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„Familienpaten” verschenken Zeit und bereiten Freude

Von: Lars Odenkirchen
Letzte Aktualisierung:
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Das passt: (v.l.) Anja Engel mit Tochter Alina, Familienpatin Christina Reiß und Sohn Daniel bei der gemütlichen Märchenstunde auf dem Sofa.

Baesweiler. Was für viele andere Kinder ganz normal ist, ist für Alina Engel (5) und ihren älteren Bruder Daniel (7) die absolute Ausnahme. Mal eben zu Opa spielen gehen, nach der Schule bei Oma essen oder am Wochenende bei den Großeltern schlafen: All das können die beiden nicht.

Der Grund ist einfach: Berufsbedingt zog es Familie Engel aus dem Süden der Republik nach Baesweiler - die Großeltern leben nun 350 beziehungsweise 500 Kilometer entfernt. Ihren Kindern, so meint Anja Engel, geht dadurch natürlich etwas verloren: „Den beiden fehlen so natürlich andere Anregungen, sie kommen nicht in eine andere Umgebung.” Das galt zumindest so lange, bis Anja Engel auf die „Baesweiler Familienpaten” stieß. Seitdem gibt es einen weiteren wichtigen Menschen im Leben von Alina und Daniel: Christina Reiß, der die beiden mehrmals in der Woche einen Besuch abstatten.

Professionelle Begleitung

Die Familienpaten sind ein Projekt der Caritas, das schon seit einiger Zeit erfolgreich in Herzogenrath und Aachen läuft und 2010 auch in Baesweiler an den Start ging. Familienpaten, das sind Menschen, die ein paar Stunden ihrer Zeit verschenken - an Familien, die für diese Zeit dankbar sind. Das können Familien wie Familie Engel sein, wo die Großeltern fehlen, oder auch alleinerziehende und berufstätige Eltern, die einmal ein wenig Zeit für sich brauchen.

Das Programm ist ein Erfolg: Bereits wenige Monate nach seinem Start wurde es mit dem „Prädikat familienfreundlich” der Städteregion ausgezeichnet. Ein Lob ist dies zugleich für die Paten, denn die engagieren sich komplett ehrenamtlich: Sie sind weder „behördliche Aufpasser” noch ein billiger Babysitter. Verlässlich sind sie aber in jedem Fall: Die Caritas begleitet und qualifiziert die Paten, sorgt für den Versicherungsschutz und vermittelt die richtigen Betreuerinnen und Betreuer an die richtige Familie.

Wunderbar geklappt hat das auch bei Familie Engel. „Wir haben uns anfangs erst einmal beschnuppert”, erinnert sich Christina Reiß. Die Patin und die Kinder waren aber direkt auf einer Wellenlänge - und sind sich mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Das tolle Engagement der Patin trägt dazu natürlich wesentlich bei: „Ich versuche, den Kindern immer etwas Neues zu bieten. Mal gehen wir ins Kino in der Baesweiler Burg, spielen verstecken im Alsdorfer Burgpark, essen ein Eis oder gehen einfach mit den Hunden ins Feld.”

Abwechslung ist angesagt, immer dann, wenn die Kinder ihre Patin besuchen. Zugleich gibt es aber auch liebgewonnene Rituale: Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, lauschen Alina und Daniel am liebsten einem Märchen. Hoch im Kurs stehen auch noch ein paar andere Beschäftigungen: Malen, kochen, backen und „Ich sehe was, was du nicht siehst” spielen.

Christina Reiß ist so zu einer echten Bezugsperson für Alina und Daniel geworden. „Die Kinder fühlen sich wohl, sie fordern sogar mehr Zeit mit Christina”, erzählt Anja Engel. Die Zeit wurde ohnehin schon gesteigert: Anfangs gab es noch ein Treffen pro Woche, ein bis drei Stunden wollte die Patin Alina und Daniel widmen. Mittlerweile sind die Absprachen ganz flexibel: Drei bis sechs Stunden verbringen die Kinder mittlerweile bei Christina Reiß, mal kommen sie zweimal wöchentlich, wenn es nicht gut passt, auch mal gar nicht.

Ein wenig über das Familienleben der Engels unterrichtet ist Christina Reiß dabei natürlich immer. „Wir reden schon darüber, wie es Daniel in der Schule geht oder ob es für einen von den beiden ein besonders guter oder schlechter Tag ist”, erklärt Anja Engel. Das, da sind sich Mutter und Patin einig, ist auch notwendig - schließlich muss Reiß verstehen, warum die Kinder vielleicht einmal überdreht oder auch nicht so gut gelaunt sind. Was Christina Reiß dabei für die Kinder genau ist? „Ich bin einfach die Christina”, erzählt Reiß. Zur „Tante” oder gar „Ersatz-Oma” wollte weder sie selbst noch Anja Engel die Patin machen.

Geben und bekommen

Was im Endeffekt zählt, sind dann auch nicht Titel und Namen, sondern wie es den Kindern geht - und da hat Daniel eine klare Meinung: „Ich freue mich immer, hierher zu kommen.” Die Freude der Kinder ist es schließlich auch, die die Patenschaft für Christina Reiß, selbst zweifache Mutter erwachsener Kinder, attraktiv macht: „So bekommt man ja auch etwas zurück.”

Paten werden weiter gesucht: Wer selbst einige Stunden seiner Zeit an Kinder verschenken möchte, kann sich an den Koordinator Rainer Krebsbach von der Caritas wenden: 0241/9492713 oder unter r.krebsbach@caritas-aachen.de per Mail.
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