Fahrt nach Auschwitz: „Vergeben, aber nicht vergessen“

Von: mabie
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Olsah Bektas, Kenan Ramic und Johannes Schulte (v.l.) in der Art „Dunkelkammer“, die auf eindrucksvolle Art und Weise die Ausstellung der Handelsschüler über den Holocaust ergänzte. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Olsah Bektas, Kenan Ramic und Johannes Schulte sind noch immer tief bewegt von dem, was sie bei ihrer Studienfahrt nach Auschwitz erlebten. Die drei 19-Jährigen von der Handelsschule des Berufskollegs Herzogenrath waren Teil einer 36-köpfigen Schülergruppe aus Roda, die im Rahmen ihrer Studienfahrt nicht nur die Gedenkstätte an den Holocaust besuchten.

„Wir hatten im Vorfeld überlegt, was wir tun, und es war eine gute Entscheidung, dorthin zu fahren“, ist Kenan Ramic sicher.

Beeindruckt haben ihn und seine Schulkollegen nicht nur die intensive Atmosphäre der Gedenkstätte, sondern auch die persönliche Begegnung mit dem Zeitzeugen Florian Granek. Auf die Frage, was er von den Deutschen halte, antwortete dieser nur: „Ich habe vergeben, aber ich kann nicht vergessen.“ Natürlich berichtete er von den unfassbaren Zuständen und dem niemals zum Alltag werden könnenden Grauen, dem er dort permanent ausgesetzt war.

Gerade diese Begegnung hat sich tief in die Erinnerung der jungen Menschen eingebrannt. „Man kennt natürlich Filme, Bücher und auch Geschichten über das, was während des Holocausts passierte“, sagt Johannes Schulte, „aber es ist etwas völlig anderes, wenn man es erlebt, vor Ort das Grauen sieht und fühlt.“

Vor allem die Kleidung der auf grausamste Art und Weise getöteten und misshandelten Menschen, die im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz zu sehen ist, hat Olsah Bektas beeindruckt. „Ich war und bin noch sehr emotional“, sagt er.

Das Anschauliche haben sie auch mit nach Deutschland genommen, wo die Schüler in einem eigenen kreativen Prozess eine eindrucksvolle Ausstellung alleine dem Thema Holocaust widmeten. Musikalisch untermalt, konnten die Besucher nicht nur viele Bilder und Informationen in sich aufnehmen.

Besonders beeindruckend war dabei eine Art „Dunkelkammer“ in der Mitte des Ausstellungsraumes in der Schule, in der Fotos von KZ-Häftlingen und ihren Lebensumständen im menschenverachtenden Vernichtungslager in schwacher Beleuchtung zu erleben waren. Verzweifelte Gesichter fangen den Blick der Betrachter, lassen nicht los. Eine andere Ecke war mit Erinnerungsstücken an durch die Nazis verschleppte und ermordete Aachener Juden gefüllt. Geschichte zum Anfassen, die beeindruckte und bewegte, wie auch Schulleiter Thomas Stephan ergänzte. „Uns ist es wichtig, das jedes Jahr zu machen, solange es noch Zeitzeugen gibt“, sagte er bei einer Vorstellung der Ausstellung beim Herzogenrather Bündnis gegen Rechtsextremismus.

Lehrer Frank Schniske, dem es seit vielen Jahren ein Anliegen war, mit den Schülern die Gedenkstätte in Auschwitz zu besuchen, freute sich, dass die Fahrt auch durch die Unterstützung der Stiftung „Erinnern ermöglichen“ und des Internationalen Bildungswerkes überhaupt erst möglich wurde. Besonders stolz zeigte er sich auch, dass die Schüler nicht nur die Dokumentation, sondern auch die Ausstellung weitestgehend selbst gestalteten. „Ich kann mir aber selbst nach dem Besuch von Auschwitz und dem Gespräch mit dem Zeitzeugen nicht vorstellen, wie man so etwas tun kann“, schließt Kenan Ramic.

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