter Beißel und Peter Schulz an der Orgel.

Trompeten und Pauken

Die Schönheit der Darbietung lebte auch von dem wirkungsvollen Wechsel von Orchester- beziehungsweise Orgel-Vorspielen, Tutti-Chören und solistischen Tableaus. Letztere gestalteten sehr homogen Tatjana Kronau (Sopran), Irene Luckei (Alt), Thomas Thiele (Tenor) und Christian Brülls (Bass).

Franz Schuberts zweite zu hörende Komposition war die - diesmal lateinische - Messe in G-Dur in der Fassung seines Bruders Ferdinand, der die ursprüngliche Streichermesse durch Trompeten und Pauken ergänzte. Günther Kerkhoffs hatte dieses Meisterwerk Schuberts ausgesucht, weil sich in ihm Frömmigkeit und Glaube, Inspiration und Formgebung zu hoher künstlerischer Einheit verbinden. Auch hier nahm Kerkhoffs die Tempi „luftig”, ohne dass dadurch etwas von der majestätischen Wirkung (Bläser!) des Werkes verlorengegangen wäre. Das zeigte sich etwa beim triumphalen Gloria. Unter die Haut gingen auch Teile des Credo, so etwa das Bass-Solo „unter Pontius Pilatus gelitten und gestorben” und die tiefen chromatischen Streicherbewegungen, die für Leid und Kreuzestod Jesu stehen.

Auch die Solisten hatten in der G-Dur-Messe bemerkenswerte Auftritte, wobei die Sopranistin Tatjana Kronau (Kyrie, Agnus Dei und in schönem Wechselgesang mit Bass Christian Brülls im Sanctus) hervorzuheben ist. Die Chöre sangen beide Schubert-Messen nicht dick aufgetragen, sondern - jeweils die Intention und unterschiedliche Stimmung der Texte nachvollziehend - differenziert.

Passend zum Mendelssohn-Jahr

Doch auch Freunde reiner Instrumentalmusik kamen bei der Aufführung in Schaufenberg nicht zu kurz. Die Musikwelt feiert 2009 - unter anderem - ein „Mendelssohn-Jahr”. Das frühe Wunderkind und der nachmalige Leipziger Gewandhaus-Kapellmeister Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) schuf mit der 9. Jugendsinfonie (Schweizer Sinfonie) ein Werk, das Zeugnis ablegt von einer frühreifen geistigen Überlegenheit. Das Kammerorchester Dieter Beißel interpretierte das Werk jederzeit transparent.

Wie bei Schubert zeigte sich: Deutsche Romantik muss nicht mit Wagnerschem Pathos daherkommen, sondern kann auch leichten Fußes auftreten. Manches an diesem Werk erinnerte an die Kompositionen eines anderen Wunderkindes, nämlich Wolfgang Amadeus Mozart, anderes gemahnte beim Bach- und Händel-Verehrer Mendelssohn an Barock-Ouvertüren. Schließlich setzte der Lokalkolorit liebende Mendelssohn - siehe seine späteren Italienischen und schottischen Sinfonien - der geliebten Schweiz ein Denkmal, indem er deren Volksweisen in die Sinfonie einarbeitete. Kurzum: Der erst 14-Jährige Mendelssohn hat hier ein geniales Frühwerk geformt.

Jederzeit anregend

Viel Applaus für einen hochwertigen Konzertabend, der dank der ausgesuchten „neuen” Werke und einer frischen Interpretation jederzeit anregend und nie langweilig war.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert