Baesweiler - Familienpaten schaffen Eltern Freiräume

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Familienpaten schaffen Eltern Freiräume

Von: Thomas Vogel und Stefan Schaum
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Noch ist er der Hahn im Korb: Projektinitiator Rainer Krebsbach hofft, dass sich zu den Patinnen Gerda Tornow, Heike Heinen und Christina Reis auch der ein oder andere Pate gesellt. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. So manchen Mathetest hat Christina Reis schon bestehen müssen. Ratgeberin soll sie sein, entlasten möchte sie. Die 53-Jährige ist eine Familienpatin.

In der Familie, die sie derzeit besucht, versucht sie auch den Wissenshunger eines hochbegabten Jungen zu stillen - um den Eltern eine Verschnaufpause zu ermöglichen. Einmal in der Woche verbringt sie zwei bis drei Stunden in der Familie.

Das Projekt „Familienpaten” ist in Baesweiler noch recht jung. Seit März sind vier Patinnen im Einsatz. Andernorts engagieren sich bereits etliche in dem Angebot der Caritas. In Aachen gibt es mehr als 60 Ehrenamtlerinnen - meist sind es Frauen - in Herzogenrath sind es 15. Auch in Baesweiler soll die Zahl steigen.

Durch die bisherige Resonanz sieht sich Initiator Rainer Krebsbach bestätigt. Familien, die sich jetzt um eine Patin bewerben, kann er nur einen Platz auf der Warteliste anbieten. „Der finanzielle Hintergrund einer Familie spielt dabei keine Rolle”, sagt der Diplom-Sozialarbeiter. Zahlen müssten sie im übrigen nicht für die Dienste. Auch müsse es nicht zwingend ein sozialer Härtefall sein. „Wer Unterstützung sucht kann sie bei uns bekommen.”

Putzfrauen wollen und sollen die Patinnen keineswegs sein. Auch sollen sie keine professionellen Helfer ersetzen. Ihnen geht es darum, im Familienalltag ein wenig Stress abzufedern. Wenn Eltern mal eine Auszeit brauchen, wenn sie mit dem Nachwuchs mehr als alle Hände voll zu tun haben. Den Erstkontakt zu den Familien stellt der 54-jährige Krebsbach persönlich her. Er besucht die Kandidaten daheim und schätzt dann ein, welche der Patinnen gut zu welcher Familie passen könnte.

So ist Heike Heinen in einer Familie mit Drillingen gelandet. Die Fünfjährigen halten ihre Eltern ganz schön auf Trab. Der Weg zu einer Logotherapeutin kann mit diesem Trio schnell zu einem Abenteuer werden. Die ehrenamtliche Helferin sorgt durch ihre Begleitung schon für große Entlastung. Sie kümmert sich um die Kleinen, die gerade nicht an der Reihe sind.

Einmal im Monat treffen sich die Patinnen mit ihrem Projektleiter. Dann werden besondere Erlebnisse in den Familien besprochen und Erfahrungen ausgetauscht. Ohne Vorbereitung wurden die Damen nicht in die Familien geschickt. In Seminaren haben sie nicht nur gelernt, sich in der behördlichen Struktur Baesweilers zurechtzufinden. Auch wie das Jugendamt der Städteregion strukturiert ist, wissen sie. Konfliktbewältigung, der Spagat zwischen emotionaler Distanz und Nähe sowie besondere Anforderungen in muslimischen Familien waren weitere Themen.

Daneben gibt es Dinge, die man nicht vorab lernen kann. Dinge, die man einfach kennenlernen muss. Das Frühaufstehen ist so etwas. Gerda Tornow macht es nichts aus, wenn sie als Patin zweimal pro der Woche schon um 5.45 Uhr bei ihrer Familie auf der Matte stehen muss. Dann frühstückt sie gemütlich mit dem Nachwuchs, während sich die Mutter auf ihren Frühdienst vorbereitet. Später begleitet sie Patin die Kleinen zum Kindergarten.

Warum die 67-jährige Rentnerin das auf sich nimmt? „Ich möchte mich für meine Gesundheit und das schöne Berufsleben bedanken, indem ich jetzt Zeit mit anderen verbringe und ihnen helfe.” Und sie bekomme ja auch etwas zurück, wie übrigens alle Familienpatinnen. Es sei schön zu erleben, wie Vertrauen entsteht. „Das tut richtig gut,” sagt Heike Heinen.
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