Fall von Tierhortung: Fast 40 Katzen aus Wohnung gerettet

Von: Jutta Geese
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Krank und unterernährt: Katzen leiden unter Tiersammlern. Foto: Stock/imagebroker/theissen

Herzogenrath/Städteregion. Es war ein Bild des Jammers, das sich den Mitarbeitern des städteregionalen Veterinäramtes jetzt in Herzogenrath bot: In einer kleinen Wohnung fanden sie fast 40 Katzen vor, fast alle waren in einem desolaten Allgemeinzustand und unterernährt. Einige der Tiere hatten Wunden, die sich auf Kämpfe zwischen den etwa 20 unkastrierten Katern zurückführen ließen. Mehrere Katzen waren tragend.

Die verwahrloste Wohnung war offensichtlich seit Wochen nicht mehr gereinigt worden. Fußböden und Mobiliar waren durch Tierexkremente großflächig verunreinigt. Die beißend stechende Luft führte bei den Mitarbeitern des Amtes zu Brechreiz und Reizungen der Atemwege – und die mussten sich mehrere Stunden dort aufhalten, bis alle Tiere eingefangen waren.

Denn die Tierhalterin ließ nichts unversucht, die Tiere vor ihnen zu verstecken. Obwohl sie weder finanziell noch tatsächlich in der Lage war, die Tiere ausreichend zu versorgen, zeigte sie sich uneinsichtig. Die Wohnung wurde für unbewohnbar erklärt und zwangsgeräumt. Die Besitzerin wurde in einer Obdachlosenunterkunft untergebracht. Ob ihr eine Anzeige droht oder ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, ist noch offen.

Der Herzogenrather Fall ist bereits der vierte Fall von Tiersammelsucht – Animal-Hoarding – in der Städteregion in diesem Jahr. Im Frühjahr wurden schon einmal 40 Katzen gerettet, die auf engstem Raum gehalten worden waren. Beim zweiten Fall befreiten die Mitarbeiter des Veterinäramtes rund 130 Vögel, meist Nymphensittiche und Rosenköpfchen, aus unsachgemäßer Haltung, und zuletzt wurden 25 Meerschweinchen gerettet. „Alle Tiere konnten gut untergebracht werden“, betont Robert Flader von der Pressestelle der Städteregion. Die Rettung, Unterbringung und Versorgung gelinge immer dank der guten Zusammenarbeit mit den Tierschutzorganisationen in der Region.

Und diese Zusammenarbeit ist immer öfter gefordert. Denn die Zahl von Hinweisen auf nicht artgerechte Tierhaltung, Tierquälerei oder auch Tierhortung wie jetzt in Herzogenrath nimmt zu. „In diesem Jahr hat das Veterinäramt mehr als 500 Hinweise erhalten“, sagt Flader. Vor 20 Jahren seien es weniger als 200 im Jahr gewesen. Besorgte Nachbarn melden sich bei der Behörde, Beschäftigte von Hausverwaltungen oder auch Handwerker, die bei Reparaturarbeiten auffällige Beobachtungen machen.

Oft sind die Angaben aber recht vage. „Da stimmt was mit der Tierhaltung nicht“, heißt es dann. Und oft wissen die Anrufer auch nicht, um wie viele Tiere es sich handelt. Vor allem „Tiersammler“ schotten sich nach den Erfahrungen des Veterinäramtes so perfekt ab, dass Nachbarn lange Zeit nichts ahnen.

In jedem Fall werde das Veterinäramt aktiv, versichert Flader. Angesichts der Fülle von Meldungen nicht immer gleich am nächsten Tag. Aber die Mitarbeiter versuchen, möglichst zügig nach dem Rechten zu schauen, vor allem dann, wenn gleich von mehreren Seiten Hinweise kommen.

Möglichkeiten einzugreifen, auch wenn der Wohnungsinhaber niemanden reinlassen will, hat das Veterinäramt. „Bei Gefahr im Verzug können die Mitarbeiter eine Wohnung auch zwangsweise öffnen lassen“, erklärt Flader. Aber das komme nicht so häufig vor. Und nicht jeder Hinweis entpuppe sich als richtig. Doch wenn Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt werden, dann müssen die Tierhalter mit Konsequenzen rechnen, im schlimmsten Fall droht eine Strafanzeige wegen Tierquälerei.

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